Hausarbeit

Hausarbeit gehört für Familien und für Au-Pairs zum Alltag leider einfach dazu.  Was aber immer wieder zu Unmut und Spannungen führt ist die Frage was ist „leichte Hausarbeit“ die von einem Au-Pair erwartet werden kann.  Denn da sind die Sichtweisen oft sehr verschieden. Ich kann mich noch gut an meine eigene Au-Pair Zeit erinnern und den Frust wenn ich mal wieder das Gefühl hatte die einzige zu sein, die in dieser Familie aufräumt, putzt …   Heute sehe ich das mit etwas Abstand zwar auch aus Sicht meiner damaligen Familie, aber es war schon oft so, dass ich mich in den USA eher als Hausangestellte gefühlt habe und nicht als Teil der Familie.  Auf der anderen Seite habe ich viele Kleinigkeiten nicht gesehen, die meine Gasteltern so nebenbei erledigt haben.

Bei uns war es in den ersten Jahren mit Au-Pair so geregelt, dass wir eine Putzfrau hatten die 1-2x in der Woche gekommen ist und die Grundreinigung + Fenster + Keller übernommen hat. Da ich zu dieser Zeit beruflich sehr eingespannt war und unsere Au-Pairs zwei Kleinkinder/Babys zum Teil gleichzeitig zu betreuen hatten war für uns klar, dass sie mit zusätzlichen/gleichzeitigen putzen, staubsaugen …  überfordert gewesen ist und Ich durch den Beruf auch keine Zeit Lust hatte noch zu putzen, sondern meine freie Zeit lieber mit  den Kindern verbracht habe.  Das einzige was ich an Hausarbeit delegiert habe war zu dieser Zeit die Kinderwäsche und das Aufräumen in der Küche nach den Mahlzeiten. Wäsche konnte entweder in den Mittagsschlafzeiten gefaltete und  gebügelt werden oder Abends vor dem TV. Das konnten die Au-Pairs selbst entscheiden.  In dieser Zeit sind auch die 30 Stunden jede Woche immer mit Kinderbetreuung voll gewesen .  

Als letztes Jahr beide Kinder einen Platz im Kindergarten bekommen haben und unsere Putzfrau sich immer mehr zur Katastrophe entwickelt hat wurde es Zeit unseren Alltag umzustellen.  Unser damaliges Au-Pair machte den Vorschlag einige Aufgaben zu übernehmen, wenn wir ihr im Gegenzug ein teureres Busticket bezahlen. Den Vorschlag fand ich mehr als fair. Denn es war für uns beide eine WinWin Situation.  Sie hat am Vormittag ,wenn die Kinder im Kiga und wir auf der Arbeit wahren, in Ruhe das Haus in Ordnung gebracht (Kinderzimmer, Gemeinschaftsräume, Küche und Kinderbad) und unsere Wäsche gebügelt und ich habe an meinem freien Tag Badezimmer, Schlafzimmer und Keller übernommen. Was soll ich sagen wir haben das Chaos gut in den Griff bekommen. Und wir  hatten auf einmal das Gefühl eine echte Haushälterin zu haben. Die Wohnung war so sauber wie schon lange nicht mehr. Es ist ein tolles Gefühl am Mittag in ein aufgeräumtes, gestaubsaugtes Haus zu kommen. 

Da das so gut gelaufen ist, haben wir dann gerne die Kosten von ca. 65€ die für das zusätzliche Ticket fällig wurden jeden Monat gerne übernommen und auch mal auf 70€ aufgerundet. Das war für uns immer noch etwas günstiger als eine Putzfrau und viel viel  bequemer. Und unser Au-Pair war auch glücklich, weil sie viel mehr in ihrer Freizeit machen konnte.  

Überstunden sind durch die Putzarbeiten so gut wie nicht angefallen, da der Kindergarten ja einen großen Teil der früheren Betreuungszeit abdeckt. Wir haben im Moment ungefähr 1/3 Hausarbeit und 2/3 Kinderbetreuung. Ich plane immer so ca. 2-3 Stunden am Morgen für Kinder zum Kiga fertigmachen,  aufräumen, bügeln, staubsaugen … ein.  Der Rest der Stunden geht dann für Kinderbetreuung an den Nachmittagen oder mal Abends drauf.

Die Putzstunden verteilen sich aber ungleichmäßig über die Woche. Wie unsere Mädchen sich das einteilen ist erstmal ihre Sache solange die Wohnung in Ordung ist und alle noch saubere Kleidung im Schrank haben. In der Regel klappt es auch gut. Manchmal muss man aber erinnern doch mal zu bügeln wenn sich auf einmal 4 Körbe im Au-Pair Zimmer stapeln.

Bin mal gespannt wie es im Sommer weitergeht. Ich habe dem neuen Au-Pair unseren Arbeitsplan ja geschickt und sie findet es ok, das der Anteil an Hausarbeit relativ hoch ist. Aber ich finde es auch wichtig, dass mindestens die Hälfte der Zeit doch Kinderbetreuung ist. Denn ein Au-Pair ist für mich bei aller Hilfe im Haushalt keine Hausangestellte sondern Familienmitglied auf Zeit. Und das bedeutet sie sollte nicht das Gefühl bekommen für den ganzen Haushalt zuständig zu sein. Daher fallen für mich Dinge wie Keller, Elternbad und Schlafzimmer putzen nicht in den Au-Pair Aufgabenbereich.  Die Wäsche wasche ich immer am Wochenende und meinem freien Tag selbst und hänge sie auch auf und unser Au-Pair legt zusammen und macht die Bügelwäsche.  Kochen, einkaufen mache eigentlich immer wir Eltern, aber wenn unser Au-Pair möchte kann sie natürlich auch mal gerne etwas für uns kochen.  Und wenn es stressig wird, weil zum Beispiel ein oder zwei Kinder krank zu Hause liegen, dann ist die Hausarbeit eben Nebensache.  

Wichtig finde ich nur vorher klar und ehrlich mit dem Au-Pair zu sprechen was man als Familie erwartet und was für sie an Aufgaben ok ist. Denn sonst gibt es auf beiden Seiten viel Unzufriedenheit.  Ich versuche gerade am Anfang auch die Aufgaben des Au-Pairs gemeinsamzu erledigen, damit wir beide ein Gefühl bekommen wieviel Zeit man selbst aber auch das Au-Pair  dafür braucht.  

Und „extra Zahlungen“ wie ein teures Busticket (das in den nächsten Ort zahlen wir immer) gibt es eben immer dann wenn ein Au-Pair überdurchschnittlich gut ist und ich nicht ständig seine Aufgaben mitmachen muss oder jede Bitte zu Helfen mit einem langen Gesicht quittiert wird. Aber bisher hatten wir da zum Glück selten Probleme.  Ähnlich sehe ich auch die 10€ oder eine Aufladung fürs Handy extra die ich manchmal gebe wenn eine stressige Woche mit vielen Planänderungen, kranken Kinder, häufigen Verspätungen durch uns Eltern ohne Probleme gut gelaufen ist. Es ist einfach eine Wertschätzung und ein Dankeschön. Keine eigentliche Bezahlung. Denn Überstunden versuche ich möglichst zu verhindern, oder zeitnah auszugleichen.

Wir haben bei unserem neuen Au-Pair für Sommer von der Busregelung auch noch nichts erzählt, da „leichte Hausarbeit“ zu den Aufgaben eines Au-Pairs dazu gehört und solange die 30 Stunden nicht überschritten werden auch nicht als extra Arbeit zählen. Daher ist das Busticket ein Privileg, welches man auch wieder verlieren kann.  Und meine Erfahrung zeigt, das etwas was man als Bonus bekommt viel mehr geschätzt wird, als etwas auf das man glaubt ein Anrecht zu haben. Und ich möchte eben auch die Möglichkeit haben wenn es nich klappt wieder auf eine Putzfrau zu wechseln. Daher lasse ich mich überraschen wie es im Sommer läuft.

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