4 Wochen ohne AP

Wir sind jetzt seit gut 4 Wochen ohne AP und ich denke das ist ein guter Zeitpunkt eine erste Zwischenbilanz zu ziehen.  Die Frage die ich mir im Vorfeld immer wieder gestellt habe war „Ist es die richtige Entscheidung ab Sommer ohne AP unseren Alltag zu meistern?“ kann ich bisher mit einem klaren     JA  beantworten.

Ok bisher war es noch kein wirklicher Alltag, sondern Urlaub und Ferienzeit, aber besonders in dieser Zeit hat sich unser Leben ohne AP deutlich ruhiger, stressfreier und entspannter angefühlt als in den  Ferien zuvor.   Ich fühle mich seit dem Auszug unseres letzten APs einfach nur befreit.    Das klingt jetzt bestimmt seltsam, aber anders kann ich das Gefühl nicht beschreiben.

Morgens aufstehen und sich keine Gedanken machen, ob man im Pyjama frühstückt oder sich doch besser anzieht.  Nicht schon am Abend vorher entscheiden zu müssen ob und wann die Kinder aufstehen, sondern sich überraschen zu lassen.   Kein schlechtes Gewissen haben, wenn mal nicht genug Lebensmittel im Haus sind und eben alle nur Reste essen.  Spontan einen Ausflug machen ohne erst das AP fragen zu müssen ob sie mit möchte, dann auf ihre Antwort warten und  in 9 von 10 Fällen allein fahren.   Alternativ ohne Fragen fahren hinterher ein schlechtes Gewissen haben, weil das ja gerade der Kulturaustausch sein könnte der zum AP Gedanken gehört.

Mittags Essen kochen und es kommen wirklich alle Familienmitglieder an den Tisch und essen was es dort gibt.  Niemand der „noch kurz telefonieren, Chatten …“ muss,  oder mal eben allen anderen die Highlights weg futtert oder lustlos im Essen stochert und dann alles in Ketschup versenkt, was ich 3 Minuten vorher den Kids verboten habe.

Abends mal wieder nur Vollkornbrot auf den Tisch stellen ohne Toast fürs AP und die dazugehörige Diskussion mit AP warum sie von Vollkornbrot Bauchweh bekommt.  Wenn die Kids im Bett sind oder bei Freunden wirklich frei zu haben und nicht „mal eben“ noch einen Wochenendausflug zu organisieren, Fragen zum Studium/FSJ beantworten oder sich die 1000 Photos des letzten Schatzi Ausflugs anzuschauen.

Die Kinder mal wieder auch in ihren schönen Zeiten in Ruhe erleben.  Denn meist hat ja das AP die „guten Zeiten“ der Kids als Betreuungszeit gehabt.  Sie ist mit den Kids im Garten gewesen, hat den Spielplatz besucht oder einen Ausflug gemacht.  Für uns Eltern blieben dann Anziehen,  ins Bett bringen und erziehen.   Ich merke wie gut es den Kindern und uns Eltern tut, mal wieder viel Zeit gemeinsam zu verbringen und viele eingeschlichen Marotten aus der AP Zeit wieder abtrainieren.   Nein wir essen nicht 3x am Tag Cornflakes und Nutella Brote.  Nein wir schauen nicht 2-3x TV.  Doch Kinder können ihr Zimmer auch allein aufräumen auch wenn es bei uns Erwachsenen schneller geht.   Und die Kinder sind super stolz darauf jetzt für viele Dinge „allein“ verantwortlich zu sein.

Die große Hilfe kann sich selbst kämmen und einen Zopf machen.  Die kleine Hexe zieht sich komplett allein an und kämmt sich fast allein.   Beide Kinder sind stolz wenn sie ihr Zimmer allein aufgeräumt haben und helfen beim Aus- und Einräumen der Spülmaschine gut mit.   Tisch decken und Tiere versorgen können sie mit Hilfe auch schon gut übernehmen.   Hier war ein AP oft „gefährlich“, da es den Kindern die Notwendigkeit zur Verantwortung  nicht immer gezeigt hat.  Die meisten APs wollten uns gefallen und haben den Kids daher zuviel abgenommen.  Daher finde ich es gerade jetzt wichtig den Kindern klar zu zeigen, dass alle in der Familie gemeinsam anpacken müssen und können.

Auch wenn ich alle unsere APs sehr gemocht habe und sie mich auch nicht wirklich gestört haben, fühlt sich das Leben als Familie allein im Haus einfach toll an.  Es ist doch noch eine ganz andere Privatsphäre die man erst im Nachhinein wirklich zu schätzen weiß.

Und jetzt bitte nicht falsch verstehen.  Ich habe die 5 Jahre als Gastfamilie auch sehr genossen und unsere APs haben unseren Familienalltag wirklich bereichert und uns viel Hilfe und Entlastung gegeben.  Ich würde in der gleichen Situation auch sofort wieder auf APs zurück greifen, aber nach 5 Jahren war für uns jetzt einfach der Punkt gekommen wo es gereicht hat und wir eine neue Form der Hilfe ausprobieren werden.

Und ob sich das neue Konzept im Alltag bewährt wird sich dann in 4 Wochen zeigen, wenn wir den ersten Monat Schule, Kiga und Arbeit gut überstanden haben.

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