Au-Pair und Feminismus

Mir ist heute mal wieder ein alter Ordner aus Uni-Zeiten in die Hände gefallen und dort fand ich Unterlagen aus einem Seminar zur Ausbeutung von Frauen durch Frauen. Das Au-Pair Verhältnis wird dort auch problematisch dargestellt. Und irgendwie stimmt es auch was dort steht. Ich befreie mich von Hausarbeit und Erziehungsarbeit indem ich einer anderen Frau eher wenig dafür bezahle, diese Aufgaben zu übernehmen um selbst gutes Geld verdienen zu können.   Denn mal ehrlich es ist wenn Frau/Mann es sich leisten kann viel einfacher die Hausarbeit an Dritte zu delegieren, als sich mit dem Partner aueinander zu setzen wer welche Aufgaben übernimmt.  Und man gewöhnt sich schnell an den Luxus viele lästige Kleinigkeiten an das Au-Pair abgeben zu können. Es bleibt also doch vieles in der Haus- und Erziehungsarbeit eher traditionell Frauenarbeit in Au-Pair Familien.

Aber auf der anderen Seite sehe ich auch, dass unsere Au-Pairs bei uns „emanzipiert“ werden. Sie sehen wie der beste aller Gatten sich an der Haus- und Familienarbeit beteiligt. Ja Männer können und dürfen Windeln wechseln, Bad putzen, Kinder versorgen …. Das ist für viele unserer Au-Pairs eine neue und am Anfang ungewohnte Entdeckung gewesen. Manchmal mussten wir sie fast zwingen den Papa auch mal etwas machen zu lassen 🙂

Und die meisten Mädchen haben bei uns ihr Selbstvertrauen und ihre persönlichen Fähigkeiten weiter entwickelt und gelernt auch stolz auf sich zu sein und unabhängig von den Vorstellungen, Erwartungen ihren Eltern zu leben.  Oder normal mit einem Mann = Gastvater zu sprechen. Auch das für viele Mädchen am Anfang sehr ungewohnt.

Auch die Fixierung auf einen Mann und Kinder als einzige Lebensaufgabe haben die meisten Au-Pairs nach dem Jahr neu überdacht, während eine gerade zu süchtig nach Babys/Kindern war und es kaum erwarten kann eigene Kinder zu haben. So ein Jahr Realität macht kritisch gegen Träume und Wunschvorstellungen.  Ich denke die Sache hat also zwei Seiten.  Und es gibt ja auch immer mehr Jugen die als Au-Pair ins Ausland gehen, auch hier werden Stereotype durchbrochen. Spannend wäre natürlich die Frage ob die Au-Pair Jungs genau so viel Hausarbeit machen müssen wie die Mädchen.

Aus eigener Au-Pair Erfahrung kann ich nur sagen, ich habe in den USA zum ersten Mal gesehen wie selbstverständlich Frauen arbeiten gehen und wie normal Ganztagsbetreuung dort ist. Das kannte ich so aus meiner eher  konservativ ländlichen Heimat nicht.  Im Nachhinein denke ich oft, dass mich diese Zeit mehr geprägt hat, als ich in diesem Moment realisiert habe.  Ich habe dort häufig über Kindererziehung, Partnerschaft und mein zukünftiges Leben nachgedacht. Viele positive Anregungen, aber auch einiges was mich heute hoffentlich vor dem ein oder anderen  Fehler bewahrt habe ich aus dem Jahr mitgenommen.  Und ja ich habe mich dort zum Teil ausgebeutet gefühlt, aber das hat mir sehr früh gezeigt, dass mich persönlich das 100% Hausfrau Dasein nicht ausfüllt. Hätte ich so vorher nicht von mir gedacht. Und es war gut diese Erfahrung mit fremden Kindern zu machen und nach einem Jahr bestärkt den eigenen beruflichen Werdegang in Angriff nehmen zu können.

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