Kinder und Au-Pair eine Beziehung in 5 Akten

Ich bin jedesmal froh, wenn ein Brief unseres neuen Au-Pairs im E-Mail Postfach ankommt. Denn neben der Suche und der Angst dass die Favoritin durch den Sprachtest fällt finde ich die Zeit bis zur Ankunft immer ein bischen wie Warten auf den großen Supergau.

Nennt mich paranoid, aber ich habe immer Angst, dass ein Au-Pair sich kurz vorher noch mal alles ganz anders überlegt. Liebeskummer, Angst vor dem großen Schritt ins Ausland, Geldnot, Krankheit …. mir fallen da leider 1000 Gründe ein, warum etwas dazwischen kommen könnte.  Das einzige was mich aufrecht hält ist die Erkenntnis, dass wir zumindest kurzfristig auch ohne Au-Pair zurecht kommen würden. Es darf eben nur keiner krank werden, Konferenzen ansetzen oder uns im Chaos besuchen kommen.

Aber unsere Lina schreibt regelmäßig und das macht mir Mut. Sie beherrscht übrigens aktives Zuhören. Sie fasst immer am Anfang ihres Briefes meinen Brief sehr süss zusammen und dann schreibt sie über ihre Erlebnisse. Sie scheint ein sehr organisierter Typ zu sein. Ich bekomme fast immer den Brief 1x auf Englisch und 1x auf Deutsch. Und ihr Deutsch wird immer besser 🙂

Habe ihr letzte Woche einen ausführlichen Brief über unsere Erziehungsgrundsätze geschickt. Das Thema hatten wir zwar schon ein paar mal während der Entscheidungsphase, aber ich dachte es schadet ja nichts auch mal über typische  Anfangsprobleme mit den Kids zu schreiben und wie sie reagieren sollte und warum. Ok ich habe die Theorie geschickt und nichts bereitet 100% auf die  die manchmal frustrierende Realität vor, ber ich finde es wichtig, dass die Mädchen vorher darüber informiert sind, welche typischen Probleme am Anfang auf tauchen werden.  Und die Phasen kommen mit ziemlicher Sicherheit:

Phase 1. Das liebst Kind der Welt

Wenn ein neues Au-Pair ankommt habe ich immer für einige Tage, manchmal auch 1-2 Wochen die liebsten Kinder der Welt, zumindest wenn das Au-Pair dabei ist. Und diese Phase ist himmlisch für uns Eltern, aber gefährlich, da man zu kompromisbereit wird und das Au-Pair in trügerischer Sicherheit lebt.  Der Gedanke vieler Au-Pairs ist sicher: “ Oh was für strenge Eltern. Sie schreiben über Trotz, Frechheit und Weglaufen und die Kinder sind solche Engel“ .   Diese Phase fällt passender Weise auch noch in die ersten Wochen, wo viele Au-Pair alles toll finden und sich ein bischen wie im Urlaub fühlen.

Ich nutze diese Phase um ein möglichst gutes Verhältniss zu unserem neuen Au-Pair aufzubauen und ihr zu zeigen, dass sie immer mit uns reden kann. Ich versuche auch gerade in den ersten Wochen unser Routinen (Schlafen, Essen, TV, Putzen) 120% einzuhalten. Denn was jetzt falsch einschleift bekommt man fast nie wieder raus.

Phase 2 :  Wer hat die Engel gegen die kleinen Zombies vertauscht?

Diese Phase fällt gemeiner Weise fast immer mit der ersten Heimweh Krise und der Erkenntniss zusammen, „Au-Pair ist kein Urlaub, sondern Arbeit und deutlich anstrengender als ich mir das vorgestellt habe“.  Und als besonders Highlight gibt es 2 Kinder die das Au-Pair für nett und vertrauenswürdig befunden haben und ihr dies durch besonders fieses und gemeines Verhalten danken.  Ich versuche immer die Mädchen darauf vorzubereiten und zu vermitteln, dass es eigentlich ein Liebesbeweis ist, wenn die Kinder Grenzen testen, aber die Phase ist hart. Wir hatten in dieser Phase schon sehr unschöne Situationen. Die Kinde sind einfach weggelaufen und haben das Au-Pair stehen gelassen und da waren sie gerade 2 und 3 Jahre. Au-Pairs wurden ignoriert und als doof/gemein bezeichnet.  Und ich befürchte dieses Mal wird es noch härter, da die Kinder ja mit ihren Fähigkeiten wachsen.  😦

Wichtig finde ich für mich dem Au-Pair den Rücken zu stärken und immer im Gespräch zu bleiben. Wenn alle Erwachsenen an einem Strang ziehen hat man diese Phase mit etwas Glück nach 1-2 Wochen hinter sich. Die Kinder müssen eben merken, das Au-Pair mag uns, aber sie ist der Chef und stellt die Regeln auf.  Und genau damit haben viele Au-Pairs am Anfang riesen Probleme. Sie versuchen die Kinder zu kaufen, indem sie ihnen Süssigkeiten schenken oder heimlich Tv erlauben. Aber mit dieser Taktik machen sie sich selbst das Leben schwer. Eins unsere Au-Pairs hat in ihrer Verzweiflung unserer 4 jährigen 50cent bezahlt, damit sie endlich läuft. So geht es nicht. Aber ich kann die Versuchung verstehen.

Zum einen haben die Mädchen häufig Angst, dass die Kinder sie nicht mögen und versuchen Sypathie zu kaufen und sie haben Angst, was passiert wenn sie die Kinder schimpfen und diese sich bei uns beschweren.  Diese Phase ist die heikelste, denn sie entscheidet wie das Au-Pair Jahr für alle Beteiligten weiter läuft.

Unser jetziges Au-Pair wird von den Kids heis und innig geliebt, aber sie schafft es bis heute nicht wirklich sich durchzusetzen. Sie ist mehr ein drittes Kind und keine Erwachsene aus Sicht der Kinder. Die nutzen es häufig aus. Aber alle Versuche  ihr zu mehr Autorität zu verhelfen scheitern. Sie möchte es auch nicht wirklich. Das ist für sie natürlich anstrengend und für uns machmal auch.

Phase 3 :  Der Alltag kehrt ein

Wenn man Phase 2 überlebt hat können alle Beteiligten durchschnaufen. Denn dann hat das Au-Pair hoffentlich genug Selbstbewußtsein und Autoriät vor den Kids, dass der Alltag sicher und ohne ständige Auseinandersetzungen läuft und wieder Raum ist für wohl dossierte Ausnahmen. Denn ein Au-Pair darf natürlich genau wie Omas kleine Geheimnisse mit den Kids haben, aber sie sollten eben im Rahmen bleiben und nicht gegen unsere grundsätzlichen Erziehungslinie laufen.   Aber das hatten wir bisher zum Glück noch nicht.

Phase 4 :  Kinder lieben das Au-Pair

Diese Phase erreicht nicht jedes Au-Pair, aber wir hatten eigentlich immer Glück.  Diese Phase kommt meistens erst nach einigen Monaten und zeigt sich darin, dass die Kinder das Au-Pair wirklich als Familienmitglied sehen. Sie kriechen zu ihr nachts ins Bett, sie fordern Zeit mit dem Au-Pair ein wenn diese längere Zeit frei hat,  sie suchen und fragen nach dem Au-Pair wenn es unterwegs oder im Urlaub ist.  Diese Phase ist für alle die schönste und wenn wir diese erreicht haben merkt man eben auch den Unterschied zu normalen Babysittern. Die werden auch gemocht, aber eben nicht soooooo geliebt.

Phase 5 :  Du gehst weg du bist gemein!

Diese Phase tritt meistens 2x im Jahr auf. Zum ersten Mal wenn die Kinder mitbekommen, dass ein neues Au-Pair gesucht wird. Dann wird ihnen deutlich, dass das jetzige ja auch wieder gehen muss und dann kommt aus auch manchmal zu ähnlichen Szenen wie in Phase 2.  Wir hatten diesmal zum Beispiel den Satz : „Du gehörst nicht zu uns, geh doch zu deiner Mutter essen“, das ganze aber mit Tränen in den Augen und tief traurigen Blick.  Aber unser Au-Pair und Ich haben erstmal geschluckt.  Und ganz schlimm ist es natürlich kurz vor der Abreise. Da wechseln Ablehnung und heise Liebe in kurzen Abständen. Aber auch diese Phase gehört leider dazu. Wir versuchen aber immer ehrlich mit den Kindern zu sein und je älter sie werden um so mehr können sie auch über Skype Kontakt halten. Aber die Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen bleibt natürlich.   Dafür muss auch Raum sein und ich finde es wichtig das Au-Pair und Kinder auch über ihre Gefühle sprechen. Denn wenn unser Mädchen merken, dass Au-Pair freut sich auch auf Zuhause und es geht freiwillig, dann können sie den Abschied auch viel besser aktzeptieren.

Und dann geht es ja auch schon wieder los bei Phase 1 ……

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4 Antworten to “Kinder und Au-Pair eine Beziehung in 5 Akten”

  1. Kathrin Says:

    Diesen Post hätte ich sehr gerne vor meinem Beginn hier gehabt. Denn auch mein Sechsjähriger war erst ein Engel, dann ein kleiner Teufel (für ca eine Woche) und jetzt ist alles gut 🙂

    Aber er hat akzeptiert, dass ich auch wieder gehen muss, vielleicht aber geht das mit Sechs auch schon besser.
    Aber bis dahin haben wir ja noch 9 Monate. Vielleicht kommt das noch. Wenn wir aber jetzt mal irgendwie vom nächsten Jahr sprechen, dann fragt er auch, wann ich wieder gehe und was ich dann mache usw.

    Grüße und auf dass es vielen angehenden Au-Pairs hilft.

  2. Au Pair Says:

    Ein sehr schöner und hilfreicher Beitrag! Ich wünschte, ich hätte ebenfalls zu Beginn meines Au Pair-Jahres davon gewusst.

    Liebe Grüße und weiter so!

  3. Lisa Says:

    Auch wenn der Beitrag schon älter ist… Ist die Familie noch aktiv und könnte Kontakt mit mir aufnehmen? Würde mir sehr helfen, in meiner Phase 2 mit ausgebliebener Phase 1!
    Liebe Grüße

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