Glückliche Au-Pairs

Nach 1x selbst Au-pair in den USA und  gut 4 Jahren Au-Pair Gastmutter Erfahrung möchte ich mal zusammenfassen was ein Au-Pair meiner natürlich völlig unrepräsentativen Erfahrung nach zum Glücklich sein braucht.

1. Ein Zimmer in dem es sich wohlfühlt.

Es schadet nichts wenn es Tageslicht nicht nur durch schmale Schlitze bietet, sondern richtige Fenster hat. Und auch die Einrichtung sollte nicht ein bunter Mix von Spermüll und Tante Ernas Gelsenkirchner Barock sein. Das ist zwar auch irgendwie Kulturaustausch, aber es grenzt vielleicht auch bein wenig an optische Folter.

Neben selbstverständlichkeiten wie Bett, Schrank und Stuhl werden bei uns besonders der Schreibtisch und ein gemütlicher Sessel häufig genutzt.

Ein gemeinsamer Ausflug meist in den ersten Wochen zu Ikea um ein paar individuelle Kleinigkeiten und evt. größere Ersatzteile zu kaufen ist übrigens ein tolles Event um sich näher zu kommen (wer ein Billy gemeinsam aufgebaut hat, der kann auch sonst miteinander reden) und dem Au-Pair zu ermöglichen eigene Akzente im Zimmer zu setzen. Es sozusagen in Beschlag zu nehmen.

Technische Ad ons wie eigener TV, DVD-Player und Wasserkocher für Tee haben wir immer zu Weihnachten, Geburtstag oder als Dankeschön für extra Leistung zur Verfügugn gestellt.

Am Anfang gut überlegen ob man Telefon (evt. Sperre für Handynummern) und PC/ Laptop mit Internet wirklich  ins Au-Pair Zimmer stellt. Denn etwas wieder aus dem Zimmer nehmen gibt sicher böses Blut und Streit.  Daher lieber erst nach ein paar Wochen Privilegien(Telefon, Internet) vergeben, wenn man schon einschätzen kann ob es auch funktioniert und Familienregeln eingehalten werden.

Ansonsten die Lage vielleicht nicht direkt zwischen Eltern- und Kinderzimmern, sondern wenn möglich mit etwas mehr Privatssphäre.  Eigenes Bad oder zumindest nur mit Kindern zu teilen ist immer gut. Auch für einen selbst als Familie.

2.  Freunde und soziale Kontakte

Wer einmal längerfristig im Ausland gelebt hat,  kann sich bestimmt daran erinnern, wie einsam man sich  am Anfang in der neuen Umgebung fühlte. Man spricht die Sprache nicht richtig und kann sich oft nicht so ausdrücken wie gewohnt. Auserdem lebt mam auf einmal mit dem eigenen Chef und einer Familie mit kleinen Kindern zusammen. Das kann schon einen richtigen Kulturschock auslösen. Dann braucht es Kontakt, damit das Heimweh nicht zu schlimm wird.

Andere Au-Pairs ,am besten aus dem gleichen Heimatland, sind bei uns immer am naheliegensten. Obwohl es aus Sprachlerngründen sicher besser ist gemischte Freundschaften zu suchen. Aber mit Au-Pairs kann man über die Gastfamilien lästern, eigene Erfahrungen austauschen und Rückmeldung bekommen ob es anderen genauso geht wie einem selbst. Wir haben hier im Ort Glück. Obwohl wir eher ländlich wohnen gibt es immer 2-3 andere Au-Pairs in der direkten Nachbarschaft. So ist der erste Kontakt meist schon am Tag der Ankuft da. Denn die Mädchen sind natürlich neugierig und kommen „mal eben“ vorbei. Natürlich nur weil die Kinder so gerne unsere Damen besuchen wollten 😉

Vorsichtig sollte man als Familie nur sein, wenn ein Au-Pair dabei ist, die andere Mädchen gegen die Familien aufstachelt. Das hatten wir aber zum Glück nur 1x und da ein super Au-Pair, die das sofort durchschaut hat.

Andere Möglichkeiten für Kontakte sind Sprachkurs, Sportverein oder Au-Pair Treffen. Wobei meine Erfahrung ist, dass viele Au-Pairs gerade am Anfang eher passiv sind und nicht wirklich eigenständig auf Kontaktsuche gehen. Aber vielleicht auch, weil wir ja schon eine eigene Truppe im Ort haben.

Bevor ich ein Au-Pair einlade würde ich auf jeden Fall überlegen wo sie Kontakt haben kann, denn auf lange Sicht braucht sie Kontakte zu Gleichalterigen außerhalb der Familie. In größeren Städten bietet häufig die Kirche Au-Pair-Treffen an. Oder man versucht es über Sprachkurs oder Ausländeramt. Die dürfen zwar keine Adresse rausgeben, aber vielleicht Infos geben ob es überhaupt in der Nähe Au-Pairs gibt und man hört sich um.

3. Einen klaren Arbeitsplan.

So bequem es als Familie ist, wenn das Au-Pair auf Abruf und Bereitschaft arbeitet. Für ein Au-Pair ist es sicher die Hölle. Es weis nie wann es frei hat oder arbeiten muss und so kann das Gefühl aufkommen nie frei zu haben.

Bei uns hat sich bewährt eine Familienkalender in den alle ihre wichtigen Termine und Extrawünsche, Extrastunden eintragen. So haben wir und unser Au-Pair den Überblick ob die 30 Stunden von beiden Seiten eingehalten werden.

Zusätzlich haben unsere Au-Pairs einen „Stundenplan“ in dem für die Woche Mo-Fr ihre festen Arbeitszeiten vermerkt sind. So wissen sie genau wann sie frei haben und wann wir sie brauchen. Das macht es für beide Seiten planbarer. Wenn man sehr wechselhafte Zeiten hat würde ich dennoch versuchen am Sontag einen Plan für die Woche zu machen und langfristig zumindest das freie Wochenende im Monat festzulegen.

Wir haben auch noch einen Au-Pair Ordner in dem die wichtigsten Familienregeln, Arbeitsplan, Freizeittips, Kindertips und Kochrezepte gesammelt stehen. So kann das Au-Pair bei Bedarf nachschauen und muss sich nicht immer trauen zu fragen.  Denn das ist häufig gerade am Anfang schwer.

4. Mobilität

Man sollte darüber nachdenken wie mobil das Au-Pair sein kann. Wenn es einen Führerschein hat (in Deutschland eher selten und schwer zu finden) muss man sich gut überlegen ob man das eigene Auto auch für Freizeit zur Verfügung stellen kann und will.  Denn Versicherung für U25 kostet einiges extra und viele Au-Pairs haben 0 Erfahrung im Straßenverkehr und fahren entsprechend riskant.

Wenn das Auto wegfällt kommt die Frage nach der Anbindung an den Nahverkehr. Wie oft und vor allem wie lange fahren die Busse am Abend/Wochenende in attraktive Städte der Umgebung? Und was kostet so eine Fahrt. Kann ein Monatsticket bezahlt werden und wie hoch sollte der Zusschuss für Fahrten sein wenn dies zu teuer ist.

Ein eigenes Fahrrad ist super, aber nur wenn das Au-Pair auch fahren kann. Das ist gerade in Osteuropa nicht selbstverständlich. Und Strecken die Ich gut mit dem Rad mache sind für viele Au-Pairs viel zu weit.

Fahrdienste sind bei Au-Pairs wie Gasteltern nicht sehr beliebt, aber häufig nötig wenn weder Führerschein noch Bus zur Verfügung stehen. Wenn Abends kein Bus mehr fährt muss man als Gastfamilie auch mal zum Kino, Bahnhof oder Freunden fahren und abholen. Denn ein Au-Pair braucht Freizeit und die Möglichkeit andere zu treffen. Aber immer zu fragen ist für die Au-Pairs unangenehm und manchmal hat man auch als Familie nicht wirklich Lust jedes Wochenende früh zum Bahnhof zu fahren oder Abends spät abzuholen. Also vorher überlegen welche Möglichkeiten es gibt.  Mein Tip je  ländlicher man wohnt um so mehr Kosten für Fahrten sollten übernommen werden und um so selbstständiger sollte das Au-Pair sein.  Oder man sucht gezielt jemand der nur mit der Familie bleiben möchte. Aber auch das kann irgendwann ziemlich anstrengend werden.

5. Glück und Verständnis

Gehören auf beiden Seiten auch dazu. Es ist nämlich bei aller geziehlter Suche, immer auch Glück, ob dann die Chemie wirklich stimmt. Ob es so läuft wie man sich das auf beiden Seiten vorgestellt hat. Es kommt auf beiden Seiten auch darauf an, ob man für die Gegenseite genug Verständnis aufbringt um sich auch kleine „Fehler“ nicht zu übel zu nehmen. Denn genau so wie wir nicht die optimale Gastfamilie sind, sondern Fehler, Macken und Eigenheiten haben, gestehe ich auch unseren Au-Pairs Fehler und Eigenheiten zu.  Und bisher hatten wir eigentlich immer Glück, dass wir uns gut aneinander gewöhnt haben und schöne Zeiten mit unseren Mädchen haben und hatten.  Auch wenn ich manchmal gerne Mäuschen wäre, wenn sie mit den anderen Au-Pairs über uns reden.

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6 Antworten to “Glückliche Au-Pairs”

  1. Tamar Says:

    Merci für die ausführliche Liste. Nach mehreren mehr oder weniger gelungenen Versuchen mit jungen Frauen aus dem Bekanntenkreis werden wir uns wohl für den Sommer auf die Suche nach einem „richtigen“ Au-Pair machen müssen. Und da bin ich ganz froh, einige deiner Tips im Hinterkopf zu haben.

  2. aupairfamilienrw Says:

    Viel Glück bei der Suche. Ich bin gespannt wie eure Erfahrungen sein werden. Und es ist schön wenn es mehr Gastfamilien gibt die ihre Erfahrungen bloggen.

  3. annalenamassow Says:

    Ja, ich les auch immer gern mit 😀

    Meist ja als ‚kritisches Au-Pair‘ das gegenliest was die Au-Pair Familien so denken 😉

    Was den Au-Pair Ordner angeht: das kann auch ordentlich schief gehen 😀 Ich kenne einige Au-Pairs die sauer waren weil ihnen einer vorgelegt wurde! Das liegt halt mehr oder weniger daran was das jeweile Au-Pair so mag und wie es aufgezogen ist..

    Was den Stundenplan angeht stimm ich dir direkt zu, hier habe ich allerdings keinen und finds überhaupt nicht schlimm weil es recht locker ist und gut klappt. Praktisch ists aber, vor allem weil man dann viel besser Freizeitaktivitäten planen kann.

    Ach, und ich glaub übrigens nicht, dass du hören wollen würdest was deine Au-Pairs über dich sagen 😉 Das ist nämlich meist aus ner stressigen Situation heraus und selten nur nett 😀

    Schade eigentlich, dass ich im Sommer schon was vorhab, sonst würd ich mich ja fast mal direkt als euer neues „richtiges“ Au-Pair bewerben 😉 😀 Klingt zumindest immer ganz nett bei euch 😀 @Tamar

    • aupairfamilienrw Says:

      „Ach, und ich glaub übrigens nicht, dass du hören wollen würdest was deine Au-Pairs über dich sagen Das ist nämlich meist aus ner stressigen Situation heraus und selten nur nett “

      Das macht es ja gerade so spannend. War ja selbst Au-Pair und kenne das noch gut 😉 Diese Lästerrunden hatten fast was meditatives. Wer hatte die schlimmste, komischste Familie ….

      Aber bei aller Lästerei es steckt doch immer ein Körnchen Wahrheit mit drin und ich fände es spannend welche Punkte unsere Au-Pair bei uns komisch, störend oder vielleicht auch gut finden.

      Man denkt sich einiges, aber wahrscheinlich genau das Gegenteil dessen, was das Au-Pair denkt.

  4. Tamar Says:

    Nun, es ist nicht immer ganz nett, aber ich bemühe mich schon sehr, keine Sklaventreiberin zu sein. 😉

  5. Anna-Lena Says:

    *lach* stimmt wahrscheinlich..
    ich würds ja auch gern bei meiner/meinen Gastfamilien wissen 😉
    Bei einer Gastfamilie hat mir aber meine kleine Gasttochter immer alles direkt mitgeteilt was gutes und schlechtes über mich gesagt wurd 😀 war schon spannend 😉

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