Briefe ans Au-Pair Erziehungstips

Hier ein Brief, denn ich unserem neuen Au-Pair geschickt habe um mit ihr über Erziehung zu sprechen. Sie hatte gefragt wie wir mit den Kindern umgehen und worauf sie achten soll.
Liebes Au-Pair
… persönliche Einleitung und nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen …
Aus meiner Erfahrung nach jetzt 4 Jahren als Gastfamilie habe ich gemerkt, dass in anderen Ländern häufig ganz anders mit Erziehung und Kindern umgegangen wird. Ich finde es immer wieder spannend, was unsere Au-Pairs von zu Hause und ihrer eigenen Kindheit erzählen. Wie bist du denn erzogen worden? Welche Strafen gab es für dich? Ist es bei euch noch üblich körperlich zu strafen?
Ich bin deshalb so neugierig, da du ja bei uns vielleicht einen ganz anderen Erziehungsansatz kennen lernst oder genau den gleichen. Ich versuche einfach unseren Ansatzt etwas zu beschreiben.
Aber am Anfang des Jahres stellen Große Hilfe und kleine Hexe die neuen Au-Pairs immer auf die Probe. Sie werden ziemlich frech und wollen wissen wo deine Grenzen sind. Daher ist es gerade am Anfang wichtig, dass du ihnen 2 Dinge ganz klar zeigst. 1. Du magst die beiden und kannst tolle Dinge mit ihnen machen. So merken Sie es ist gut sich mit dir anzufreunden und freuen sich wenn du Zeit mit ihnen verbringst. Aber sie sollten auch wissen Du  bist 2. Ein Erwachsener und ihr „Chef“. Chef in dem Sinne, dass sie auf dich hören müssen wenn du etwas sagst, weil du Gefahren besser erkennst als sie, oder weil du für uns darauf achtest unsere Regeln einzuhalten.
Diese Phase am Anfang ist für alle ziemlich anstrengend und dauert wenn alle konsequent sind zum Glück nur 1-2 Wochen, aber wichtig ist, dass wir Erwachsenen dann alle zusammen arbeiten und viel reden.  In den ersten Wochen sind die beiden meistens sehr sehr lieb, weil sie noch unsicher sind und dich nicht richtig kennen, wenn sie das erste Mal frech werden ist das eigentlich ein gutes Zeichen. Es bedeutet, dass sie dir jetzt vertrauen und dich für lieb halten.
Wenn die Kinder nicht hören und Regeln verletzen ist es wichtig, dass wir in ganz kurzen Sätzen sagen, dass ihr Verhalten falsch ist und sie auffordern das Richtige zu tun. Wenn sie dann immer noch nicht hören müssen sie die Konsequenzen ihres Verhaltens tragen.
Ein Beispiel:  Große Hilfe darf mit dem Fahrrad nur bis zur nächsten Kreuzung fahren.  Wenn sie versucht weiter fährt rufe Ich :  Große Hilfe  anhalten!   So ist für sie klar was sie machen soll. Ich schimpfe nicht, aber ich spreche laut und deutlich.  Wenn sie nicht hört darf sie für 1 Tag kein Fahrrad mehr fahren. Nicht als Strafe, sondern  mit der Erklärung, dass Ich Angst habe, dass sie einen Unfall hat und Ich ihr leider durch ihr Wegfahren nicht vertrauen kann. Diese Regel kennt sie.
Wir schimpfen nicht, aber Sie merkt, das ihr Fehler eine Konsequenz hat. Und meistens ist ihr dann am nächsten Tag klar, dass sie auf die Erwachsenen hören soll.
Andere Konsequenzen sind:
Wer sein Zimmer bis zum Abend noch  nicht aufgeräumt hat, kann nicht mit TV schauen, sondern muss dann aufräumen.
Wer gemeine Sachen zu seiner Schwester, Au-Pair oder Eltern sagt, der merkt, dass dann die anderen keine Lust mehr haben besondere Dinge mit ihm zu machen. (z.B. Kuchen backen, vorlesen, Ausflug)
Wer Morgens zu langsam beim anziehen oder  frühstücken ist, der muss eben zu Fuß laufen und kann nicht mit Mama zum Kiga fahren.
Ich hoffe das klingt nicht zu kompliziert, aber diese Methode hat bei uns bisher gut funktioniert. Eine andere gute Idee hat damals unser Au-Pair Nr. 3 erfunden. Wenn ein Kind schlechte Laune hat oder einen Troztanfall bekommt.  Hat sie angefangen die „Gute Laune“ des Kindes zu suchen. Sie hat dabei fröhlich gelacht und alle aufgefordert mit zu suchen. Meistens hat nach ein paar Minuten auch das wütende Kind fröhlich mit gesucht und vergessen, dass es eigentlich wütend war 🙂
Was wir im Umgang mit unseren Kindern auf keinen Fall machen:
1. Wir schlagen unsere Kinder nicht.
Das bedeutet wir schlagen die Kinder auf keinen Fall. Auch nicht auf den Po oder auf die Finger.
2. Wir bedrohen oder ängstigen die Kinder nicht.
Das bedeutet keine Drohungen mit Monstern, Hexen oder dem lieben Gott. Oder noch schlimmer, damit drohen, wenn das Kind nicht gehorcht, zu sagen, Ich habe dich nicht mehr lieb oder gehe weg. Die Kinder sollen dich mögen und keine Angst vor dir haben.
3. Wir bestechen die Kinder nicht.
Das ist die schwierigste Sache, denn es ist sehr verführerrisch es zu versuchen. Aber so lernen die Kinder die falsche Logik. Wenn sie immer vom Au-Pair oder den Eltern eine Belohnung für normales Verhalten bekommen erwarten sie das irgendwann.   Die Kinder  mögen uns wegen unserer Persönlichkeit und den schönen Dingen die wir mit ihnen machen, aber nicht weil wir ihnen viele Süssigkeiten geben oder sie immer TV schauen lassen. Gerade für neue Au-Pairs ist es immer eine große Versuchung den Kindern am Anfang ganz viel zu erlauben, damit sie das Au-Pair mögen. Aber so wir es für dich später viel schwerer Regeln einzufordern. Denn die Kinder verstehen dann nicht, warum du jetzt auf einmal anders bist. Und sie werden Dich auch mögen, wenn du unsere Regeln einforderst.
Das klingt jetzt sich alles ganz kompliziert für dich, aber am besten schaust du in den ersten Wochen einfach wie  wir Eltern mit den Kindern umgehen. Wir machen natürlich auch nicht alles perfekt, aber du bekommst ein Gefühl dafür wie es funktionieren soll. Und was mir immer ganz wichtig ist, du kannst nicht nur, du solltst ganz viel mit uns über solche Dinge sprechen. Denn nur so werden wir 3 zu einem guten Team für  die kleine Hexe und die Große Hilfe . Ich freue mich auch immer wenn unsere Au-Pairs eigene Ideen haben wie man etwas besser machen kann, erwarte aber, dass Du zuerst mit uns sprichst bevor du etwas an den Kindern ausprobierst.
Da du bisher so offen mit uns sprichst macht mir das ein sehr gutes Gefühl für das nächste Jahr. Denn die Arbeit in den ersten 4 Wochen lohnt sich immer. Wenn du einmal das Herz und den Respekt der Kinder gewonnen hast, dann kannst du das ganze Jahr viel entspannter und schöner genießen.
Und auch wenn ich jetzt ganz viel über Probleme geschrieben habe. Unsere beiden Mädchen sind sehr liebe und vorsichtige Kinder. Daher keine Angst. Du wirst bestimmt nicht nur Stress haben. Aber es sind eben Kinder und da gehört auch so etwas dazu.
Deine Gastmutter (die wie immer zuviel schreibt)
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Eine Antwort to “Briefe ans Au-Pair Erziehungstips”

  1. Romana lison Says:

    Das Aupair muss aber gut Deutsch sprechen können, damit sie das versteht….wenn nicht perfekt…was aber bei den meisten Mädchen nicht der Fall ist.

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