Phasen eines Au-Pair Jahres

Ein AP Jahr ist in seiner Entwicklung einem Kleinkind ziemlich ähnlich.  Natürlich hat jedes AP und jede Familie ihre eigenen Erfahrungen und Persönlichkeiten, aber es lassen sich doch immer wieder erstaunliche Parallelen erkennen.   Ich teile für uns immer in folgende Phasen ein:   Die euphorische  Anfangsphase,  die  Dreimonatskrise, dann die „Tolle 2. Hälfte“ und die Endphase.  Alle Phasen haben so ihre Besonderheiten.  Heute will Ich mich der „Tollen 2. Hälfte widmen, auch wenn sie bei uns auch schon wieder zur Hälfte vorbei ist 😦

Typische Kennzeichen dieser Phase:

– Das AP ist nach Dreimonatskrise und Bergfest wirklich in der Familie und dem Gastland angekommen.  Sie hat einen eigenen Bekanntenkreis und viele eigenständige Freizeitaktivitäten. An freien Tagen/Wochenende sieht man das AP nur noch im Ausnahmefall.  Denn Ausflüge, Parties und Besuche müssen ja koordiniert werden.

– Im Vergleich zur ersten Hälfte merkt man als Familie eine deutliche Entwicklung in der Persönlichkeit des AP.  Sie ist in der Regel selbstständiger,  selbstbewußter und erwachsener geworden.  Oft kommen noch halbe Kinder und am Ende schickt man einen fast erwachsenen Menschen nach Hause  🙂

– Das AP ist für die Kinder eine wirkliche Vertraute und geliebte Person geworden.  Sie gehört selbstverständlich  mit zur Familie und  wird vermisst wenn sie nicht da ist.   Auch im gegenseitigen Umgang zwischen Gasteltern und AP ist jetzt hoffentlich alles unverkrampft und normal.  Man kennt die gegenseitigen Macken und Vorlieben und hat nicht mehr ständig das Gefühl jemand Fremden im Haus zu haben.

– Das AP fühlt sich so wohl, dass es beschließt für immer in Deutschland bleiben zu wollen und verstärkt seine Aktivitäten im Bezug auf  Studium, Männerfang,  FSJ oder Anschlußjahr AP in Österreich.   Das ist der Zeitpunkt wo man als Familie regelmäßig  über die Möglichkeiten und rechtlichen Grundlagen bzgl.  Hochzeit, Arbeit und Studium in Deutschland befragt wird.

– Das AP hat Spaß an der Arbeit und erledigt 100 Kleinigkeiten einfach mal so mit und vor allem sie denkt mit, weil sie  eine eigene Routine entwickelt hat.  Ein besonders tolle Sache für Gasteltern, weil man nicht mehr jedes kleine  Detail erklären und einfordern muss.  Spätestens hier entsteht der Wunsch dieses AP für immer behalten zu wollen und sicher zu sein, nie wieder ein so tolles und cleveres AP zu bekommen.

– Wenn man wie wir immer im Sommer wechselt fällt diese tolle Phase auch noch mit Frühling und Sommer zusammen und das gute Wetter tut sein übriges um AP und Familie in Hochstimmung zu versetzten.

Jetzt ein paar Tips für neue Gasteltern:

1. Genießt diese Phase in vollen Zügen, es ist die beste im ganzen Jahr und mit etwas Glück auch die längste 🙂  Jetzt ist die Zeit wo ein AP echte Entlastung ist und man als Familie wirklich merkt warum es so toll ist ein AP zu haben.    Man kann sich sogar kleine Extras leisten wie mal über Nacht wegbleiben oder spontan ins Kino gehen.   Denn in dieser Phase ist das AP erstens fit genug es auch schaffen und meistens auch stolz über so einen Vertrauensbeweis.  Natürlich wird er  durch Freizeitausgleich oder  ein besonders Extra honoriert.

2.  Auch wenn ihr glaubt das beste, tollste und unglaublichste AP aller Zeiten zu haben bleibt realistisch.  Es läuft auch deshalb so gut, weil euer AP das Ende vor Augen hat.  Die meisten APs wollen nicht für den Rest ihres Lebens für 260€ Kinder hüten.  Daher nicht sofort die nächsten 2-x Jahre mit AP planen und alles versuchen das AP länger zu behalten. Denn erstens gibt es so gut wie keine legale Möglichkeit und vor allem dauert diese Phase nicht ewig.  😦

3. Daher mehr als gut überlegen ob man für ein AP wirklich eine Bürgschaft für ein Sprach- oder Studentenvisum unterschreibt.  Viele AP fragen danach oder erzählen zumindest auffällig häufig wie schlecht die Lage in der Heimat ist, wie schlecht es der Familie dort geht und wie traurig ihre Aussichten dort sind.  Mir tut das auch immer mehr als leid und wir hätten auch1x fast so  eine Verpflichtung unterschrieben. Aber  aus meiner heutigen Erfahrung muss Ich leider sagen, es ist ein riesiges Risiko.  Denn ihr haftet für euer AP egal ob sie sich an den Deal hält.  Viele APs haben keine Ahnung was es bedeutet hier zu studieren und sind daher im Studium kaum noch eine Hilfe. Und noch gefährlicher, sie lernen ja ständig neue Leute kennen und im schlimmsten Fall ist euer AP nach ein paar Wochen/Monaten mit einem tollen neuen Lover zusammen der es schwängert und dann verschwindet. Das wird ein richtig teurer Spaß, denn ihr zahlt für Harzt IV,  Krankenversicherung, Baby ………

Wer wirklich hier bleiben will/muss, sollte sich rechtzeitig um ein FSJ bemühen.  Wer das nicht schafft ist auf Dauer nicht in der Lage hier autark zu leben und würde somit auf Dauer von euch abhängig bleiben.  Wir machen unseren APs immer sehr schnell klar, dass wir sie gerne unterstützen hier ein Möglichkeit zum bleiben zu finden, aber auf keinen Fall eine Verpflichtung unterschreiben werden.  Hat bisher auch noch nie wirklich das Verhältnis belastet. Man muss es nur klar sagen.

4.  Jetzt ist auch die optimale Phase nach einer Nachfolge für euer AP zu suchen. Man geht mit guten Gefühl an die Sache AP und euer AP kann mit gutem Gefühl für euer Familie „Werbung“ machen.  Wenn man in einer negativen Phase sucht, dann ist es immer schwierig.  Entweder man will das neue AP am liebsten sofort einladen, oder man ist überkritisch und traut keinem AP über den Weg.

5. Zeigt eurem AP wie stolz und froh ihr seit, dass sie so ein gutes AP geworden ist.  Denn viele AP merken selbst gar nicht wie sehr sie sich entwickelt haben. Und mit ein bischen Lob und positiver Bestärkung kann diese Phase noch schöner werden.

6.  Macht euch klar, dass diese tolle Phase eben nur deshalb so toll ist, weil ihr gemeinsam mit eurem AP auch die schwierigen Phasen zuvor durchgestanden habt.  Denn nur wenn Eingewöhnung, Einarbeitung und 3 Monatskrise erfolgreich durchlebt wurden kann ein Vertrauensverhältniss entstehen, dass in einer tollen zweiten Hälfte belohnt.

7. Wenn ihr auch nach dem Bergfest immer noch das Gefühl habt es stimmt etwas nicht würde Ich stark überlegen wie ihr mit der Situation umgehen wollt.  Entweder man akzeptiert die Probleme und konzentriert sich auf das positive (was es hoffentlich auch gibt) oder man hat den Mut zu einem klaren Schnitt und trennt sich vom AP.  Denn was in 6 Monaten nicht klappt wird sich jetzt erfahrungsgemäß nicht mehr wirklich ändern.

Bin gespannt auf eure Meinungen und Erfahrungen 🙂

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