Wir suchen unser erstes AP

Wir hatten unseren Tagesvater über die Sommerferien verloren, nachdem mein Vertrag dank Schwangerschaft nicht verlängert wurde.  Ich war also arbeitslos und wir waren endlich ins eigene Haus gezogen.  Dort war ich ohne Putzfrau, mit einem Kleinkind und dickem Bauch also wieder  Hausfrau.   In den Ferien kam völlig überraschend das Angebot eine Stelle für 2 Jahre anzutreten.  Das war für uns wie ein 6er im Lotto.  Denn ich wollte gerne arbeiten und wir konnten das Geld auch mehr als gut gebrauchen.  Wir hatten zwar so finanziert, dass im Notfall auch ein Gehalt ausreicht, aber eigentlich war schon vorgesehen, dass wir mittelfristig wieder beide arbeiten.  Also wurde wieder eine Kinderbetreuung gesucht.  Nachdem schon bei der letzten Suche nach einer Tagesmutter/Kinderfrau klar wurde, dass eine bezahlbare und sympathische und kompetente  Bewerberin ungefähr so selten war wie ein Baby, dass mit 4 Wochen durchschläft, standen wir wieder vor der Frage wie wir die Kinderbetreuung nach der Geburt unserer zweiten Tochter organisieren konnten.

Zunächst haben wir erneut versucht über Arbeitsamt und lokale Zeitung eine Kinderfrau zu finden, aber leider haben sich nur super tolle Erzieherinnen gemeldet, die leider mindestens 1500€ verdienen wollten oder bezahlbare ältere Damen, die aber leider entweder ein Alkoholproblem hatten,  beim Probearbeiten einschliefen, oder mein persönliches Highlight begeistert erzählen, dass ihrer Meinung nach ein Klaps noch keinem Kind geschadet habe.   Nach 3 Wochen  Suche haben wir entnervt aufgegeben und uns nach Alternativen umgesehen.

Beim Jugendamt des neuen Wohnorts war man zwar deutlich freundlicher, aber Tagesmütter bei denen 2 Kleinkinder schon vor 7.00 Uhr abgegeben werden können, das hatte man leider nicht. Der Lösungsvorschlag, doch einfach 1 Stunde später anzufangen, fand überraschend weder bei meiner neuen Schule noch in der Klinik meines Mannes Beifall.

Als wir schon nicht mehr zu hoffen gewagt hatten überhaupt noch jemand zu finden, stellte sich bei uns eine nette junge Mutter vor, die bereit war bei uns als Kinderfrau im Haus zu arbeiten und auch früh anzufangen, aber sie müsse ihren Sohn mitbringen, der gerade mal 2 Monate jünger als unsere Tochter war.  Diese junge Mutter war unsere Rettung, aber eigentlich auch schon über unserem Budget.  Sie war selbst noch Studentin und daher recht flexibel, aber es war für beide Seiten klar, dass es leider kein Dauerjob würde.  Denn die junge Frau wollte natürlich in ihrem richtigen Beruf Fuss fassen und wir konnten uns auf Dauer 9€ die Stunde  für 20-30 Stunden die Woche auch nicht leisten.  Aber bis zum Mutterschutz konnten wir mit ihrer Hilfe erstmal überbrücken.

In dieser Zeit kamen erst noch sehr zart, aber immer häufiger die Überlegungen, ob nicht auch ein AP eine Lösung wäre.  Ich war ja selbst AP gewesen und war fest überzeugt, dass ich ganz bestimmt nie ein AP haben würde, weil ich es furchtbar fand meinen Kindern jedes Jahr eine neue Kinderbetreuung zuzumuten.   Aber nach unseren bisherigen Erfahrungen erschien eine verlässliche Lösung für 12 Monate schon ziemlich himmlisch.   Und die notwendigen Bedingungen hatten wir jetzt.  Es gab ein freies Zimmer, wir hatten die Sicherheit für 12 Monate das  Taschengeld und Versicherung zu zahlen.    Blieb die Frage:  Wollten wir wirklich unser Haus mit einer völlig Fremden teilen und ihr unser Kind anvertrauen?

In langen Gesprächen und Diskussionen mit meinem Mann sind wir zu dem Schluss gekommen wir wagen das Abenteuer und versuchen ein AP zu finden.  Ich fing in dieser Zeit an zu überlegen was ich als Gastmutter alles besser und anders machen würde als meine eigene Gastmutter und wie schön es wäre ein tolles AP zu haben, dass uns hilft und dem wir Deutschland zeigen können.  Ich erstellte Listen mit allen Wünschen und Anforderungen die ich an ein AP hätte. Man könnte auch sagen, ich bin ein zweites Mal auf die netten Hochglanzbroschüren der AP Agenturen reingefallen.

Der Anruf bei der ersten Agentur brachte mich dann auf den Boden der Tatsachen zurück. Dort wurde mir sehr deutlich gesagt, dass wir mit 2 Kindern U3, davon ein Baby, Wohnort auf dem Land so gut wie nicht vermittelbar wären.  EU APs bräuchten wir gar nicht erst zu versuchen.   Aber uns wurden dafür immer wieder Afrikanische APs als die besten überhaupt angepriesen.  Diese Mädchen wären sehr kinderlieb, absolut zuverlässig und sehr dankbar eine nette Familie zu finden.  Und die meisten dieser APs hätten sehr viel Erfahrung im Umgang mit Babys, daher bräuchten wir uns dort keine Sorgen zu machen.

Wir überlegten kurz und kamen zu dem Schluss, dass für uns nichts gegen ein afrikanisches AP sprach.  Im Gegenteil es erschien uns super spannend und aufregend eine junge Frau aus einem so fernen Land kennen zu lernen.  Die einzige Sorge die ich hatte war, dass das AP evt. Probleme mit rassistischen Äußerungen bekommen würde, aber zum Glück waren auch unsere Nachbarn und Freunde eher neugierig und begeistert.

Die Agentur die uns dann unser AP vermittelte, hatte auch ein ganz besonders tolles Angebot.  Sie hatte quasi das perfekte AP, dass von einer ganz bösen Familie einfach erst eingeladen wurde, und dann kurz vor der Visa Beantragung wieder ausgeladen wurde.  Dieses Mädchen wäre für uns perfekt.  Sie spräche super Deutsch, hätte 6 Geschwister und könnte quasi sofort kommen.  Da wir unter Zeitdruck standen und uns die Bewerbung des Mädchens sympathisch war luden wir sie nach einem sehr kurzen und häufig unterbrochenen Telefonat ein.

Heute ist mir klar, dass wir damals so gut wie jeden Anfänger Fehler gemacht haben, den es nur gibt, aber damals war ich euphorisch, begeistert und konnte die Ankunft unseres APs kaum erwarten.

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