Kinder Küche Kleiderpflege der Alltag als Au-Pair

Ich bin ein neugieriger Mensch und daher lese ich auch gerne auf Seiten auf denen sich Au-Pairs austauschen. Mir ist aufgefallen, dass es oft Frust und Unzufriedenheit gibt wenn der Alltag als Au-Pair nicht mit den eigenen Vorstellungen, Wünschen und Träumen übereinstimmt. Und ich kann das auch zum Teil gut verstehen. Ich war ja selbst mal Au-Pair und hatte auch ähnliche Gefühle. Daher versuche Ich die wichtigsten Überlegungen und Fragen die sich ein potentielles Au-Pair stellen sollte  zu sammeln. Über Anregungen freue Ich mich natürlich immer 🙂

1. Du magst Kinder?

Super, ein Au-Pair ist für Kinder da und sollte kinderlieb sein. Soweit die eigentlich logische Grundvoraussetzung.  Wer Kinder nicht mag ist als Au-Pair im falschen Beruf.  Es ist aber ein häufiger Irrglaube, dass es reicht ab und zu mal Abends zu babysitten und Freunde zu haben die schon Kinder haben.  Au-Pair bedeutet:

– Du bist ja nach Land und Familie 5-10 Stunden am Tag mit einem oder mehreren Kindern allein. Und diese Zeit kann sehr lang und anstrengend werden. Insbesondere wenn die Kinder in der Trotzphase, Pubertät, Zahnungszeit ….. sind. Die Eltern erwarten, dass du in dieser Zeit deine eigenen Bedürfnisse zurück nimmst und dich auf die Kinder einstellst. Du kannst also nicht einfach mal eben telefonieren, Chatten oder Freunde treffen.   Und es gibt auch  auch unangenehme Aufgaben wie wickeln, Po abputzen, Erbrochenes wegwischen die auf dich zukommen könnten wenn die Eltern nicht Zuhause sind.

– Du lebst in einer Familie mit Kindern. Klingt banal, aber es bedeutet 24 Stunden am Tag mit Kindern zu verbringen. Morgens ausschlafen ist nicht immer möglich und gerade kleine Kinder verstehen noch nicht, dass ein Au-Pair auch mal seine Ruhe möchte.  Es ist natürlich Aufgabe der Familie hier auch einzugreifen und dem AP seine Ruhe zu ermöglichen, aber ein Haushalt mit Kindern ist laut, häufig chaotisch und verursacht viel Lärm, Unordnung und Wäsche.

– Kinder sind nicht immer so lieb und süß wie auf den Bildern der Bewerbung. Sie können frech, ungezogen und manchmal einfach nervig sein. In anderen Ländern wird auch oft ganz anders erzogen und anderes Verhalten gewünscht als Zuhause. Du solltest also belastbar und gelassen sein und auch anstrengende Phasen meistern. Die Kinder werden die wahrscheinlich nicht von Anfang an lieben.  Oft sind sie sauer wenn ein Au-Pair kommt weil die Eltern weniger Zuhause sind, oder ein altes liebes AP abgefahren ist.  Oder die Kinder vergleichen dich mit dem alten AP und sagen du bist schlechter.  Hier ist ein starker Charakter, Selbstbewußtsein und viel Geduld notwendig. Diese Phase geht vorbei, aber sie ist für alle Beteiligten anstrengend.

– Du solltest dich informieren welche Erziehungsideale deine Familie hat und was für Erziehung in diesem Land typisch ist. Unsere APs beschweren sich häufig, dass wir den Kindern zuviel erlauben und nicht streng genug sind. Auf der anderen Seite sind sie überrascht wieviel die Kinder schon selbst machen können und müssen. Du kannst nicht deine eigenen Erfahrungen und Ideale auf die Familie übertragen, sondern musst dich ihrer Erziehung anpassen. Und da ist es wichtig zu klären ob du dazu bereit bist.  Und frage nach ob die Kinder Auffälligkeiten wie ADHS haben. Denn wenn es so ist musst du dir sehr genau überlegen, ob du dir das wirklich zutraust.

– Schätze deine Erfahrung mit Kindern realistisch ein. Hast du wirklich schon mal einen ganzen Tag allein mit 1-2 Kindern verbracht? Kein Muss, aber ich kann jedem nur raten probeweise mal bei einer Babysitterfamilie für ein Wochenende einzuziehen. Dann hat man eine leichte Ahnung wie es sein könnte als AP. Bist du bereit zu lernen und evt. Elternkurse oder Erziehungsratgeber zu lesen die die Familie anwendet. Mach so viele Erfahrungen wie möglich mit der Altersgruppe die du betreuen möchtest.

– Bist du noch ein bischen Kind.? Du wirst in deinem Jahr viele Dinge wieder machen dürfen die du als Kind gemacht hast. Die dreckig machen, Lego bauen, verkleiden eben einfach wieder Kind sein. Und daran solltest du Spaß haben und Ideen mitbringen. Denn nichts ist für mich schlimmer wie ein AP, dass neben die Kinder sitzt und wartet, dass endlich die Arbeit vorbei ist.  Und bedenke, dass die Kinder ihre Ideen haben und du vielleicht auch neue Dinge probieren musst/kannst. Bist du mutig und offen für Trampolin springen, Waldwanderungen oder Einradfahren. Frag nach den Hobbies der Kids.

– Überlege dir welche Altersgruppe du möchtest. Alle Alter haben Vor- un Nachteile. Aber je älter die Kinder sind um so weniger brauchen sie ein AP und um so größer wird der Anteil an Hausarbeit werden.

Das bischen Haushalt stört dich nicht.

Der Bereich Hausarbeit ist glaube Ich der von beiden Seiten am meisten unterschätze Konfliktpunkt. Denn jeder geht ganz selbstverständlich davon aus, dass seine Ansprüche für alle passen.  Aber was unter „leichte Hausarbeit“ fällt kann sehr verschieden sein.  Und fast jede Hausarbeit kann man irgendwie als Kinder bezogen darstellen. Daher hier vorher ganz klar fragen und sagen was ok ist und was nicht.

Typische Denkfehler:

Ich bin doch keine Putzfrau! Stimmt, aber deine Gasteltern auch nicht und je nach Land kann Hausarbeit bis zu 50% der Arbeitszeit ausmachen.  Und ganz grob kann man sagen, je älter die Kinder um so größer in der Regel der Anteil an Hausarbeit.  Wenn beide Gasteltern arbeiten kann es schon sein, dass sie erwarten, dass du einen ziemlich Anteil an der täglichen Routine übernimmst. Typische Aufgaben:

– Küchenboden wischen/fegen weil die Kinder Essen auf den Boden werfen (auch mal 2x am Tag)

– Staubsaugen (besonders wenn es Haustiere und Krabbelkinder gibt)

– Betten machen

– Küche aufräumen (inkl. Spülmaschine, Arbeitsflächen …)

– Chaos vom Abend beseitigen

Eben all die Aufgaben, die sonst eine Hausfrau/ein Hausmann am Morgen erledigen würde.  Und ja vielleicht sind Gasteltern auch manchmal faul und lassen etwas stehen, aber vielleicht haben sie genau deshalb ein Au-Pair um eben nicht noch Abends wenn die Kinder im Bett sind in der Küche zu stehen oder Morgens früher aufzustehen.

Ein bischen bügeln ist kein Problem:  Wäsche wird oft unterschätzt, denn Kinder machen viel Wäsche dreckig und je nach Einstellung der Eltern müssen jeden Tag neue Kleider angezogen werden. Auch hier nachfragen wieviele Körbe Wäsche pro Woche anfallen und was alles gebügelt werden muss. Denn ein Familienhaushalt mit mehreren Kindern kann schon eine beeindruckende Menge Wäsche produzieren.  Fragt auch nach ob ihr nur die Kinderwäsche oder auch Hemden und Blusen der Gasteltern bügeln müsst. Und viele Familien werden gerade diese unbeliebte Aufgabe ans AP delegieren und lieber selbst Zeit mit den Kindern verbringen.

Kochen kriege Ich schon hin.  Kläre ab ob und wie häufig du für die Familie kochen musst. Es kann auch spannend sein ob du nach ihren oder deinen Rezepten kochen musst. Und es ist ein Unterschied ob du ab und zu mal für ein paar Freunde Nudeln kochst oder regelmäßig für eine ganze Familie zu festen Zeiten ein Mittagessen auf den Tisch bekommen musst.  Lass dir am besten typische Wochenpläne schicken oder nimm ein Kochbuch mit


Du willst ein tolles Jahr im Ausland erleben?

Gut, aber hast du auch daran gedacht, dass du für die Familie in erster Linie als Hilfe im Alltag da bist, das bedeutet, dass du dich an ihre Bedürfnisse anpassen musst.?  Du hast nur eine bestimmte Anzahl Urlaubstage und diese müssen in Absprache mit der Familie genommen werden.  Du bist zwar Gast in der Familie, aber eben ein Gast der arbeitet.  Und wenn die Familie nur Interesse an Kulturaustausch hätte, dann hätte sie einen Gastschüler und kein Au-Pair.  Klingt hart, aber eine Familie investiert Geld, Zeit und Platz und dafür erwartet sie auch eine professionelle Einstellung von Dir.

Kläre ab wann deine Arbeitszeiten sind. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass du jedes Wochenende oder Abend frei hast.  Am besten lass dir einen typischen Wochenplan geben und zähle die Stunden die so zusammen kommen.  Kläre die Bezahlung und den Umgang mit Überstunden ab.  Und frag auch nach den Arbeitszeiten der Eltern und Kiga, Schulzeiten der Kids, so kannst du schnell sehen ob die Plaung realistisch ist.

Sei realistisch, ein Jahr ist eine lange Zeit und AP sein ist Arbeit und das bedeutet ganz viel Routine, manchmal Langeweile und Stress. Du bist nicht im Urlaub auch wenn manche Werbeprospekte so aussehen .

Bist du aktiv genug um dich auch allein um neue Freunde und deine Freizeit Aktivitäten zu kümmern? In einer fremden Sprache und einem fremden Land ist es nämlich am Anfang erstmal ziemlich ungewohnt, da man nicht auf Erfahrung zurückgreifen kann.

Schau dir dein neues Zuhause im Internet an und frage genau nach wie groß der Ort ist und was dort an Freizeit möglich ist. Unter Stadt kann man viel verstehen. Frag nach Busfahrplänen und Preisen. Frag ob du ein Fahrrad hast und ob du das Auto auch privat nutzen kannst. Sowas sollte vorher geklärt werden. Denn da ist nichts selbstverständlich.

Hast du dir wirklich gut überlegt diesen Schritt zu machen? Denn deine Gastfamilie vertraut darauf, dass du für ein Jahr bleibst. Nichts ist für Eltern und Kinder trauriger als ein AP, dass nach ein paar Monaten wieder fährt, weil ihm der Alltag zu langweilig und wenig spannend war.

Klingt jetzt vielleicht alles sehr hart und abschreckend, aber wenn du jetzt schon sagst Oh Gott, dann ist Au-Pair nicht das Richtige. Es gibt andere Möglichkeiten: Work und Travel, Austauschjahr oder Studieaufenthalt um ins Ausland zu kommen. Niemand muss Au-Pair machen und Ich finde es besser man merkt es schon vorher, dass erspart beiden Seiten  Enttäuschungen und auch einiges an Geld.

Aber wenn du immer noch Lust hast, dann kann es wirklich ein spannendes und tolles Jahr werden. Denn du wirst die persönlich weiterentwickeln, neue Menschen kennen lernen und viel über Dich und dein Gastland lernen. Ich kann es sowohl als Gastmutter und Au-Pair nur bestätigen.

Advertisements

14 Antworten to “Kinder Küche Kleiderpflege der Alltag als Au-Pair”

  1. Daniela Says:

    Hiermit oute ich mich mal als stiller und begeisterter Leser deines Blogs. 🙂
    Ich war bis Juli Au-pair in England und den Punkt, dass man wirklich 24 Stunden am Tag mit den Kindern zusammen ist, hab ich anfangs auch unterschätzt. Aber nachdem ich das dritte Mal mitten in der Nacht durch das Weinen des Kleinen geweckt wurde, hatte ich mich dran gewöhnt, und im Gegensatz zu den Eltern konnte ich in solchen Situationen (mehr oder weniger unproblematisch) weiterschlafen. 😉

  2. aupairfamilienrw Says:

    Den Punkt unterschätzt glaube Ich jeder. Auch wir Eltern vor der Geburt des ersten Kindes 😉

    Und ich finde immer es gibt keine bessere Verhütung als 12 Monate Au-Pair, das wirft die Familieplanung mindestens um 1-4 Jahre zurück.

  3. 3kids Says:

    Super Beitrag!!!!
    Den solltest du glatt an Aupairworld schicken, damit sie ihn eventuell auf ihre Website tun!
    Ganz große Klasse und sicher ein guter Denkansatz für potentielle Interessentinnen!

  4. aupairfamilienrw Says:

    Danke für das Lob 🙂 🙂

  5. Gini Says:

    Dieser Beitrag ist wirklich sehr gut, und es stimmt alles. Ich bin momentan selbst AuPair , und ich hatte ein kleines Missverständnis beim Bügeln. Ich bin durch die Bewerbung(um die Kinderwäsche kümmern und Bügeln) davon ausgegangen, dass ich dann die Kinderwäsche bügele, aber nein: Ich bügle die Business Sachen der Gasteltern und nichts von den Kindern…(und ich hatte schon ewig kein Hemd mehr gebügelt *g*)

  6. Nessa Says:

    Ich finde den Beitrag auch echt gut. Sowas hätten einige von den Aupairs, die ich voriges Jahr während meines Aupairjahrs kennengerlent habe, ruhig vorher mal lesen sollen. Ich, als älteste von 5 Geschwistern, habe keine großenÜberraschungen erlebt. Für mich war völlig klar, was da so auf mich zukommt. Und ein Haushalt mit 2 Kindern war für mich eher Entspannung 🙂

    Ich lese deinen Blog übrigens auch regelmäßig mit und finde ihn sehr spannend und abwechslungsreich geschrieben!

  7. elamatrix Says:

    Hm ich glaub den Text geb ich mal meiner Cousine. Die wird/ wurde grad ein wenig gedrängelt sich doch als Au-pair zu bewerben… Vielleicht sieht sie danach etwas klarer, ob sie das wirklich möchte.

  8. bianca Says:

    ich find das ja schon krass wenn man abends die kueche nicht aufraeumt und dann erwartet das euer au pair dies am morgen dann tut! ich kann mir gut vorstellen das ihr viel zutun habt aber ganz ehrlich mich wuerde das ganz schoen nerven! ich hab das doch richtig verstanden das am abend wo sie nicht arbeitet die kueche genutzt wird und danach dann nicht aufgeraeumt wird?

    • bianca Says:

      und was ich vergessen habe… keine ahnung wie das in den regeln steht mit waschen und buegeln der waesche der hosteltern… aber hier in den USA dart man es nicht machen… und ich finde das auch richtig so, auch wenn es sich nur um buegel waesche handelt…ich finds umoeglich wenn gasteltern sowas verlangen… moechte hier niemanden mit meiner meinung angreifen… und wie ihr das handhabt ist eure entscheidung… wollte das nur mal geaeussert haben

  9. aupairfamilienrw Says:

    @ Bianca

    Ich fühle mich nicht angegriffen und natürlich räume Ich die Küche auf wenn Ich Abends gekocht habe. Aber es kann eben durchaus sein, dass im Wohnzimmer noch Gläser stehen, oder Ich die Spülmaschine Sonntag Abend nicht mehr um 23. 00 Uhr ausräume. Und im Laufe eines Wochenendes sammelt sich eben einiges was am Montag aufgeräumt werden muss. Und ja Ich erwarte, dass unser Au-Pair das macht. Genauso mache Ich aber auch ihre Tassen in die Spülmaschine wenn sie es vergessen hat oder räume die sie aus wenn Ich Morgens eher in der Küche bin. Ich verstehe aber worauf du hinaus möchtest. Ich war selbst Au-Pair und es hat mich auch genervt wenn Ich Montags den gesamten Abwasch seit Freitag verkrustet in der Spüle fand.

    Gastfamilien sind verschieden und verändern sich in ihren Anforderungen und Bedürfnissen.
    Als beide Kinder noch Babys/Kleinkinder waren hat unser Au-Pair fast keine Hausarbeit gemacht und auch nicht unsere Wäsche gebügelt. Aber da hatte sie auch 5-6 Stunden am Tag zwei Kinder U3. Zu dieser Zeit hatten wir eine Putzfrau die 2x in der Woche gekommen ist. Ich hätte es als Überforderung gesehen auf zwei Kinder aufzupassen und nebenbei noch zu putzen.

    Jetzt sind unsere Kinder größer und wir benötigen eigentlich keine 30 Stunden Betreuung mehr, dafür fallen zusätzliche Kosten für Kindergartenbetreuung an. Und wir brauchen Hilfe im Haushalt und daher frage Ich unsere Au-Pairs vor Vertragsabschluß ob es ok ist wenn sie auch unsere Wäsche mitbügeln und 1-2 Stunden am Vormittag Hausarbeit erledigen. Wir haben weiterhin eine Putzfrau, aber sie kommt nur noch 1x in der Woche. Und unsere Au-Pairs haben immer noch genug Zeit mit den Kindern. Aber ohne die Mithilfe würden wir kein Au-Pair mehr aufnehmen können und es gibt Mädchen für die ist es ok. Dafür haben sie auch mehr Freizeit am Morgen und können sich die Arbeit freier einteilen.

    Ich biete hier eine Arbeit mit bestimmten Konditionen und niemand muss sich darauf einlassen. Und darauf wollte Ich auch hinweisen. Es ist für beide Seiten wichtig ehrlich zu sein und sich zu überlegen was braucht/will die Familie und was bin Ich als Au-Pair bereit zu machen.

    Und Au-Pair bedeutet auf Gegenseitigkeit und Ich denke das ist wichtig. Ich bin ja auch in vielen Punkten flexibel. Wir haben 2,5 freie Tag in der Woche und nicht nur 1,5 wie offiziell vorgeschrieben. Nur als Beispiel.

  10. ap-familie Says:

    Einer Deiner besten Beiträge!

    Als Ergänzung, um zu zeigen, dass Du nicht alleine bist folgender Gedanke:

    Von jedem Freund, der ein paar Tage bei uns wohnt, erwarte ich Mithilfe. D.h. sowohl helfen bei Tischdecken, beim Abräumen, ggf. beim Kochen (wenn gemeinsam gekocht wird). Wenn Papier auf dem Boden liegt ein Aufheben. Wenn der Einkauf reingetragen wird ein Helfen und (gemeinsames) Wegräumen. Wenn Teller auf der Ablage liegen ein Einräumen. Wenn ein Sandhaufen in der Diele liegt ein Fegen. (bzw. eine Aufforderung zum Fegen an den entprechenden Übeltäter). Wenn ich kurz nochmal weg muss, ein kurzes Aufpassen auf die Kinder (die gerade schlafen oder sonst wie beschäftigt sind).

    Das ist für mich normales Zusammenleben mit Freunden. Das AP ist Teil der Familie (also eher noch engere Bindung) und ich sehe diese Dinge NICHT als Arbeitszeit des APs. Genauso ist es selbstverständlich, auf bestimmte Wünsche des APs Rücksicht zu nehmen, für sie mit einzukaufen (ihre Sachen), sie zum Eis einzuladen oder sie mal eben irgendwohin zu bringen. Für sie zu telefonieren. Ihr günstige Flüge zu suchen etc. Wie Freunde, die zu Besuch sind.

    Arbeitszeit ist alles, was darüber hinaus geht. Auf Kinder aufpassen, wenn ich nicht da bin. Kinderwäsche waschen. Selbstverständlich ist es auch ihr Job, die Küche nach Benutzung aufzuräumen und generell sauber zu halten. Wenn ich mal keine Lust habe, die Pfannen am Sonntag abend wegzuspülen muss sie es eben am Montag morgen machen. Ihr Job – mein Luxus. Genau dafür bezahle ich jeden Monat ca. 750 Euro (alles zusammengerechnet). Und es ist mir dabei ziemlich egal, ob das AP davon genervt ist. Mir macht mein Job nämlich auch nicht immer Spaß. Und sie hat auch mal die Schubladen in der Küche auszumisten und zu wischen. Oder den Kühlschrank zu sortieren und zu säubern (wird ab dem nächsten AP eine wöchentliche Aufgabe werden). Staubsaugen und Wischen. Kinderzimmer sauber machen (nicht nur aufräumen sondern wöchtendlich zu reinigen.)

    Meine persönliche Auffassung von „leichter Hausarbeit“ ist: Alles was eine normale Hausfrau ohne exotische Hilfsgeräte macht (also kein Abschleifen von Parkett, keine Autos putzen, keine Fugen mit Fugenreiniger putzen, kein Einsatz von Hochdruckreiniger – wohl aber Staubsaugen, Boden wischen, Stauwischen, Bügeln, Fensterputzen, Spiegel putzen – im Sommer auch gerne Unkraut rupfen, Obst pflücken, Rasen mähen) im zeitlichen Rahmen von ca. 10 Stunden/Woche. Gästeklo, Elternbad und Elternschlafzimmer mache ich sauber (bzw. die Putzfrau).

    Au-Pair hat insofern nichts mit „Gerechtigkeit“ im Sinne von „wir leisten alle unseren Teil an Hausarbeit und der ist ungefähr gleich groß“ zu tun. Das funktioniert bei einer WG. Sie zahlt uns aber weder Miete noch Essen, sondern erhält im Gegenteil noch reichlich Geld. Daher ist es mein Recht – das ich mir nehme, ohne ein schlechtes Gewissen zu habe, manchmal faul zu sein, mir die netteren Arbeiten zu suchen (Kinder zum Sport begleiten) und ihr die weniger netten (während der Zeit bügeln) zu geben.

    Da ich mit den meisten APs immer noch ein gutes Verhältnis habe und sie alle sagen, dass es ihnen bei uns richtig gut ging, scheinen wir nicht die Schlimmsten zu sein… (Wobei wir die Mädels, die ihre Zeit bei uns als Urlaub begriffen, schnell wieder loswurden!)

  11. hostmami Says:

    Ich schliesse mich den Kommentaren an. Total Klasse,da weiss man als aupair wirklich was da auf einen zukommen kann. Xeniane

  12. Katharina Says:

    Obwohl die Au-Pair-Zeit manchmal ein wenig stressig und monoton aussieht, die Kinder ab und zu nerven und Gasteltern nicht immer freundlich sind, glauben Sie mir: Diese Zeit sollte man wirklich schätzen. Es gibt so viele Möglichkeiten sich selbst zu verwirklichen und Situationen zu managen, wenn z.B. die Gasteltern verreisen. Da hat man eine harte Schule und lernt, wie man mit Kindern umgehen sollte. Bücher, Geschichten und Empfehlungen sind gut, aber das, was man selber erlebt, diese Erfahrung, die kann man nicht kaufen. Das wichtigste ist es sich in eine Familie zu integrieren, sich mit fremden Menschen zu verständigen, Probleme zu lösen und Kompromisse zu finden. Und das ist eine Lebensschule, die man sonst nirgendwo bekommt.
    Nebenbei wird auch noch eine Fremdsprache gelernt und die Welt entdeckt. Im großen und ganzen ist das eine perfekte Kombination, die ich jedem empfehlen würde.

  13. Tina Says:

    Hallo,

    ich selbst war vor 12 Jahren Au Pair in St.Louis, Missouri. Meine Familie hat mich sehr gut aufgenommen und ich habe bis jetzt noch super Kontakt zu allen Familienmitgliedern. Das Au Pair Jahr hat sich fuer mich wirklich gelohnt und ich koennte es jedem empfehlen, das auch zu machen. Natuerlich kann man Pech mit der Familie haben, und ich kannte einige Maedels, die es nach einem Monat nicht mehr ausgehalten haben und zurueckgegangen sind, dennoch gibt es auch Moeglichkeiten, die Familie oder Organisation zu wechseln, bevor man aufgibt. Wer noch mehr Infos erfahren meochte, kann mich auch gerne anschreiben. LG

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: