Man muss auch mal ein bischen Einsatz zeigen

Dieser Satz scheint der neue Lieblingssatz unserer neuen Schulleitung zu sein.  Er wird auf der Konferenz und zu jeder passenden und unpassenden Möglichkeit gerne geäußert.   Was will mir dieser Satz eigentlich sagen?

Das ich oder meine Kollegen  bisher keinen Einsatz gezeigt haben?   

Ja offensichtlich schon, denn wenn ich das richtig verstehe, kann es nicht sein, dass ich wirklich glaube es reicht aus als Lehrerin

– Meine Unterrichtsstunden  vorzubereiten

– Meinen Unterricht zu halten und dabei meinen Schülern einen möglichst methodisch, fachlich und menschlich guten Unterricht zu bieten

– Klassenarbeiten zu erstellen und korrigieren

– Abschlussarbeiten  und Abiturprüfungen zu erstellen und abzunehmen

– Immer ein offenes Ohr für meine Schüler und ihre Sorgen zu haben

– Nebenbei noch den Fachschaftsvorsitz für mein Fach zu übernehmen

–  Diverse  Sonderevents  mit vorzubereiten und an der Durchführung mitzuwirken, gerne auch an meinem freien Tag

– Konferenzen für verschiedenste Bildungsgänge besuchen und begeistert an den entsprechenden didaktischen Rahmenplänen mitarbeiten und dann im nächsten Schuljahr noch begeisterter feststellen,     dass man ab jetzt nicht mehr dort eingesetzt ist und sich wieder in einen neuen Bildungsgang einarbeiten.

– Referendare, Praktikanten, neue Kollegen  und Seiteneinsteiger betreuen und ihnen mit Tipps, Rat und Material zur Seite stehen

– 1-3 Stunden in der Woche freiwillig und ohne Bezahlung  in AGs,  Trainingsräumen und anderen Schulprojekten mitarbeiten weil ich diese wirklich wichtig finde und es mehr als traurig finde, dass der Staat (oder vielleicht doch die Schulleitung) nicht bereit ist dafür Ressourcen zu stellen.  Für die Betreuung der PC-Räume ist übrigens immer Geld und Entlastung da!  Aber PCs sind ja auch wichtig für die Außenwerbung der Schule im Gegenteil zu  Schülern und ihre Beratung.  Ironie off

Aber diese Dinge sind wie gesagt ja alle „normal“ und keine Leistung.  Nein wir müssen auch mal bereit sein mehr zu leisten.

Und hier eine kleine Liste der tollen neuen Angebote die mir  in den letzten Tagen/Wochen gemacht wurden:

–  Ich kann für einen langfristig erkrankten Kollegen 2-6 Stunden zusätzlich übernehmen, aber ob das auch richtig bezahlt wird kann mir noch keiner sagen.  Besonders gelungen die Begründung warum andere Kollegen das nicht können:  Frau XY ist ja Teilzeit!     Auf meinen Einwand :  Ich auch!     Schulleitung:  Oh dann war das jetzt blöd agumentiert!

– Ich bin herzlich eingeladen an diversen neuen und alten Arbeitsgruppen mitzuarbeiten.  Angefangen von Drogenprävention, über Berufsberatung, Schulprogram,  Gewaltprävention ……

– Ich könnte auch noch mit 2-3 weiteren Klassen für den tollen Aktionstag  Römmelpröm  eine Kleinigkeit in meinem Unterricht vorbereiten.

–  Ach ja Bildungsgang  „Keine Lobby“ hat keinen Politik Unterricht das könnte ich doch auch noch 1-2 Stündchen im Stundenplan einschieben oder Nicht?!

– Da war auch noch die tolle Fortbildung am Nachmittag, da müssten Sie als Fachkollegin doch eigentlich Interesse haben?  Habe ich auch, nur leider keine Zeit, weil unsere Nachmittagskinderbetreuung schon durch die letzen 3 Konferenzen zu unmöglichen Zeiten ausgeschöpft ist.

 

Und das sind alles Themen die ich selbst auch wichtig finde, wo ich sogar gerne mitarbeiten würde und bereit bin Zeit zu investieren.  ABER  wenn ich noch einmal den Satz höre:
SIE MÜSSEN AUCH MAL BEREIT SEIN EIN BISCHEN MEHR ZU MACHEN!   Dann bekomme ich einen Schreikrampf und fange an den Damen und Herren mal folgende Rechnung aufzumachen:

Ich habe meine Arbeitszeit nicht aus totaler Faulheit von 100% aauf 75% reduziert, sondern weil ich neben meinem Beruf den ich liebe und mit Herzblut betreibe, auch noch meine Kinder gerne mal ihre Mutter  sehen möchten.  Und für den Fall das es noch nicht bekannt ist, ich bekomme auch nur 75% meines Gehalts für meine Arbeit und im Alter nur 75%  Pension.    Und neben diesen 75% Arbeitzeit mache ich dann grob geschätzt nochmal 20-40% „freiwillige Zusatzarbeit“ die mir niemand bezahlt und für dich ich keine Entlohnung oder auch nur ein Dankeschön bekomme.

Aber machen sie sich keine Sorgen, meine Kinderfrau zeigt mir, dass es wirklich Arbeitszeit ist.  Die möchte nämlich für jede dieser Stunden bezahlt werden.  Und das ist auch ihr gutes Recht.  Oder soll ich ihr vielleicht auch mal vorschlagen, dass sie doch „Einfach mal ein bischen mehr Einsatz“ zeigen soll und statt der vereinbarten 12 doch einfach mal 15 Studen die Woche arbeitet.  Das kann man doch schon erwarten !

Und  wenn ich Langeweile hätte, dann würde ich gerne auf volle Stelle aufstocken und dann auch voll bezahlt werden.  Denn ich habe freie Tage und weniger Stunden weil ich weniger Geld habe.  Und wenn jetzt mein Liebsten Kollegen sagen:  Ihr Muttis schiebt immer nur eure Kinder vor!  Dan möchte ich euch gerne mal fragen, ob eure Kinder euch denn in der Freizeit nicht sehen wollen?  Denn Familie haben wir doch alle und ich finde es bei allem Engagement für die Arbeit nicht normal, wenn wir anfangen ständig Aufgaben für lau zu Übernehmen die eigentlich bezahlt werden müssten.  Es gibt doch genug arbeitslose Sozialarbeiter die viel besser und qualifizierter diese Arbeit machen würden.   Es gibt arbeitslose Lehrer die sich freuen würden unsere „Überstunden“ zu machen und vor allem gibt es keinen Grund, warum wir  alles umsonst machen sollen.  Ich möchte mich auch nicht ständig rechtfertigen, dass ich NUR meinen Job mache.   Denn genau für diesen BERUF bin ich doch Lehrerin geworden.

Und liebe Schulleitung,  durch ständiges schlecht reden der eigenen Leistung und alternativ diversen  subtilen „Drohungen“  erreicht man keine motivierten Lehrer.  Und die vielen Kollegen mit Burn Out der letzten Jahre und Wochen haben bestimmt auch überhaupt nichts mit Stress und Überforderung, sondern mit Langeweile und einfach NUR  Dienst nach Vorschrift zu tun.

So jetzt geht s mir besser.  Danke fürs Lesen

 

 

 

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2 Antworten to “Man muss auch mal ein bischen Einsatz zeigen”

  1. delfi Says:

    Kein Wunder, dass so viele Lehrer ihre Motivation verlieren.

    Ich habe früher an einer Privatschule gearbeitet, wo man für weniger Geld mindestens ebenso viel arbeiten musste. Trotzdem waren die Kollegen alle hochmotiviert. Weil man sich dort auf die eigentliche Arbeit, nämlich das Unterrichten, konzentrieren konnte. Und weil man auch zwischendurch mal gelobt wurde für das, was man leistete.

    Ich werde nächste Woche als Teilzeitkraft auch 40 Stunden in der Schule verbringen, weil Projektwoche ist. Und die 107 Klassenarbeiten/Klausuren, die sich allein in der letzten Woche bei mir angesammelt haben, werden dann in den Herbstferien korrigiert… Du siehst, du bist nicht die einzige ffrustrierte Lehrerin 🙂 .

    • aupairfamilienrw Says:

      Hallo Delfi

      Die Motivation habe ich zum Glück noch nicht verloren, aber ich lerne eben auch dazu. Und im Moment:

      Laut und deutlich NEIN zu sagen. Denn weder Schulleitung noch Kollegen werden auf meine Gesundheit und Gefühle Rücksicht nehmen, das muss ich schon ganz allein machen.

      Und meine Bestätigung bekomme ich zum Glück von den Schülern. Wenn die mit Erfolg ihren Abschluss bestehen, einem manchmal sogar für Hilfe danken oder sich im Laufe eines Schuljahres richtig toll entwickeln. Dann ist das viel mehr Wert als ein Lob der Schulleitung. Denn genau in diesen Momenten liebe ich meinen Beruf.

      Bei den anstehenden Klausuren gehen die Gefühle dann eher in die andere Richtung 😉

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