Vereinbarkeit Familie und Beruf Utopie und Realität

Das Thema Vereinbarkeit Familie und Beruf ist ein Thema faszinierte mich schon im Studium damals noch rein theoretisch.  Ich habe meine Examsarbeit über das Thema geschrieben und viel über das Thema gelesen und nachgedacht.  Und ich war überzeugt, dass Mann/Frau mit der nötigen Planung beides ganz gut schaffen kann. Manchmal muss ich schmunzeln wenn ich meine meine Ideen von damals lese. In der Theorie ist alles immer recht einfach.

Es klappt auch in der Realität, aber manches Mal beneide ich heimlich die Elternzeitmamas , einfach um ihre vermeintliche zeitliche Freiheit.  Und zwar immer dann, wenn ich mal wieder nicht ins System passe oder unser sorgsam geplantes Betreuungsnetz in sich zusammen fällt.  Ich fühle mich nämlich manchmal in beiden Systemen wie ein Alien. Die Vollzeitmamas sind  oft freundlich reserviert und auf der Arbeit schauen mich die Vollzeitkollegen wie ein exotisches Wesen an.  Aber vielleicht bin ich ja auch ein bischen zu empfindlich.

Weil:

– Der Kiga alle Mütterevents immer auf die Vormittage legt. Und nie in die Schulferien. So verpasse ich regelmäßig die Musikaufführungen, Müttertreffen und Spielgruppen.  Am Nachmittag laufen dann Veranstalltungen für Väter und da sind häufig Mütter nicht erwünscht. Beispiel Babyschwimmen.

– Verabredungen mit anderen Kindern schwierig sind, da sie normalerweise beim Abholen vor dem Mittagessen getroffen werden. Ich/Au-Pair kommen aber erst nach dem Essen und dann ist alles schon gelaufen.

– der Kinderarzte am liebsten nur Termine am Vormittag hat und die liebe Sprechstundenhilfe nicht versteht warum ich nur 1x in der Woche Morgens kann.

– die Kinder morgens betteln ob ich nicht auch mal zu Hause bleiben kann um mit ihnen zu spielen und mein Mamaherz blutet.

– Ich mal wieder den „natürlichsten“ Vorgarten der ganzen Siedlung habe, weil ich seit Wochen nicht dazu komme ihn mal wieder richtig in Ordnung zu bringen.

– Mich ältere Kolleginnen aber niemals Kollegen  mit ihren Theorien über vernachlässigte Kinder beglücken die schon mit 2 Jahren fremdbetreut werden und wie wichtig es war, dass sie damals lange zu Hause geblieben sind.

– meine Unterrichtsvorbereitung mal wieder Schwellendidaktik ist, weil die Kinder den ganzen Tag die Mama brauchten und am Abend auch erst viel zu spät eingeschlafen sind.

– Konferenzen, Termine bei uns in der Schule immer möglichst kurzfristig bekannt gegeben werden, oder gerne auch noch mal kurzfristig umgelegt.

– Der Kiga den dritten Tag dieses Jahr die Betreuung früher oder ganz einstellt und somit auch alles wieder umgeplant werden muss.

– 100 Möglichkeiten bestehen sich im Kindergarten einzubringen für die mir aber leider häufig die Zeit fehlt.

Aber ich bin auch realistisch genug zu sehen, dass es sicher 100 andere Situationen gibt in denen mich dieselben Mamas um meine Möglichkeiten beneiden. Und mir fallen eben auch genug Gründe für die Arbeit ein.

– Unsere Familie hat durch zwei Einkommen viel mehr Sicherheit. Es ist für beide Partner ein gutes Gefühl, dass man nicht allein für alles verantwortlich ist.

– Wir können uns den Luxus  eines Au-Pair  leisten auch so auch als Paar allein etwas unternehmen.

– Unsere Kinder sind  früh selbstständig und gehen offen und neugierig auf neue Menschen zu.

– Wir können uns ein Haus mit großem Garten leisten. Platz ist mit Kindern  Luxus.

– Ich kann meinen Kinder Musikschule, Ausflüge, Urlaube ermöglichen, die von einem Gehalt so sicher nicht bezahlbar sind.

– Ich liebe meinen Beruf und gehe meistens einfach gerne arbeiten.

– Es ist toll auch mal nicht nur über KKK Kinder Küche Klatsch zu reden.

Fazit:

Vereibarkeit klappt wenn die Rahmenbedingungen stimmen und man bereit ist Kompromisse einzugehen.

– Man braucht eine gute Kinderbetreuung am besten mit doppeltem Boden.

– Man muss sich eingestehen, das Frau wenn sie nicht Superwomen ist Hausarbeit, Familienzeit/Erziehung und Erwerbstätigkeit nicht  allein 100 perfekt erledigen kann. Delegieren und Abstriche machen ist notwendig.  (Bei mir ist die Priorität ganz klar Kinder/Beruf vor Haushalt)

– Eine Umgebung die einen unterstützt oder zumindest keine Knüppel zwischen die Beine wirft. Denn das chronisch schlechte Gewissen haben wir Mütter glaube ich doch genetisch eingebaut, da brauche ich keine Nachbarn, Großeltern, Kollegen, Kigadrachen …. die da noch dran schrauben.

– Eine Gesellschaft die Kinder nicht nur als Kosten/Risikofaktor sieht, sondern als normaler Teil des Lebens der eben genauso dazugehört wie vieles andere auch. Und wenn das so ist, dann fühle ich mich als berufstätige Mutter vielleicht auch nicht mehr so „zwischen allen Welten“.

All das ist mir persönlich 1000x mehr wert als irgendwelcheund  Herdprämien, Bildungsgutscheine oder Erziehungs- Elterngeld Zahlungen. Natürlich hätte ich mich gefreut wenn ich auch was davon bekommen hätte, aber das alles hätte meine Lebensplanung oder die Entscheidung für Kinder nicht wirklich beeinflusst.  Einzig die Vätermonate des Elterngeldes sind finde ich eine tolle Sache, da so auch die Väter die Möglichkeit bekommen ihren Teil am Familienleben zu haben ohne gleich die Familie in finanzielle Nöte zu stürzen.

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6 Antworten to “Vereinbarkeit Familie und Beruf Utopie und Realität”

  1. hostmam Says:

    Ich hätt dann gerne noch Kollegen – genauer gesagt Kolleginnen – , die auf meinen manchmal etwas überstürzten Abflug wegen Kinderkatastrophen nicht immer mit hochgezogener Augenbraue und Sprüchen a la „Also bei mir hätts das damals nicht gegeben“ reagieren.

  2. higanbana Says:

    Hier im Sueden Japans sagt zwar niemand was, wenn man seine Kinder in Tagesstaetten gibt, im Gegenteil, es wird sehr empfohlen, das mindestens ein Jahr vor Schulbeginn zu machen. Aber wenn Frauen dann doch arbeiten wollen, dann bleiben eigentlich nur so Studentenjobs zu 5-6 Euro die Stunde. Besser bezahlte niveauvolle Arbeit und besonders kleine Kinder zu verbinden zu versuchen, ohne Oma vor der Haustuer zu haben, ist hier illussorisch. Von einer Vollzeitlehrertaetigkeit ganz zu schweigen, allein schon durch das Rotationssystem – Zwangsumziehen alle 5-7 Jahre – und die vielen Ueberstunden (bis abends 20.00 Uhr und am Wochenende) ist das eigentlich unmoeglich. Nach einem Arbeitstag von 7 bis 8 Uhr war ich so fertig, dann ich echt nur noch meine Ruhe haben wollte und abends nur noch ins Bett gefallen bin. Und sich vorzustellen, dann noch 2 Kinder zum Essen zu bewegen, zu baden und ins Bett zu packen, also ich waere wahrscheinlich nach ein paar Wochen einfach nur noch umgekippt.

    Oder aber man braucht eine Vollzeitoma oder einen Hausmann, wenn man als Frau selber arbeiten muss oder will. Au-pair oder auch nur Babysitter waere hier undenkbar, „Du willst doch deine Kinder nicht jemandem ohne Lizenz anvertrauen, oder?“ (O_O)

    Anspruchsvollere Frauenarbeit kenne ich hier nur von Frauen ohne Kinder, die meist auch noch alleinstehend sind. Und dann ist immer noch die Frage, ob sie dann nicht doch mehr zum Empfang, Kaffeeeingiessen und Kopieren verdonnert werden. Oder aber die Frauen hatten das Glueck, im Geschaeft ihres Mannes mitarbeiten zu koennen.

  3. elamatrix Says:

    Was bin ich froh, hier im Osten unseres Landes zu leben.
    Ich werde nicht schräg angeschaut, dass ich nach einem Jahr wieder arbeiten möchte. Es gibt (okok, es war nicht leicht und ich habe lange gebangt einen zu bekommen) Ganztags-Krippenplätze. Bei mir auf Arbeit haben eigentlich 90% der Frauen Kinder. Die restlichen 10% sind Azubis und Studenten.

    Einzig ein paar Freundinnen waren etwas ’nervig‘ weil sie vor dr Geburt nicht glauben wollten dass ich tatsächlich zügig wieder arbeiten gehe. Wäre doch nicht üblich

  4. mara Says:

    hm, mal so von der anderen seite (vollzeitmutter) … eine freundin von uns wollte wieder früh arbeiten gehen, und ich habe dann den sohn betreut … wir können uns gut leiden – und würden nicht miteinander tauschen wollten (herdprämie kränkt mich ein bisschen 😦 )

  5. aupairfamilienrw Says:

    Herdprämie muss dich doch nicht kränken, sondern eher die Politiker die diesen Begriff geprägt haben und fordern. Denn Vollzeitmama ist ist ja ein mehr als Vollzeitjob und der sollte nicht prämiert werden, sondern akzeptiert und wertgeschätzt. Denn ich möchte ja auch keine Jobprämie, sondern eine faire Bezahlung.

    Meine beste Freundin ist auch Vollzeitmama und wir beide verstehen uns super und wollen gegenseitig auch nicht tauschen. Es sind ja zum Glück nicht alle gleich. Mein Gedanke ging in die Richtung, dass Frauen sich untereinander heftiger angreifen als jeder Mann das tut.

  6. frauenzeit Says:

    Hallo, ich gratuliere zu dem super Artikel!

    Frauen und Frauen artet manchmal in ziemlichem „Zickenkrieg“ aus, das kenne ich auch. Es ist trotzdem das Wichtigste für mich, meinem Konzept der Vereinbarkeit treu zu bleiben. Mutter/berufstätige Mutter ist schliesslich nicht gleich Mutter und wir haben alle unterschiedliche Rahmenbedingungen und Bedürfnisse. Da muss jeder seinen/ihren Weg gehen.

    Andererseits ist ein gutes „berufstätige Mütter“ Netzwerk sehr hilfreich in zwei Punkten:
    – gegenseitige Hilfe (und wenn es nur darum geht, wer zu welchem Sondereinkauf zwischendurch Zeit hat und für die anderen etwas mitnimmt)
    – Unterstützung und Rat, sowohl für zuhause, als auch im Berufsleben.

    Meinen kleinen feinen Kreis der berufstätigen Mütter möchte ich nicht missen.

    Alles Gute noch weiterhin!

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