„Dann fahre Ich eben nach Hause“

Nein keine Angst unsere Olga will nicht wirklich nach Hause fahren. Sie hat ja gerade erst ihr „kleines Bergfest“  nach drei Monaten gefeiert.  Aber unsere beiden Damen haben es geschafft ihr letzte Woche den Geduldsfaden zu ziehen. Olga hat seit Tagen bösen Liebeskummer mit Schatzi, fühlt sich nicht wirklich gut und auch sonst merkt man ihr eine aufkommende Dreimonatskrise an.

Das wir als Familie  Tagen Wochen im Wechseltakt erkältet macht die Sache auch nicht wirklich besser.  Die Stimmung war also  bei allen ziemlich auf dem absteigenden Ast. Beide Kinder scheinen auch mal wieder einen Entwicklungs- oder Wachstumssprung vorzubereiten. Sprich sie sind super zickig, streiten viel und können richtig frech werden.  Und am Montag war es dann soweit. Zickenterror trifft 3 Monatskrise.

Olga hat offensichtlich von Liebeskummer und Heimweh gebeutelt zum ersten Mal seit sie hier ist die Zeit vergessen verschlafen. Sie war fast 30 Minuten zu spät am Kiga.  Diese Info habe Ich am nächsten Tag von der Erzieherin bekommen. Die Kinder haben nichts verraten.  Auf dem Heimweg hat dann wohl die große Hilfe einen massiven Zickenanfall bekommen. Ob durch die notwendige Eile noch vor mir zu Hause zu sein, oder Frust aus dem Kiga  sie mal dahin gestellt.   Der Anfall  muss so heftig gewesen sein, dass Olga in ihrer Verzweiflung den Satz gesagt hat, den Ich eigentlich nie von einem Au-Pair hören möchte.

„WENN DU SO FRECH BIST FAHRE ICH EBEN NACH HAUSE“

Den zweiten  Teil der Geschichte kenne Ich ohne die Drohung weil die Olga mir selbst erzählt hat, dass die Große Hilfe auf dem Rückweg sehr frech war.  Die hat sich vor schlechtem Gewissen erstmal ins Bett gelegt und wollte Mittagspause machen.   Alle waren sich aber einig, dass jetzt alles wieder ok sei. GH hätte sich entschuldigt und Olga wäre nicht mehr sauer.

Von der Drohung habe Ich dann erfahren, als Petzi kleine Hexe ihre Schwester noch mal richtig in die Pfanne hauen wollte und die Große Hilfe versucht hat ihren Anfall runter zu spielen.

Ich kann zwar die Gefühle von Olga und jedem anderen Au-Pair gut verstehen, wenn einem so eine Äußerung herausrutscht, aber es ist der schlimmste Satz für die Kinder. Nicht in der Situation. Unsere Mädchen haben auch sofort durchschaut, dass sie es nicht macht. Aber irgendwann muss jedes Au-Pair gehen und wenn wir Pech haben erinnern sich die Kinder dann an diese Drohung und denken es liegt an ihrem Verhalten, dass sie weg geht. Daher finde Ich die Drohung so schlimm.

Aber leider hat bisher fast jedes Au-Pair im Laufe der Monate diese Drohung geäußert.   Jetzt stehe Ich vor der Frage, wie gehe Ich mit der Situation um.

1.  Olga ist ein super Au-Pair und hat bisher einen mehr als guten Job gemacht.

2. Die letzten Wochen waren für sie in vieler Hinsicht hart und belastend, da steht ihr ein Fehler wirklich zu

3. Die Kinder können einen manchmal zur Weißglut treiben, daher kann Ich mir ungefähr vorstellen, wie es gelaufen ist.

Daher tendiere Ich dazu es erstmal auf sich beruhen zu lassen. Ich hoffe wenn wir alle wieder auf dem Damm sind und der Advent kommt wird hier auch die Stimmung wieder besser und vielleicht haben dann ja auch die Damen ihren Sprung abgeschlossen. Die große Hilfe ist auf denen Fall schon mal 5cm  gewachsen in den letzten 4 Wochen.

Advertisements

Schlagwörter: , ,

6 Antworten to “„Dann fahre Ich eben nach Hause“”

  1. llohv Says:

    hast du olga erklärt welche auswirkungen dieser satz deiner meinung nach haben kann?
    Ich kann verstehen das du diesen satz nicht magst aber leider gottes rutscht er doch zu schnall raus und au-pairs denken oft einfach nciht dran was ist wenn sie gehen wiel das so weit weg aussieht.
    ich denke der satz wird bei deinen kindern keine zu negative auswirkunbg haben wenn olga geht den sie sind ja doch schon au-pair erfahren und es war ja scheinbar nicht des erstemal das sie sowas gehört haben.

    ich würd ihr ganz klar sagen das du den satz nicht gerne hörst und einmal rausrutrschen okay ist dies aber nicht mehr passieren sollte.

  2. Higanbana Says:

    Ich wuerde da ehrlich gesagt nicht so viel reininterpretieren wollen. Unter 4 Augen wuerde ich Olga noch einmal sagen, dass das eine Sache ist, ueber die du persoenlich nicht gluecklich bist, und ansonsten Schwamm drueber! Was sagen selbst Kinder nicht staendig zueinander? Mama, DAIKIRAI (Mama, ich hasse dich.). Und 20 min bekommt man wieder Liebeserklaerungen.
    Oder wenn meine Grosse absolut nicht nach Hause will, kommt auch schon mal ein leicht bis mittelschwer genervtes „Gut, dann fahren Bruederle und ich eben allein nach Hause.“, das manchmal wirkt, aber oft auch nicht wirklich fuer ernst genommen wird.

    Warum duerfen nicht auch mal junge Erwachsene in eine Situation, wo sie einfach explodieren, besonders wenn die beiden Maedels z.Z. wirklich nicht gerade leicht zu ertragen sind, wie du selber schreibst. Also Schwamm drueber!

    LL

  3. aupairfamilienrw Says:

    Danke Ihr beiden für die nette Rückmeldung. Ich bin ja auch der Meinung, dass die Situation nichts wirklich dramatisches hat.
    Deshalb habe Ich ja auch bisher nichts weiter gesagt. Olga weiß, dass Ich diesen Satz nicht mag und wir haben schon ein paar Mal darüber gesprochen. Denn eins unserer Nachbar Au-Pairs hat über Monate immer wieder versucht „ihre“ Kinder damit zu erziehen. Vielleicht reagierie Ich daher so empfindlich.
    Und solange es ein einmaliger Ausrutuscher bleibt kann Ich auch damit gut leben.

    Trotzdem finde Ich sollten sich Au-Pairs genau wie Eltern überlegen wie Kinder bestimmte Äußerungen auffassen können.
    Und unsere Kinder haben bei jedem Au-Pair Wechsel um ihre APs getrauert und gefragt warum sie weg gehen müssen und versprochen besonders lieb zu sein, wenn sie bleibt. Daher so weit hergeholt ist es leider nicht.

    @Higanbana
    Das mit dem explodieren habe Ich meinen Mädels genau so erklärt. Wenn sie so über die Grenzen gehen, dann müssen sie damit rechnen, dass auch Erwachsene nicht immer richtig, fair und freundlich handeln. Hoffentlich lernen sie daraus, dass auch das netteste AP eine Grenze hat.
    Da bin Ich aber guter Hoffnung, denn beide haben ja versucht ihr AP zu schützen und nichts von der Verspätung erzählt 😉

  4. mara Says:

    hm, also ich finde, offenheit am wichtigsten. mir würde dieser satz gar nicht so viel ausmachen (wenn man klar stellt, dass er im stress gesagt wurde und nicht wieder vorkommen sollte) aber ich finde es komisch, dass du erst durch die kinder davon erfahren hast. ich würde mir eher gedanken machen, ob olga ihnen gesagt hat, dass die mädels nichts erzählen sollen oder ob sie es einfach irgendwie nicht so wichtig fanden. ich versuche dem kleinen riesensohn klarzumachen, dass es nichts gibt, was er mir nicht erzählen darf, ich denke jetzt mal etliche kategorien schlimmer, übergriffe und so. ich möchte auch von unserer jungen dame alle fehler wissen oder wie etwas abgelaufen ist, weil ich offenheit einfach am wichtigsten finde. ich erinnere mich übrigens, dass ich als babysitter vor 100 jahren auch einmal ausgetickt bin, und ich brülle hier immer noch hin und wieder rum. da habe ich volles verständnis für eine junge frau, die sich bemüht alles gut und richtig zu machen, dass man da eben die beherrschung verliert.
    liebe grüße,
    mara

  5. ap-familie Says:

    Ich habe diesen Satz noch nie von einem AP gehört. Die Kinder wissen, dass die APs irgendwann wieder gehen werden, sie wissen auch, dass wir schon doofe APs hatten, die wir nicht bei uns haben wollten. Unsere Kinder sind seeehr (zu?) selbstbewußt, und ich glaube nicht, dass sie sich von so einem doofen Spruch beeinflussen lassen würden. Ich fürchte, unser Sohn würde sagen „Dann geh doch – Tschüss“ – egal wie sehr er das AP mag. Erpressung wird von meinen Kindern als das identifiziert, was es ist – da muss man schon subtiler vorgehen…
    Meine Kinder würden auch niemals die Schuld bei sich suchen, wenn ein AP geht – manchmal klappts, manchmal nicht.

  6. aupairfamilienrw Says:

    @ mara
    Du sprichst meine zweite Sorge an, aber Ich glaube sie hat es nicht verboten, aber durchaus bewußt nicht erzählt, da sie weiß, dass Ich diesen Satz nicht mag. Die Kinder wirkten nicht „traumatisiert“ und daher ist der Vorfall für mich ok.
    Offenheit und Ehrlichkeit sind auch für mich das wichtigste und da war sie bisher auch immer ehrlich. Und dieses kleine „Vergessen“ ist ihr gegönnt.

    @ap-familie
    Es kommt vielleicht auch auf das Alter und den Charakter der Kinder an. Unsere sind noch relativ klein und hängen sich jedes Mal mit Herzblut an ihr Au-Pair. Bei einem doofen AP würde wahrscheinlich die gleiche Reaktion wie bei deinen Kids kommen. 😉 Aber gerade wenn das Verhältniss so eng ist kann so ein Satz eben doch Folgen haben. Und Ich würde nochmal unterscheiden zwischen sichtbarer Reaktion und der emotionalen Wirkung im Kind. Unsere kleine Hexe wirkt oft sehr cool, ist aber trotzdem oder gerade daher sehr getroffen von solchen Dingen.

    Ich finde es auf der anderen Seite auch wichtig, wenn die Kinder lernen, dass auch ihr Verhalten Folgen und Reaktionen bei Erwachsenen auslöst. Nur emotionale Erpressung ist ein No-Go für mich.
    Schwieriges Thema, Danke an all die verschiedenen Perspektiven

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: