Würde ich ein AP mit psychatrischer Erkrankung einladen?

Heute hat mich die Mail eines APs erreicht und sie stellt mir eine spannende Frage.  Wie würde ich als Gastmutter reagieren, wenn eine meiner Favoritinen schon einmal eine Therapie gemacht hätte?   Eine gute Frage und ich habe versucht  darauf ehrlich zu antworten.  Aber ich kann ja nur meine subjektive Sicht schildern.  Wie gehen andere Gastfamilien mit diesem Thema um, denn es gibt sicher viele APs die schon mal in so einer  Situation waren und nicht so ehrlich sind und die Familie vorher darüber informieren.

Meine Antwort:

Liebes AP,

erstmal Danke für dein Vertrauen. Das Thema Therapie ist heikel.  Je nach Land  (z.B. USA) kann es ein ko Kriterium sein.   Sind die Gründe für die Therapie für mich als Gastmutter gut nachvollziehbar (z.B. Tod/Scheidung) und können jeden treffen würde ich wahrscheinlich überlegen und das Risiko evt. eingehen.   Ich würde aber wahrscheinlich nachfragen warum die Therapie gemacht wurde und welche Probleme = Symptome bestanden.  Suizid Gedanken, Ritzen,  Essstörungen …  sind für mich als Mutter schon ein Problem.   Es ist schwierig kleinen Kids zu erklären, warum ihr Babysitter die ganzen Arme voller Narben hat und im schlimmsten Fall wieder anfängt mit einem solchen Verhalten.  Und auch Essströrungen sind  als Rollenvorbild problematisch.

Für mich wäre auch wichtig zu wissen wie lange die Therapien zurückliegen und ob es „nur“ Gesprächstherapien ambulanter Art oder ein „richtiger“  Aufenthalt in der Klinik war.  Wurde die Thearpie als Kind von den Eltern initiert oder hat das AP  als Erwachsene diese Therapie gemacht?

Ich würde auch nachfragen warum man als AP in ein fremdes Land gehen will und was sich das AP von seinem Aufenthalt hier verspricht.   Und was ich auf keinen Fall hören wollte ist die Antwort der Aufenthalt soll eine Art Therapie sein und helfen etwas zu verarbeiten und zu heilen.  Denn ein AP Aufenthalt ist keine Therapie.   Wo reagierst du anders und wie muss ich mir als Gastfamilie das vorstellen?   Als AP ist es unabhängig von Therapien wichtig mit den Gasteltern im Vorfeld zu sprechen wie sie ihre Kids erziehen und wie du in bestimmten Situationen reagieren sollst.  Daher frag dich auch, ob du bereit und in der Lage bist dich dem Werten, Lebenstil einer fremden Familie anzupassen.

Völlig ok fände ich hingegen die Antwort, ich möchte gerne ein „normales“ Familienleben erleben und freue mich darauf mit meinen Gastkindern den Alltag zu erleben.  Wir hatten 2x AP die aus Scheidungsfamilien kamen und beide haben es genossen bei uns die „heile Welt“ 😉   mit Mutter – Vater- Kindern zu erleben.

Mir fällt noch etwas ein, wenn du im AP Land wieder Probleme bekommst tragen die meisten AP Versicherungen keine psycholigische Betreuung, daher müsstest du im diesem Fall entweder sofort nach Hause oder auf die Gastfamilie kommten hohe Kosten zu, daher könnte auch das ein Grund sein, warum eine Familie sich gegen dich als AP entscheidet.

Ich bin gespannt wie andere Gastfamilien auf eine solche Frage reagieren würden…..

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6 Antworten to “Würde ich ein AP mit psychatrischer Erkrankung einladen?”

  1. ap-familie Says:

    Hart aber ehrlich: Für mich wäre dieses AP keine Alternative. In einem AP-Jahr können 1000 Dinge mit dem AP schief gehen – ich versuche alle Dinge, die ich bereits im Vorfeld erkennen kann, auszuschalten. Hierzu gehören jegliche potentiell gefährliche/nicht ausgeheilte Krankheiten selbstverständlich auch. Ich nehme APs nicht auf, um mir bewußt mehr Probleme zu schaffen (bzw. zu hoffen, dass es nicht dazu kommt), sondern um Probleme (in der Kinderbetreuung/Haushalt) zu vermeiden. So wie das AP schreibt (..habe das sichere Gefühl…trotz Schwierigkeiten…in Selbstreflektion zu gut geschult) steht sie noch sehr unter dem Einfluss ihrer Krankheit – soll heißen sie ist sicherlich nicht geheilt. Warum will jemand, der offenbar genug mit sich selbst zu tun hat, sich mit dem Problem Kulturaustausch plus Anpassung/Austausch in einer fremden Familie antun? Wenn es nur um die Kinder geht – in Deutschland gibt es jede Menge Kinder. Wenn es um Auslandserfahrung geht – es gibt diverse Freiwilligendienste im Ausland. Man muss eine Familie mit kleinen Kindern nicht unbedingt diesem Risiko aussetzen – auch wenn es ein noch so großer Wunsch ist, AP zu werden. Das zeugt meines Erachtens von Verantwortungsbewußtsein. Sich in dieser Situation als AP zu bewerben, eher nicht.

  2. Mara Solanum Says:

    Ich finde das eine schwierige Entscheidung, ich kenne nämlich Menschen mit oben genannten Schwierigkeiten, die ihren Alltag sehr gut geregelt kriegen, und andere, bei denen es hapert.
    Da man das AP ja nun meistens nicht vorher ausgiebig kennen lernen kann, würde ich auch Abstand nehmen von einer solchen Bewerbung, zumal es ja um die Beaufsichtigung von meist kleinen Kindern geht.
    Außerdem würde ich mich wundern, warum jemand mit wie auch immer gearteten psychischen Problemen, falls sie denn noch akut sind, ein Jahr ins Ausland will. Es könnte ja auch der Gedanke dahinter stecken: Wenn ich in einem Jahr zurück bin, ist alles ok. Was ich ja eher für eine Illusion halte.
    Andererseist habe ich irgendwo die Zahl aufgeschnappt, dass ca. 20% der Deutschen einen ernstzunehmenden Knacks haben. Also das Risiko ausschließen kann man da wohl nie.
    LIebe Grüße und einen schönen Sonntag (ohne Regen?)
    Mara

  3. alba Says:

    hallo, ich klinke mich da mal ein :).

    ich finde das etwas kurzsichtig bedacht (sorry). die sache ist ja die: jemand hat eine therapie gemacht. also hat jemand, der probleme hatte, erkannt, dass er mit eben diesen nicht alleine umgehen kann, hat sich hilfe gesucht und es wieder hinbekommen.
    das finde ich sehr erwachsen. denn auch wenn eltern die behandlung initiieren, heißt es ja erstmal dass die eltern aufmerksam sind was ihr kind angeht. und auch wenn die eltern eine therapie wollen, muss das kind noch lange nicht mitmachen. es steckt ne menge mut und stärke dahinter, eine therapie zu machen.

    gegenbeispiel: jemand hat probleme, kann sich nicht helfen, denkt sich „oh prima, da gehe ich weg, ins ausland“, flüchtet vor den unbehandelten problemen. hat nie eine therapie gemacht. wird aber dann bevorzugt. weil der lebenslauf „clean“ ist. dass man aber dann die ganzen unreflektierten neurosen mitbringt, wird vergessen. was dann damit auf die kinder übertragen und mit ihnen ausgelebt werden kann, na halleluja.

    also bitte etwas differentierter hinschauen :).

    grüße,
    alba

  4. Mara Solanum Says:

    hm, im prinzip, alba, gebe ich dir total recht und mein erster impuls war, so ähnlich zu schreiben wie du.
    dann aber habe ich mal überlegt, welche von meinen freunden und bekannten borderliner sind, essgestört und/oder depressiv. das sind eben krankheiten, die nicht so schnell therapiert sind. auch das wäre für mich an sich noch kein grund, jemandem nicht meine kinder anzuvertrauen, aber da man das ap meistens eben nicht vorher kennenlernen kann und es eben solche und solche kranken gibt, wäre ich da vorsichtig. es geht immerhin um meine kleinen kinder. auch frau bloginhaberin hat ja geschrieben, dass eine therapie an sich noch kein hinderungsgrund ist, es geht darum zu fragen: ist es abgeschlossen? was waren die gründe? als wg-genosse, putzfrau, kollegin… alles kein problem, aber eben dieses alleine mit kleinen kindern… liebe grüße, mara

  5. miol Says:

    Ich bin gerade dabei, meine Bewerbung auszufüllen, und bei der Bewerbung muss man ankreuzen, ob man schonmal opfer von sexuellen Übergiff war, und ich weis nicht ob man da ehrlich sein soll. Ich möchte einfach nciht, dass ich deswegen keine chance habe, aber lügen ist auch blöd oder? Was würdet ihr tun?

    • ap-familie Says:

      Schwierig.
      Zunächst hätte ich gesagt:
      Das geht niemanden etwas an, es sei denn man möchte es von sich aus mitteilen. Wenn ich betroffen wäre, würde ich mit gutem Gewissen (und dem Gesetz im Rücken – dies ist im Bereich Arbeitsrecht eine unzulässige Frage!) lügen.
      Andererseits stellt sich auch hier die Frage, inwiefern das AP-Jahr als Flucht/Therapie verstanden wird. In diesem Fall fände ich es verantwortungslos, die Familie nicht einzuweihen.
      Es kommt wohl auf die Art, den Zeitraum usw. an. Abgeschlossen ist so ein Erlebnis wohl eher nie – aber irgendwann hoffentlich nicht mehr dauerpräsent bzw. im „normalen“ sozialen Bereich beeinträchtigend. Sobald dieses Stadium ist, finde ich, dass jeder selbst entscheiden können darf, wem davon erzählt wird.

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