Flexibilität durch Au-Pair

Einer der wichtigsten Gründe warum wir uns für ein AP als Kinderbetreuung entschieden haben war die hohe Flexibilität die diese Betreuungsform bedeutet.  Gerade im Notfall oder bei kurzfristigen Änderungen kann auch so eine gute Kinderbetreuung gewährleistet werden.

Soweit die Theorie.  Aber in der Praxis treibt mich Olga gerade mal wieder in den Wahnsinn.  Sie macht zwar ihre Aufgaben nicht wirklich schlecht, aber gerade der Bereich Flexibilität scheint ihr in letzter Zeit nicht mehr zu gefallen.  Dabei haben wir ihn seit Wochen fast nie genutzt.  Aber wahrscheinlich liegt genau dort das Problem.

Klingt unlogisch?  Ich versuche es an ein paar Beispielen zu erklären.

Olga hat laut unserem Arbeitsplan ca. 25-26 Wochenstunden von MO-FR fest  eingeplant.  Die restlichen 3-5 Stunden pro Woche sind für Notfälle (krankes Kind muss am Morgen betreut werden/ gelegentliches Babysitten am Abend/Wochenende) .  So war es auch von Anfang an abgesprochen.  Die letzten Wochen waren unsere Kids zum Glück auch sehr selten krank und Babysitten am Wochenende/Abend war auch die absolute Ausnahme.  Olga hatte seit Weihnachten vielleicht 1x am Wochenende  babysitten müssen.    Diese Termine tragen wir auch immer möglichst früh, spätestens am Sonntag Abend in den Familienkalender ein.    Dort sollte Olga ja auch alle wichtigen Termine eintragen.   Überstunden durch Krankheit der Kinder werden entweder direkt durch einen freien Nachmittag oder in der nächsten Woche ausgeglichen.   Soviel zur  Theorie.

Nachdem die letzten Wochen wie gesagt eher ruhig aus Au-Pair Sicht waren.  Die Kids gesund und häufig am Nachmittag verabredet oder mit sich selbst beschäftigt hatte sie regelmäßig 1-1,5 Stunden früher Feierabend und auch den ein oder anderen ganz freien Nachmittag.  Ist für mich auch völlig ok.  Unser AP muss nicht zwingend auf ihre 30 Stunden kommen.  Wenn die Kids am Freitag Nachmittag eine Geburtstagsparty haben, dann ist eben schon um 15.00 Uhr Wochenende  🙂    Und auch für ihre Vorstellungstermine und Urlaubswünsche waren wir als Familie bereit viele Kompromisse einzugehen und  sogar einen zusätzlichen Babysitter zu bezahlen, damit sie ihre Wunschtermine wahrnehmen konnte.  Obwohl sie nichts vorher mit uns abgesprochen hatte 😦    Aber das ist eben für mich das Verhältniss auf Gegenseitigkeit und ich wollte ihr ja auch nicht die Chance auf ihr FSJ kapput machen.

Tja und letzte Woche war dann wie lange angekündigt eine sehr stressige Woche.  2 Geburtstage,  Konferenzen,  Abiturprüfungen und noch ein Abendtermin mussten unter einen Hut gebracht werden.   Und passend dazu wurde natürlich auch noch ein Kind krank.   Für unser AP bedeutete es also diese Woche würde Überstunden bringen.    Als wir dann am Mittwoch Abend mit ihr planen wollten wie der nächste Tag am besten zu organisieren ist.  Ich hatte den ganzen Tag Prüfungen und mein Mann musst über Nacht im Krankenhaus arbeiten weil dort auch Kollegen durch Krankheit ausgefallen sind kam von Ihr :   “ Das sind aber über 6 Stunden am Tag“    Da bin ich ja innerlich  fast geplatzt.    Ja es waren mehr als 6 Stunden um genau zu sein 7,5  aber erstens hatten wir es lange angekündigt, zweitens hatten wir an diesem Tag wirklich keine Alternative (Omas im Urlaub,  Tanten verhindert) .   Ich kann ja verstehen, dass sie genervt ist wenn sie Überstunden machen muss, aber  es ist eben ihr Job und wir sind ihr die letzten Wochen soviel entgegen gekommen.  Auch an diesem Tag.   Wir haben das gesunde Kind selbst in den Kiga gebracht und ich hatte organisiert, dass unsere Große Hilfe allein nach Hause laufen darf.  Und sie stellt sich genau an diesem Tag so quer.   Und  dann am nächsten Tag die gleiche Nummer.   Mein Mann hatte sie wohl schon vor ein paar Wochen gefragt ob sie gegen extra Bezahlung (30€ für einen Nachmittag + Abend)  auf die Kids aufpassen würde, damit er mir zum Geburtstag einen Theater Abend schenken kann. Sie hat zugesagt. Wie gesagt sie wurde gefragt und wir hätten auch einen anderen Babysitter finden können.  Ihre freie Entscheidung.  Aber als es dann so weit war auch hier nur gemecker.  Ich wollte eigentlich zu Schatzi?  Wann muss ich zurück sein?  Dann eine Stunde vor Beginn der Anruf :“Ich  komme vielleicht ein bischen später“ .  Ok sie war dann doch pünktlich, aber solche Aktionen machen mich mürbe.  Seit sie ihre Zusage für ihr FSJ hat kommt auch ständig die Frage:  „Du musst mir sagen wann ich frei habe“   Aber nachdem ich 2x recht ärgerlich gesagt habe: „Wie immer nach Plan“ ist zumindest da wieder Ruhe eingekehrt.    Da scheint ihr wohl wieder eingefallen zu sein, dass der Plan am Kühlschrank nicht nur Deko ist.  Vielleicht hängt es aber auch mit der gemeinen Frage meines Mannes zusammen „Wann kannst du eigentlich frühstens  dein FSJ anfangen?“  Der ist nämlich auch ordentlich angesäuert.

Denn neben dem Meckern über flexible Arbeitszeiten ist das ignorieren oder „sparen“ von Hausarbeitszeit auch ein beliebtes Hobbie geworden.  Sie hat ja laut Plan jeden Tag 1-2 Stunden am Morgen für Bügeln,  aufräumen und staubsaugen. Aber auch hier wurde die letzten Wochen eher nach dem Motto.  Schnell und oberflächlich gearbeitet, oder geziehlt die Arbeit auf dem Nachmittag verlegt wenn die Kids auch da sind.  An sich auch ok, aber dann erwarte ich auch keine Beschwerden wegen 1x 5 Überstunden pro Woche.  Vor allem hatten wir schon überlegt wie wir die Überstunden ausgleichen könnten. Entweder durch extra Bezahlung oder einen extra freien Tag zwischen den Feiertagen im Juni.  Aber nach der Nummer ist das jetzt erstmal gestorben.

Aber es ist auch unser Fehler.  Wir hätten viel öfter auch Abends ihre Dienste in Anspruch nehmen müssen. Denn die Erfahrung zeigt leider, dass sich APs sehr schnell an generell freie Abende/Wochenenden gewöhnen und es dann als absolute Zumutung empfinden wenn sie doch mal arbeiten müssen.

Das Problem liegt für mich aber auch darin, dass ich nicht wirklich ihr gegenüber ausdrücken kann was mich genau stört. Denn sie macht ja dann ihre Arbeit.  Und es ist eigentlich auch ok, dass sie mal keine Lust hat.  Geht mir ja nicht anders.  Nur lasse ich es nicht so an meinen Schülern und Kollegen aus.  Hoffe ich zumindest

Nachdem also die letzte Woche Stimmungstechnisch deutlich eingetrübt war hat wohl auch Olga gemerkt, dass sie übers Ziel hinaus geschossen ist und bemüht sich jetzt wieder um Schadensbegrenzung.  Zumindest war die Küche gestern so gründlich aufgeräumt wie seit Wochen nicht mehr.

 

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4 Antworten to “Flexibilität durch Au-Pair”

  1. ap-familie Says:

    Das klingt aber sehr nach Endspurt…
    Ist es nicht erstaunlich, wie einfach es ist, (jahrelang) anderen gute Ratschläge im Bezug auf Umgang mit APs zu geben und selbst immer wieder in die gleichen Fallen zu tappen 🙂 Mir ging das jedenfalls ganz genauso. Viel zu selten das AP komplett eingesetzt und dann haben sie gemotzt, wenn sie „außer der Reihe“ 30 Stunden (oder auch mal mehr) arbeiten mussten. Andererseits muss ich auch nicht auf biegen und brechen abends mit meinem Mann oder alleine aus dem Haus, wenn die Kinder nachmittags nicht da waren und das AP dadurch frei hatte. (Zumal mein Mann auch oft abends/Wochenende arbeitet). Unsere Kleine kommt jetzt ja auch in die Schule und organisiert sich schon dermaßen gut, dass wir mittlerweile sogar auf den regelmäßigen Einsatz der Babysitterin verzichten könnten. An der Hälfte der Tage bräuchten wir sie eigentlich gar nicht. Andererseits wollen wir eine Regelmäßigkeit erreichen und so kommt sie halt trotzdem. Und das Mädel ist zum Glück so flexibel, dass sie sehr gut kurzfristig einspringen kann.
    Ich bin sehr gespannt, wie das bei Euch funktionieren wird, ich hoffe, Du berichtest weiter. Wann wird Euch Olga verlassen?

    • aupairfamilienrw Says:

      Der Jahresend Frust ist hier hoffentlich Ende Juli vorbei. Olgas Visum läuft zwar noch ein paar Tage länger, aber sie fängt ja schon zum 1.8. ihr FJS an und hat noch einige Tage Resturlaub. Daher sind wir hoffentlich ab Mitte Juli wieder Herr im eigenen Haus 😉

      Und dann werden wir wahrscheinlich spätestens nach den Ferien sehen, ob wir mit der Entscheidung ohne AP zu leben glücklich sind, oder unsere Olga zurück wünschen werden.

      Ich werde bestimmt weiter berichten, denn es gibt zwar viele Blogs aber ich kenne leider sehr wenige die sich mit dem Problem Vereinbarkeit und Beruf aus Sicht der Eltern beschäftigen 😦 Dabei ist das doch für viele Eltern ein wichtiges Thema.

      Und meine Tips und Ratschläge kann ich ja dann ganz ungefährdet an andere verteilen und muss sie nicht mehr selbst umsetzten 😉

  2. zimtapfel Says:

    An was für einer FSJ-Stelle hat es denn nun eigentlich geklappt? Und macht sie sich immer noch so völlig falsche Vorstellungen davon, wie ihre Arbeit dort aussehen wird? Das fände ich ja auch ganz interessant, wie es da so mit ihr weitergeht, aber das werden wir wohl nicht erfahren. Es sei denn, du bewegst ihre künftigen Arbeitgeber oder Kollegen zum Bloggen. 😉

    • aupairfamilienrw Says:

      Ja sie hat eine FSJ Stelle und trotz des ersten Schocks will sie diese gerne antreten. Ob wir weiterhin auf Dauer mit ihr in Kontakt stehen kann ich jetzt noch nicht wirklich abschätzen. Sie ist unser erstes AP das es wirklich zu schaffen scheint in Deutschland zu bleiben.

      Ob dort alles so super läuft wie sie glaubt wird sich zeigen, aber im Moment warten wir alle auf den schriftlichen Vertrag. Die Zusage per E-Mail hat sie und die Bedingungen klingen erstmal fair und gut. Wenn das alles so stimmt hat sie sich eine super Stelle an Land gezogen.

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