Gewitter

Gestern Abend ist dem liebsten aller Gatten der Kragen geplatzt. Nachdem unser Au-Pair ja Nachmittags mal wieder zu spät am Kiga war und wir ohnehin schon mit ihr reden wollten, hat sie als kleines Ad-On auch noch das Fahrrad der großen Hilfe einfach am Kiga stehen gelassen.

In der Eile beim abholen der gr0ßen Hilfe hat sie es vergessen und als die kleine Hexe sie später am Kiga daran erinnerte, wollte Sie  es nicht 5 Minuten bis zur Turnhalle tragen.  Toll, aber wir fahren natürlich gerne Abends zum Kiga und klettern über den Zaun um es zu holen.

Beim Abendessen kam dann das Gespräch darauf warum das Rad vergessen wurde und wie immer war sie natürlich nicht wirklich schuld.  Ok sie wäre zu spät, aber nur 5 Minuten und lauter andere lahme Ausreden.

Da habe ich meinem Mann so wütend wie schon lange nicht gesehen. Wenn er muss, kann er nämlich einen ziemlich lauten und autoritären Ton anschlagen. Den hebt er sich sonst eigentlich für die Arbeit auf, aber gestern ging es nicht mehr. Er hat sie ganz klar gefragt ob sie überhaupt noch Interesse hat als Au-Pair zu arbeiten, sonst könne sie es sagen und gehen.  Das Ja ich will bleiben kam für uns alle überraschend schnell.

Aber realistisch betrachtet wird es nichts bringen. Ich hätte nach so einem Anpfiff glaube ich weinend am Tisch gesessen und wäre am Boden zerstört, aber unser Au-Pair verteidigt sich und sein Verhalten munter weiter und schiebt sogar den Kindern noch die Schuld in die Schuhe.Einsicht sieht für mich anders aus.

Unsere  große Hilfe  ist Schuld, dass Sie morgens den Tisch nicht mehr deckt, da sie es ja jetzt machen will.  Unser Au-Pair fühlt  sich überflüssig und hat daher nichts mehr gemacht.   Anstatt sich zu freuen und das Kind zu loben und mit ihm zu arbeiten. Da hatten wir mal wieder das zweite Problem, sie kann sich gegen eine 5 jährige mit zugegebener Weise manchmal ziemlich frechen Ton nicht im Ansatz durchsetzen oder besser noch mit ihr gemeinsam etwas machen.

Sie sucht erst die Konfrontation mit den Kindern um dann einfach zu machen was diese sagen.  Nur als Beispiel unsere Tochter sagt : „Ich ziehe mich allein an“ und sie läßt sie.   Soweit ok, aber  wenn das Outfit völlig Wetter und Alltags untauglich ist erwarte ich, dass sie eingreift.  Sie sagt nicht Nein oder bietet schon im Vorfeld eine Alternative zwischen 2 möglichen Alternativen.  Nein sie lässt das Kind so in den Kiga mit der Begründung, sie wollte ja.

Oder sie fragt ständig was die Kinder essen wollen und macht auch den 5. Änderungswunsch mit.  Sie hat die volle Rückendeckung von uns nach solchen Nummern einfach selbst zu entscheiden und dann wird gegessen oder bis zur nächsten Mahlzeit gewartet. Aber diese Konflikte scheut sie.  Sie schmollt dann lieber mit den Kindern.

Heute Morgen fragt sie dann doch tatsächlich ob wir ihr Internet mit Absicht abgestellt haben?  Nein haben wir nicht und die Unterstellung finde ich erstens frech und zweitens bringt sie mich auf Ideen. Vielleicht hätten wir ihr schon viel früher Privilegien streichen sollen.  Denn ein eigener Pc, Telefon, Handy und unbegrenzter Zugang zum Internet sind ein Privileg und sie hat auch hier mehr als einmal die Regeln (Downloads, kein PC während der Arbeitszeit) nicht eingehalten.

Aber mir ist klar wie wichtig ihr der Kontakt nach Hause ist und daher bin ich bisher vor solchen „Strafen“ zurück geschreckt. Und das sollte sie eigentlich auch wissen.

Also stehe ich wieder vor der Entscheidung sie vorzeitig nach Hause zu schicken und damit nicht nur Ihr, sondern auch ihrer Schwester die gerade gebuchten Ferien zu verderben oder die letzten 5 Wochen in hoffentlich halbwegs erträglicher Art und Weise hinter uns zu bringen.

So einen Abfall der Zuverlässigkeit in den letzten Wochen habe ich bisher noch nicht erlebt. Klar die Luft ist bei fast allen irgendwann raus gewesen, aber ihre Aufgaben haben alle anderen Au-Pairs bis zum Schluss so erfüllt, dass ich mich nicht jeden Tag über eine andere Kleinigkeit ärgern musste.

So jetzt aber genug geärgert, ich treffe mich gleich mit meiner Freundin und dann machen wir uns einen gemütlichen Tag in der Sauna und so wie es aussieht können wir uns sogar in die Sonne leben.  Ich habe also trotz allen Ärgers auch noch die positiven Seiten eines Au-Pairs. Ich kann solange bleiben wie ich möchte und die Kinder können sich mit unserem Au-Pair einen gemütlichen Tag im Garten oder auf dem Spielplatz machen.  Und das kann sie ja auch, wenn sie ihre guten Phasen hat mit den Kindern richtig Spaß haben und uns entlasten.

Ach Mensch ich finde es so schade, dass diese letzten Wochen ein nach holprigem Anfang eigentlich recht gut verlaufenes Jahr so ins negative ziehen.

Advertisements

Schlagwörter: , ,

7 Antworten to “Gewitter”

  1. Diana Says:

    Hallo, ich verfolge regelmäßig deinen Blog – vor drei Jahren war ich auch mal ein Jahr lang Au Pair und finde es interessant, die Sicht einer AuPairMom kennenzulernen. Was euer Au Pair momentan abzieht, geht gar nicht und ihr solltet es wirklich unterbinden. Dass dein Mann gestern laut geworden ist, hat sie sicher nur in Verteidigungshaltung gebracht. Meiner Meinung nach nützt an solcher Stelle nur ein ruhiges Gespräch, mit AuPairMom + Dad, mit ernsten Mienen und Fakten: so siehts aus, wir erwarten das und das von dir und wenn das nicht in der nächsten Woche besser wird (mit Ultimatum), dann beenden wir deine Zeit vorzeitig. Deine Überlegungen, ihr als Strafe Privilegien zu streichen, finde ich nicht angebracht, denn sie ist nicht eure Tochter und solche „Spielchen“ sollten in einer AuPair-Beziehung nicht gespielt werden. Schließlich ist sie nach allem Familien-Hin-und-Her hauptsächlich zum Arbeiten bei euch. Dafür wird sie bezahlt und es wird erwartet, dass sie ihre Aufgaben erledigt. Ihr einfach so anzukündigen, dass sie nun früher gehen muss, finde ich auch nicht der richtige Weg. Ich verstehe, dass du momentan nicht weißt, was du noch mit ihr machen sollst. Wenn ich mich richtig erinnere, gab es ja schon Gespräche. Ich kann nur vermuten, dass die nicht ernst genug waren oder dass euer Au Pair wirklich einfach uneinsichtig ist. Trotzdem gilt es hier meiner Meinung nach, abzuschätzen, wie gut das vergangene Jahr insgesamt mir ihr war und ob es es wert war, die letzten Wochen noch ein Auge zuzudrücken. Lasst euch aber nicht auf der Nase rumtanzen! Viele Grüße

  2. zimtapfel Says:

    Ohweia, die Gute reizt es ja echt aus. Sowas kann ich ja auf den Tod nicht leiden, wenn jemand jedesmal, wenn man ihn auf etwas falsch gemachtes aufmerksam macht, immer nur sofort in Verteidigungshaltung verfällt, statt einfach mal zu sagen, ja, das war ein Fehler, tut mir leid, soll nicht wieder vorkommen. Insbesonderes, wenn es dann die Kinder sind, die dran schuld sein sollen. Ja sicher wollen die Kinder mal dies und mal jenes, aber es sind eben Kinder und sie ist der phasenweise für diese Kinder verantwortliche Erwachsene. Das ist irgendwie so…unreif. Argh!
    Hm, vielleicht solltet Ihr ihr erstmal sehr, sehr deutlich klarmachen, das Ihr gerade sehr ernsthaft überlegt, sie früher nachhause zu schicken, wenn sich nicht schleunigst etwas an ihrer Arbeitsweise ändert? Letztlich hat sie es ja mit euch als AuPair-Familie ziemlich gut getroffen, ich weiß nicht, ob ihr das so bewusst ist.

  3. aupairfamilienrw Says:

    @ Diana
    Meiner Meinung nach nützt an solcher Stelle nur ein ruhiges Gespräch, mit AuPairMom + Dad, mit ernsten Mienen und Fakten:

    Da stimme Ich dir völlig zu, nur leider hatten wir diese Art Gespräche in letzter Zeit mehr als einmal und die ruhige und bestimmte Art hat
    1. keinerlei dauerhafte Veränderung und
    2. die gleichen Abwehrstrategien verursacht.
    Laut wurde es auch erst nachdem sie unseren erneute klare und deutliche Ansage, dass sie ihr Problem mit Unpünktlichkeit in den Griff bekommen muss eben genau mit Ausreden beantwortete und es auch noch versuchte den Kindern in die Schuhe zu schieben.

    @ Diana
    Deine Überlegungen, ihr als Strafe Privilegien zu streichen, finde ich nicht angebracht, denn sie ist nicht eure Tochter und solche „Spielchen“ sollten in einer AuPair-Beziehung nicht gespielt werden.

    Ich habe auch nicht vor mich auf dieses Niveau von Spielchen zu begeben, aber ich finde ihre Unterstellung wir würden es tun mindestens genau so unangebracht.
    Aber Privilegien kann man streichen, da sie eben kein Naturgesetzt oder Recht sind, sondern von uns gewährt werden wenn die Beziehung und das Vertrauensverhältnis stimmt und alle sich an die Reglen und Rechte auf beiden Seiten halten.
    Du hast recht sie ist nicht unsere Tochter, aber sie verhält sich manchmal kindischer wie meine 5 jährige Tochter und zur Familie gehört sie und ich erwarte von allen Mitgliedern, auch denen auf Zeit, dass sie unsere Familienregeln einhalten und respektieren. Und einer Tochter würde ich in so einem Fall sehr wohl Privilegien streichen um ihr zu zeigen, dass nicht alles im Leben umsonst und selbstverständlich ist.

    @ Diana
    Ihr einfach so anzukündigen, dass sie nun früher gehen muss finde ich auch nicht gut.

    Wir haben es ihr nicht angekündigt, sondern gefragt ob sie das eventuell möchte, da ihr Verhalten uns ehrlich an ihrer Motivation bei uns als Au-Pair zu bleiben zeifeln lässt und ich denke diese Frage ist erlaubt. Ich werde sie bestimmt nicht einfach vor die Tür setzten, aber noch 5 Wochen so weitermachen und mich jeden Tag ärgern ist auch nicht Sinn eines Au-Pair Aufenthalts. Und es macht jeden Tag ein bischen mehr von den schönen Momenten die wir mit ihr auch hatten kapput.

    @ zimtapfel
    Letztlich hat sie es ja mit euch als AuPair-Familie ziemlich gut getroffen, ich weiß nicht, ob ihr das so bewusst ist.

    Danke für das Kompliment, aber ich denke wir haben bestimmt auch unsere Schwächen und machen auch nicht alles richtig. Ich glaube auch nicht, dass sie sich so verhält weil sie uns nicht mag oder um uns bewußt zu schaden. Sie ist einfach ein extrem egozentrisches Wesen und ihr Universum dreht sich nur um sie. Daher merkt sie nicht, dass ihr Verhalten für uns Probleme bereitet. Ich denke sogar, dass sie uns als Familie schon mag und sich hier auch meistens wohlfühlt, aber sie hat in diesem Bereich in den 11 Monaten leider überhaupt nichts gelernt und ist immer noch das ziemlich verwöhnte Kind, dass wir letzten Sommer abgeholt haben.

    @ Alle
    Danke für die Rückmeldungen, es hilft immer die eigene Situation etwas neutraler zu sehen.

  4. Bonafilia Says:

    oh ha…..die junge Dame hat wohl keine rechte Lust mehr!
    Dazu kommt das sie sich anscheinend sehr wohl fühlt bei euch.

    Ihr Verhalten erinnernd mich meinen großen Sohn der ab und an den Aufstand probt als junger Erwachsener!

    Sucht das Gespräch in der Ruhe und fragt sie : Wie stellst du dir deine letzte Wochen bei uns in der Familie vor, wie wollen wir sie nutzen?

    Sicherlich sie ist euer AuPair, eine junge Frau die in eurer Familie mithelfen soll, dich unterstützen soll, aber sie ist ja keine Hausangestellte,…ein bisschen was mit Völkerverständigung hat das ganze ja auch zu tun, dazu kommt es das die jungen Menschen „glauben“ alles zu wissen und besser machen zu können , aber im Grunde vom Leben keine Ahnung haben!
    Sie ist ein unfertiger Mensch der noch viel lernen darf…und ihr seit ein dickes Lehrbuch, vielleicht wird sie eure Botschaft erst hinterher verstehen!
    ….
    So kurz vorm Schluss kann das auch Heimweh sein, oder die Erkenntnis das es jetzt zu Ende geht, eine Trotzreaktion…..
    Denke an die schönen Stunden und sag es ihr…sie soll die verbleibende Zeit auch nutzen und nicht durch pubertierendes Verhalten kaputt machen!
    LG Boanfilia

    • aupairfamilienrw Says:

      Danke Bonafilia das hast du sehr schön und treffend geschrieben. Ich denke auch, dass sie erst später merken wird, war sie bei uns gelernt hat und warum wir an mancher Stelle so reagiert haben wie wir es tun.

      Ich denke heute zum Beispiel oft an meine eigene Zeit als Au-Pair und daran, dass ich manche „Macke“ meiner Gasteltern heute besser verstehen kann.

      Warum müssen eigentlich immer wir Mütter fair und verständnissvoll sein und alle anderen dürfen ihre Macken ausleben? Aber das ist Stoff für einene neuen Threat ……

  5. ap-familie Says:

    Egal wie Du Dich entscheidest: Augen zu und durch und nicht der anderen Alternative nachtrauern. Wir hatten ähnliche Situationen bereits zweimal und ich dachte „Augen zu und durch“ – und dann wurden beide APs auch noch die letzten 2 Wochen krank bzw. hatten einen Unfall, so dass sie überhaupt keine Hilfe mehr waren (lagen beide nur noch im Bett) und ich durfte Essen bringen oder Fahrdienste zum Arzt – und am Ende das Zimmer ausmüllen und natürlich saubermachen, denn die „Kraft“ der geschwächten Mädels reichte gerade noch dazu aus, ihre Sachen in den Koffer zu schmeißen und abzureisen. Geschweige denn, dass ich in diesen Wochen eine funktionierende Kinderbetreuung hatte. Und obwohl ich die Mädels nicht früher weggeschickt habe, haben wir heute keinen Kontakt mehr (-wer hätte es gedacht, sie antworten auch nicht auf meine Mails…) Nur so als Gedankenanstoß…

    Ganz ehrlich: Du glaubst, doch nicht ernsthaft, dass sich da jetzt noch was ändert?!?

  6. MisNetz Says:

    Super Blog, nun werde ich noch öfters kommen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: