Vereinbarkeit von Familie und Beruf wie alles begann

Jetzt wo unsere Zeit als Gastfamilie zu ende gegangen ist, merke ich, dass ich häufig an unsere Anfänge als AP-Familie denke.  Es ist schon unglaubliche 5 Jahre her, dass wir uns entschieden haben ein AP in unsere Familie einzuladen.   Aber vor dieser Einladung lag eine lange Zeit der Überlegung und des Abwägens ob AP wirklich die richtige Form der Kinderbetreuung für uns ist. Und vor allem eine Zeit in der wir verschiedene andere Betreuungsformen ausprobiert haben.

Als unsere erste Tochter geboren wurde war ich gerade mit dem Referendariat fertig und somit erstmal arbeitslos.  Daher waren wir im klassischen System Wahnsinn  gefangen.  Bei allen Kitas und beim Jugendamt standen wir ganz hinten auf der Warteliste, weil wir ja keinen Bedarf nach Kinderbetreuung hatten.  Als Arbeitslose hatte ich ja Zeit mich selbst um mein Kind zu kümmern.

Das Problem bei Vorstellungsgesprächen war aber, dass neben dem dicker werdenden Bauch, auch die ehrliche Antwort „Ich habe noch keine Kinderbetreuung“ nicht wirklich förderlich wirkte.  Also war die Chance eine Stelle zu finden nicht wirklich toll.  Zum Glück hatte mein Mann wenigstens eine feste und sichere  Arbeit.

Nach der Geburt kam dann bei meinem ersten Besuch mit Baby auf der alten Arbeit das überraschende Angebot meines Chefs ab übernächste Woche wieder für 2 Tage als Elternzeitvertretung einzuspringen.   Dieses Angebot war eingentlich genau was ich gesucht habe.  Nicht zuviele  Stunden und in einem Bereich den ich kannte und der mir sehr viel Spaß machte.  Daher wollte ich diese Chance auf jeden Fall nutzen.     Ich habe also nach kurzem Überlegen zugesagt obwohl ich damals keine Kinderbetreuung hatte.

Zuhause habe ich dann mit meinem Mann erst gefeiert und dann in langen Gesprächen angefangen zu überlegen wie wir die Betreuung für 2x 5 Stunden organisieren könnten.  Zum Glück hatten wir die Untestützung von meiner Mutter, die zur Not die ersten Wochen eingesprungen wäre.   Und auch mein Mann hätte erstmal für ein paar Wochen Urlaub nehmen können. Aber als Dauerlösung war es nicht möglich, da auch die Oma noch berufstätig war und ich mit einer 2 Tage Stelle keine Vollzeitarbeit meines Mannes ausgleichen konnte.

Ich habe also wieder beim Jugendamt / Kita angerufen und mitgeteilt, dass ich jetzt nicht mehr arbeitslos bin und daher „Bedarf“ habe.   Aber leider war unsere Situation immer noch nicht förderfähig.  Denn „Sie müssen ja nicht arbeiten und ein sozialer Härtefall liegt auch nicht vor“  „Wir zahlen ihnen keine Tagesmutter“ .  Ich wollte die TAMU ja auch nicht bezahlt haben, sondern nur eine Adresse von guten TAMÜS die ich selbst bezahlen würde.  Aber auch hier waren alle Plätze voll.

In meiner Verzweiflung habe ich dann meine Hebamme angerufen und sie gefragt, ob sie nicht eine Mutter kennt, die gerne ein paar Euros verdienen möchte und als Tagesmutter für uns arbeitet.  Und sie hatte eine Idee:

Ihr Mann war seit langem Hausmann um ihr ihre Berufstätigkeit zu ermöglichen. Und da ihre Kinder schon aus dem gröbsten raus waren suchte er eine neue Aufgabe.  Er wollte gerne von zu Hause aus als Tagesvater arbeiten.  Ich war ja erstmal skeptisch, aber aus Mangel an Alternativen haben wir uns mit ihm getroffen und ich muss sagen wer war super.  Ich konnte unsere Tochter Morgens vor der Arbeit dort zur Not im Pyjama abgeben und er hat alle unserer Wünsche (Tragen,  Mumi füttern ….) akzeptiert und umgesetzt.  Und am wichtigsten unsere Kleine hat sich dort von Anfang an sehr wohl gefühlt.   Er hat sich super um sie gekümmert und später sogar noch ein zweites Kind  in Tagespflege genommen.

Nach ein paar Monaten war ich dann wieder schwanger und habe dadurch meine Arbeit wieder verloren.  Denn eine tolle Nebebenwirkung von Zeitverträgen ist es eben, dass normale Mutterschutz Gesetzt für sie nicht gelten.  Man kann zwar nicht gekündigt werden, aber es gibt eben auch keinen Anspruch auf Verlängerung.
Da unser Tagesvater  immer mehr Anfragen von Familien bekam und wir ihm erstmal nicht sicher sagen konnten, ob wir ihn nach den Ferien noch brauchen war unser Betreuungsplatz erstmal weg.  😦

In dieser Zeit haben wir dann unser Haus gekauft und sind umgezogen.  Und so war ich dann schwanger mit einem 1 jährigen Kleinkind wieder unfreiwillig als Hausfrau zu Hause.  Und wieder in der gleichen Situation wie vorher.  Keine Arbeit für eine Mutter mit Kleinkind  + Schwanger und keine Betreuung für eine „Nur Hausfrau“.

In dieser Zeit haben wir dann unsere große Tochter in eine private Loslösegruppe gebracht, damit sie zum einen nicht „verlernt“ auch fremdbetreut zu werden und mir selbst zumindest 2x in der Woche einen ruhigen Vormittag für Einkäufe, Arztbesuche …. zu verschaffen.  Aber diese Lösung war sehr teuer und kompliziert und keine Lösung für eine Berufstätigkeit gewesen.

In dieser Zeit kam zum ersten Mal die Idee auf ein AP einzuladen.  Im neuen Haus hatten wir ein Zimmer übrig und ein zweites Bad fürs AP gab es auch.  Daher wurde diese Betreuungslösung auf einmal interessant.  Obwohl ich nach meinem AP-Jahr in den USA immer gesagt hatte ich würde NIEMALS ein AP einladen.

Aber damals habe ich noch nicht gewußt wie schwierig es ist den Alltag mit zwei Kleinkindern U3 und Arbeit unter einen Hut zu bringen.  Aber die Idee war geboren und mein Mann und ich haben angefangen zu überlegen ob wir als Gastfamilie geeignet sind und welche Wünsche und Probleme mit einem AP  verbunden sind.

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3 Antworten to “Vereinbarkeit von Familie und Beruf wie alles begann”

  1. NRWfamilie Says:

    Tja, es ist leider immer wieder dieselbe Leier. Ich war auch mit einem 15 Monate altem und einem 3 Monate altem Baby zu Hause. Ich hatte manchmal nicht mal die Möglichkeit zu duschen, bevor mein Mann abends zu Hause war, weil sie oft beide immer nur abwechselnd geschlafen haben…. Ich hatte damals auch die Idee, wenigstens an einem TAg in der Woche eine Tagesmutter in Anspruch zu nehmen, schon alleine deswegen, weil ich seit Monaten nicht mehr die Gelegenheit hatte in Ruhe Arztbesuche, Frisörbesuche oder auch nur den profanen Monatseinkauf oder den Hausputz oder Gartenarbeit ohne Kinder (bzw. vor dem dritten Kind mit nur dickem Bauch und mal ohne Baby dazu) zu erledigen, von Sport oder mal ner Tasse Kaffee mit ner Freundin will ich ja gar nicht reden!!. Da hatte mir auf meine Anfrage hin das nette Exemplar von Jugendamtsmitarbeiter (übrigens ein Ex-Kollege von mir im weitesten Sinne) mitgeteilt, nee also Tagesmütter gäb es ja nur für Berufstätige und nicht nur weil man mal shoppen gehen will. Na, herzlichen Dank auch. Blö..mann.
    Ich habe dann aber auch ohne Oma- und Tagesmutterbetreuung irgendwie ohne groß zu Verloddern 😉 die Elternzeit rum gekriegt und hatte dann das Glück, dass ich für beide einen Kita-Platz ergattern konnte. Der Große war damals 2,5 Jahre, der Kleine 1,5 Jahre. Danach hatte es noch 1/2 Jahr gedauert, ehe ich wieder eine Stelle bei der Kommune bekommen konnte, weil ich nicht ordnungsgemäß bis zum Ende meiner beantragten Elternzeit gewartet hab, wie’s sich offenbar für eine ordentliche Beamtin gehört…… Nee, aber in solchen Situationen find ich es immer wieder toll, wie schön theoretisch das berufstätige Mutter sein doch propagiert wird.

    • aupairfamilienrw Says:

      Oh ja die Theorie ist so schön.

      Da sieht man dann glückliche Mütter in top aufgeräumten Wohnungen mit hellen Desinger Möbeln in schicken Desinger Kleidern und alle treffen sich Abendes mit dem hippen Papa. der natürlich super viel Geld verdient und dennoch immer Zeit für seine Kinder hat und völlig entspannt aus seiner total erfüllenden Arbeit kommt. Und die Kinder sind natürlich niemals zickig, krank oder gar dreckig. Nein sie sind genauso reizend wie die Eltern.

      Und nebenbei ist man als Mutter noch Vollzeit Berufstätigig, kocht täglich marktfrische Biokost fürs Kind, backt Kuchen für die natürlich ohne Probleme gefundene und völlig bezahlbare Eltern Initiative und streicht in der reichlichen Freizeit noch glücklich den Stall der noch glücklicheren Kita Esel.

      Komisch ist nur, ich kenne diese Leute nicht aus meinem Umfeld. Irgendwas scheinen wir falsch zu machen.

      Denn ich gehöre auch zu denen die froh waren wenn sie den normalen Wahnsinn mit 2 Kleinkindern, einem Ehemann mit 70 Stundenwoche und das bischen Haushalt irgendwie am implodieren gehindert haben 🙂

      Und zum Thema Kinderbetreuung und Jugendamt habe ich nach diversen Erfahrungen eine ganz eigene Meinung. Aber das gehört in einen anderen Beitrag.

  2. Sandra Says:

    Es muss endlich etwas getan werden, damit Familie und Beruf vereinbarer werden. Nur so kann man langfristig Deutschland zu einem kinderfreundlichen Land machen. Erst kürzlich habe ich hierzu einen interessanten Beitrag von dem Philosophen Richard David Precht gelesen, den ich nur empfehlen kann: http://bit.ly/nEFAgl

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