Wutzwerg auf großer Fahrt

Unsere Kleine Hexe macht zur Zeit ihrem Namen mal wieder alle Ehre.  Sie bekommt fast täglich mindestens einen Wutanfall. Und zwar einen RICHTIGEN  Wutanfall.   Sie wird Rot, dann röter und am Schluss fast Lila und sie schreit kreischt so laut, dass einem die Ohren wegfliegen.  Es reichen vermeintliche Kleinigkeiten und sie gerät außer sich vor Wut.  Solche Anfälle sind ja schon im Normalfall mehr als anstrengend und fordern einem eine Menge Selbstbeherrschung und Ruhe ab, aber wenn man ein neues Au-Pair in der Familie hat wird es schwierig. Und gerade wenn APs wechseln oder Ich wieder zur Arbeit muss oder neue Situationen allgemein  anstehen wird unsere kleine Hexe immer wieder von ihren eigenen Gefühlen überrollt.

Ich ertappe mich dabei, dass mir diese Anfälle besonders vor dem Au-Pair richtig unangenehm sind.  Ich frage mich dann ob ich nicht irgendwas falsch gemacht habe und ob andere Kinder eigentlich auch so laut, fordernd und anstrengend sind. Ich weiß die Trotzphase ist normal, aber unsere Kleine Hexe ist schon ein ziemlicher Experte im Trotzen.

Gerade am Anfang sind Au-Pairs mit solchen Anfällen ziemlich überfordert. Mir fällt es ja als Mama mit 5 Jahren Erfahrung nicht immer leicht richtig zu reagieren. Aber unser Au-Pair steht ziemlich hilflos vor der Situation.  Häufig fallen dann Sätze wie: “ Bei uns in Russland/Ukraine/Irgendwo  würde sich kein Kind so verhalten“,  oder „Warum erlaubst du Ihr sich so zu verhalten“.

Viele Au-Pairs reagieren in so einer Wutsituation  nicht so, wie Ich es mir als Gastmutter wünschen wünsche. Entweder sie suchen die Konfrontation und wollen sich mit Macht und sprachlicher Gewalt gegen die Kleine Hexe durchsetzten. Aber das macht es in der Regel nur noch schlimmer und sie unterschätzen den Dickkopft unserer Tochter.  Ich versuche immer zu erklären, dass es am besten ist die Kleine Hexe erstmal in ihr Zimmer zu bringen und ihr und sich  Zeit zu geben um sich zu beruhigen.  Es geht ja nicht ums gewinnen, sondern darum dem Kind klar zu machen wie es mit seinen Gefühlen umgehen kann. Oder sie versuchen mit viel Aufhebens das arme Kind zu trösten und in den Arm zu nehmen. Aber das kann unser Wutzwerg noch viel weniger ertragen wenn sie auf 180 ist.

Manchmal habe  Ich, dass unsere Kinder wirklich zu anstrengend sind und unser Au-Pair nach ein paar Wochen mit diesen Anfällen entnervt das Handtuch wirft. Wie kann Ich glaubhaft klar machen, dass es meistens nur eine Phase ist und dann auch wieder wirklich gute Phasen ohne häufige Anfälle kommen. Denn das behaupten bestimmt alle Eltern von ihren Kindern und wirklich objektiv bin ich ja auch nicht.

Besonders die Behauptung deutsche Kinder sind zu frech, laut und unerzogen ist zwar im generellen verständlich, da in vielen anderen Ländern noch viel autoritärer und auch mit körperlicher Züchtigung gearbeitet wird, aber es trifft einen als Mutter schon, besonders wenn man gerade auch selbst mal wieder am eigenen Erziehungskonzept zweifelt.  Ich bin nach wie vor ein fester Anhänger der Erziehung ohne Gewalt.  Denn bisher haben wir schon viele stressige Phasen auch ohne Klapse durchgestanden und bisher haben unsere Kinder auch immer gelernt unerwünschtes Verhalten abzustellen. Es dauert eben manchmal länger und ist nicht so 100% sicher, aber dafür basiert es hoffentlich auf Einsicht und nicht auf Angst.

Toll finde Ich übrigens, dass Ich mich mit Olga über diese Themen richtig gut und auch kritisch unterhalten kann. Sie ist interessiert an Erziehung und hinterfragt unser Verhalten auf angenehme Weise.  Ich hoffe also, dass die Kleine Hexe sie nicht zu sehr erschreckt.   Denn bei allen Wutanfällen, die Kleine Hexe ist ein tolles, schlaues und selbstbewusstes Kind, dass eben einen besonders starken Dickkopf hat.  Olga versucht auch schon nach 3 ‚Wochen unsere Erziehung zu kopieren. Und Ich denke hier liegt auch ein Kern der Wutanfälle. Die Kleine Hexe ist frustriert, weil sie erkennt, dass ihr neues Au-Pair zwar lieb und nett ist, aber gewillt sich nicht zum Sklaven der Kinder machen zu lassen.  Und aus Sicht der Kids war genau dass eine der besten Eigenschaften unseres alten Au-Pairs.  Und genau deshalb liebe Ich Olga 🙂

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2 Antworten to “Wutzwerg auf großer Fahrt”

  1. Higanbana Says:

    Also ich lebe in Japan, und meine Grosse konnte und (manchmal kann) das auch: Sich auf den Fussboden werfen und dann 10 – 15 min rumwueten, bis sie sich endlich beruhigt hat und wieder ansprechbar ist. Klar, man koennte jetzt mit Genen argumentieren, aber meine Grosse ist definitiv mehr japanisch als deutsch. Meine Schwiegerfamilie war zwar anfaenglich uebelst …ehm… ueberrascht, aber letztlich haben sie es auch so gemacht, wie ich gesagt habe: Schauen, dass sich die Kleine beim Wueten nicht verletzten kann und warten, bis der Anfall vorbei ist. Und siehe da, 10 min spaeter kam der bestgelaunte Engel wieder zurueck.

    Und bei der 3 Jahres-Untersuchung wird auch standardmaessig nach so etwas gefragt, also ist das nichts Deutsches, sondern abhaengig vom Charakter des Kindes. Unterschiedlich ist nur, wie darauf in den verschiedenen Laendern reagiert wird. Aber im jetzigen Japan wird doch eher wenig geschlagen.

  2. Dodo Says:

    Ich finde es immer wieder ungemein beruhigend, dass auch die Kinder anderer Eltern gelegentlich „durchdrehen“.
    Mein Sohnemann schafft es manchmal, mich schon in der ersten halben Stunde morgens dermaßen auf die Palme zu bringen, dass ich nicht weiß, ob ich ihn in den Kohlenkeller sperren soll bis er 18 ist 🙂 oder ob ich selber nicht vielleicht ausziehen soll.
    Eine kleine Auszeit in seinem Zimmer hilft meist (hauptsächlich mir, mich abzureagieren). Aber es kann auch passieren, dass er dann den Spieß umdreht, und mir beim anschließenden Kontaktversuch die Tür vor der Nase zuhaut.
    Mein Mann sagt, Sohnemann und ich wären beide hitzige Gemüter. Da wird die Pubertät dann später mal bestimmt ein Kinderspiel… *g*

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