Au-Pair Früher und Heute

Ich denke immer wieder darüber nach wie sehr sich die AP bzw. Gastfamilien Suche durch Internet und Skype verändert hat.   Früher hat man 1-3  Familien oder AP Vorschläge bekommen und sich die Angaben in den Fragebögen durchgelesen.  Und dann hat man sich für ein AP entschieden und mit diesem telefoniert.    Und nach diesem Gespräch wurde in der Regel  Ja oder Nein  von beiden Seiten gesagt.

Und das  war es dann mit dem Matching.   Danach war wieder Kontakt Abbruch.  Wenn man viel Glück hatte hat die Gastfamilie noch 1-2x angerufen, aber es war die Ausnahme, da Telefonate sehr teuer waren.  Und als AP hat man sich ab dann eben immer wieder den Familiebogen angeschaut und sich vorgestellt wie die Familie wohl sein wird.

Das Kennenlernen fand wirklich erst im fremden Land statt.  Man war überwältigt von den vielen neuen Eindrücken und dem Wohnort der Familie (es gab noch kein Internet mit Photos alle Städte oder Google Maps wo man schauen konnte wie die Stadt aussieht).   Ich habe damals verzweifelt versucht meinen Ort auf einer Amerika Karte zu finden, aber er war zu klein  😦  Alles war neu, das Essen, die Gerüche, die Betten und auch die Freizeit Gestaltung der Familie war ganz anders als zu Hause.

Auch für die Familie kam man als AP als riesen Ü-Ei.   Viele Dinge die wir heute im Vorfeld klären wurden gar nicht bedacht oder abgefragt.   Man tauchte von einem auf den anderen Tag voll in die neue Kultur ein.   Der Kontakt nach Hause war sehr eingeschränkt.  Ich habe viele Briefe bekommen und geschrieben, aber es dauerte immer mindestens 1 Woche bis eine Antwort kam.

Telefonieren war extrem teuer, so dass man im normal Fall höchstens 1x pro Woche für ein paar Minuten mit den Eltern gesprochen hat.   Freunde und Bekannte waren nur per Post zu erreichen.    Durch diese zwangsweise „Kontaktsperre“ war man aber auch gezwungen sich möglichst schnell neue Kontakte im Gastland zu suchen.

Ich habe mich nach gut einer Woche getraut wildfremde APs von einer Liste anzurufen um mit ihnen etwas zu unternehmen.  Und wir haben vorher nicht per Facebook abgeglichen ob unsere Hobbies und Interessen zusammen passen.  Wir sind einfach mal losgezogen und haben uns kennen gelernt.  Und ich habe auf diesem Weg sehr viele unterschiedliche Menschen kennen gelernt.  Ok es waren auch Nieten dabei, aber auch viele toll wundervolle Kontakte.

Und ich habe die Sprache sehr schnell gelernt, weil ich praktisch in ihr gebadet wurde.  Gespräche in der Familie,  TV, Radio, Zeitung und auch Gespräche mit anderen APs wurden alle nur auf Englisch geführt.  Es gab ja keine andere Möglichkeit.   1x im Monat bin in nach NY gefahren in eine große internationale Buchhandlung und habe dort den deutschen Spiegel gelesen und ab und zu habe ich mit dem Weltempfänger dt. Nachrichten über deute Welle gehört.

Klar gab es auch andere APs aus Deutschland, aber wir haben uns in so gemischten Gruppen getroffen, dass wir sehr selten deutsch sprechen konnten.  Alle fanden es aufregend neue Freunde aus anderen Ländern zu treffen.  Wir sind jede freie Minute auf Tour gegangen.

Ich bin mit meiner besten AP Freundin jeden Monat 1x  Abends nach New York gefahren und von dort mit einem Greyhound Bus per Übernachtfahrt in die nächsten großen Städte.  Dann den ganzen Tag die Stadt erkundet, eine Nacht in der Jugendherberge und die nächste Nacht wieder mit dem Bus zurück und dann wieder arbeiten gegangen.  Wir wollten etwas erleben und der Komfort war uns egal.

Die Zeit in den USA hat mir sehr viel gegeben, auch wenn ich früher nach Hause gefahren bin, weil ich mit der Familie Probleme hatte.  Ich habe gelernt für mich selbst Verantwortung zu übernehmen, auf fremde Menschen zuzugehen und vor allem viele neue Eindrücke zu sammeln.  Viele Aspekte sind mir erst viel später bewußt geworden.  Aber ich habe unglaublich viel gelernt.

Und heute:

Die AP bzw. Gastfamilien Suche ist wie ein türkischer Basar.  Es gibt ein riesen Angebot und beide Seiten sind auf der Suche nach der „perfekten“ Familie und haben massenhaft Kontakte und versuchen jedes Risiko auszuschließen.  Es wird die Familie beziehungsweise das AP gesucht, dass möglichst genauso lebt wie die Familie in der Heimat.   Alles soll passen.  Gleiche Ernährung, gleiche Hobbies … .  Manchmal frage ich mich wo bleibt da das Abenteuer und die Neugier etwas neues kennen zu lernen.  Aber ich habe ja auch immer mehr so gesucht 😦

Wenn unsere APs kommen  wissen wir schon  alles übereinander.  Es gibt kaum noch Überraschungen und die APs sind auch häufig nicht mehr neugierig, weil sie schon alles per Netz gesehen haben.

Unsere APs verbringen den Großteil ihrer Freizeit im Internet damit in ihrer Muttersprache mit ihren Freunden daheim zu sprechen.  Wenn sie hier etwas unternehmen dann nur mit APs aus ihrem Heimatland und möglichst nur an Orten in denen viele Landleute zusammen kommen.

Wenn sie auf Reisen gehen muss es auf jeden Fall ein gutes Hotel sein und lange Fahrten mit dem Bus sind unzumutbar.  Am liebsten wird geflogen.

Ok ein bischen habe ich übertrieben, aber ein wahrer Kern steckt schon darin.  Und ich frage mich, ob unsere APs noch genauso viele positive Erinnerungen aus ihrem Aufenthalt hier bei  uns mitnehmen wie ich damals aus den USA.

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3 Antworten to “Au-Pair Früher und Heute”

  1. tanteepa Says:

    Ich habe vor einigen Monaten in einem Au Pair Forum einen Thread eröffnet was sich in 10 Jahren Au Pair alles verändert hat. Und das war in diesen 10 Jahren schon ne Menge.
    Ich war 2000/2001 Au Pair in den USA und habe damals die erstbeste Familie genommen, die mir angeboten wurde. Erst nach dem „Match“ bekam ich Bilder und detaillierte Infos zur Familie.

    Ich hatte bei meiner Gastfamilie zwar schon Zugang zum Internet (sogar Flatrate) und habe auch fleissig E-Mails nach Hause geschrieben, aber soziale Netztwerke waren da noch unbekannt. Von vielen Freunden habe ich auch tatsächlich noch Briefe und Pakete bekommen. Digitalkameras hatte auch noch kein Au Pair und so war es immer eine Überraschung ob die gemachten Bilder auch wirklich was geworden sind. Natürlich wurden sie 2fach bestellt für die Familie zu Hause.
    Ich hatte auch viel Kontakt zu anderen Au Pairs, aber auch zu Einheimischen und war viel unterwegs. Tlw. haben wir auch im Familien-Van der Gasteltern geschlafen. Ein Handy hatte ich als eins der wenigen Au Pairs von meinen Gasteltern bekommen, aber nur für Notfälle. Und ein Navi kannte noch niemand.Tlw. haben wir uns Karten aus dem Internet ausgedruckt, ansonsten wurde auf gut Glück losgefahren und man hat dadurch so viel mehr erlebt. Irgendwie wie ein großes Abenteuer.
    Hach, schön wars…

  2. Frau Feltus Says:

    Ich war 1991 Au Pair in Belgien. Damals habe ich mich bei einer belgischen Agentur beworben und bekam dann einen Brief zurück mit den Unterlagen „meiner“ Familie. Auf die Idee, die Familie abzulehnen und um einen neuen Vorschlag zu bitten, kam ich damals gar nicht.

    An die vielen Briefe erinnere ich mich auch. Ich habe jeden Tag 2-3 Briefe geschrieben, während das Baby schlief, und sicherlich fast genauso viele erhalten. Das Telefon war für mich tabu, zumindest durfte ich niemanden anrufen. Das war damals tatsächlich noch sehr teuer. Ich hatte schreckliches Heimweh und habe dann an meinem freien Tag von einer Telefonzelle aus meine ELtern angerufen und geweint… Daraufhin schickten sie mir mit der Post mein altes Steiff-Nipferd zum Trost.

    Da ich außer den Einheimischen kaum Gesprächspartner hatte, konnte ich innerhalb kürzester Zeit ganz flüssig auf flämisch plaudern, womit der Zweck meines Aufenthalts erfüllt war. Samstags bin ich immer irgendwo hingefahren, in eine belgische Stadt, meistens allein, da es kaum Au Pairs in der Gegend gab. Ich bin durch die Stadt gelaufen, habe mir Sehenswürdigkeiten angeguckt, bin manchmal mit anderen Leuten ins Gespräch gekommen, und habe mir in jeder Stadt ein kleines Andenken gekauft.

    Meine Gastfamilie – naja. Jetzt, wo ich selbst Gastmutter bin, kann ich mich natürlich besser in sie hineinversetzen. Sie waren immer nett zu mir, haben immer daran gedacht, mir mein Lieblingsessen mitzubringen vom Einkaufen, und wenn Clouseau (meine damalige Lieblingsband) im Fernsehen kamen, haben sie mir Bescheid gesagt. Auch für meine wöchentlichen Ausflüge haben sie sich interessiert, mir Vorschläge gemacht, Zugverbindungen herausgesucht. Trotzdem bin ich mit ihnen nicht so richtig warm geworden. Vielleicht hat die Chemie einfach nicht gestimmt…

    Ich finde auch, dass sich durch das Internet viel verändert hat. Unsere Kirgisinnen hatten noch keine eigenen Laptops, sondern haben nur gelegentlich Emails an ihre Familie geschickt, wenn wir den Computer nicht selbst brauchten. Unser jetziges Au Pair steht in ständigem Kontakt mit ihren Freunden und ihrer Familie.

    Auch bei der Au Pair-Suche ist dadurch tatsächlich vieles anders geworden. Mit unserem jetzigen Au PAir habe ich vorher so viel kommuniziert, dass wir uns bei ihrer Ankunft eigentlich gar nichts mehr zu sagen hatten. Wo knüpft man an, wenn man noch keine gemeinsamen Erlebnisse hat, aber schon alle Fakten ausgetauscht hat? Mit unserem neuen Au Pair machen wir es nun anders. Wir halten den Kontakt, aber erzählen noch nicht so viel. So bleibt die Vorfreude und Neugier hoffentlich bis zu ihrer Ankunft erhalten.

    • aupairfamilienrw Says:

      Ich erkenne mich in ganz vielen Punkten deiner Geschichte wieder. Es ist witzig wieviele ehemalige APs später Gastmütter werden, obwohl sie nicht immer die besten Erfahrungen gemacht haben.

      Ich kann meine Gastmutter heute auch viel besser verstehen, leider haben wir keinen Kontakt mehr, sonst wäre es bestimmt witzig für sie sich hier im Blog durchzulesen, wie ihr altes AP jetzt alles zurück bekommt was sie selbst mit mir durchmachen musste 🙂

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