Unser erstes AP – Ein Ende mit Schrecken

Heute ist es auf den Tag genau 5 Jahre her, dass unser erstes AP uns verlassen hat.  Und damit unser  Abenteuer AP  ziemlich abrupt und mit einem riesen Knall beendet hat.  Aber der Reihe nach …

Wir hatten  in den ersten 4 Wochen ja schon einige unserer Phantasien und Träume über das Zusammenleben mit APs  an der Realität begraben müssen.  Unser AP hatte so gut wie kein Interesse daran die Sprache zu lernen, auch wenn sie sich zum Sprachkurs anmeldete weil wir es wollten und zahlten.  Aber  unsere Hauptsprache war auch nach fast 5 Wochen immer noch Englisch.

Ich hatte nach einigen Situationen auch immer häufiger das Gefühl, dass sie uns in vielen Punkten nicht die Wahrheit sagte.  So stimmten ihre Angaben im Bewerbungsprofil überhaupt nicht mit dem überein, was sie manchmal über ihre Familie erzähle.  Weder die Anzahl der Geschwister,  die Lebenssituation der Eltern  oder ihre beruflichen Qualifikationen.   Im Prinzip ja egal, aber so langsam fragten wir uns eben wo sie noch gelogen hatte oder lügen würde.    😦

Jeden Tag telefonierte sie lange und laut mit ihrer Familie und auch wenn wir kein Wort verstanden, klang es nach Problemen und Streit.  Auf Nachfrage wurden jede Woche mehr Verwandte krank und sie musste immer dringender Geld nach Hause schicken.  Leider hatte sie ja kein Geld, weil sie unseren Vorschuss schon direkt geschickt hatte.   Also fing sie am Anfang subtil und dann immer deutlicher an uns ein schlechtes Gewissen zu machen und zu versuchen unser Mitleid zu erwecken.

Zur gleichen Zeit bot sie immer wieder an auch Sonderaufgaben wie Auto putzen,  Haus putzen … zu übernehmen.  Wir wollten das aber nicht, weil wir erstens eine Putzfrau hatten und uns an die Regeln für APs halten wollten. Ich wollte ja eine gute Gastmutter sein.  Komischer Weise wurde unser AP aber immer ruhiger und zog sich zurück.  Sie hat fast gar nicht mehr mit uns gesprochen.

Nach ein paar Tagen  beim Aufräumen wollte ich ein paar Münzen in unsere Kleingeldflasche auf dem Kamin werfen und dabei wunderte ich mich wie leicht und leer diese auf einmal war. Als schwangerer Wal fällt einem sowas auf. Denn vor ein paar Wochen konnte ich die Flasche kaum noch heben. Aber zunächst dachte ich mir nichts dabei.  Vielleicht hatte ja mein Mann Geld genommen.  Als ich ihn darauf ansprach schaute auch er hin und wir überlegten erstmal ziemlich lange ob wir jetzt paranoid würden oder wirklich Geld fehlte.  Denn er hatte mich im Verdacht gehabt.  Aber je länger wir überlegten um so klarer wurde, es fehlte nicht nur ein bischen, sondern ziemlich viel Geld.

Wir waren in dieser Situation erstmal völlig vor den Kopf geschlagen, vor allem weil wir nicht sicher wußten wer der Dieb war.  Es konnte sowohl das AP als auch unsere Putzhilfe sein.  Eine mehr als schlimme Situation.   Auf einmal fühlt man sich im eigenen Haus nicht mehr wohl und hat das Bedürfnis alles wegzuschliesen.  😦

Wir haben dann überlegt und beschlossen einen Test durchzuführen.  Denn eigentlich hatten wir fast eher unsere Putzfrau im Verdacht.  Sie war zwar sehr lieb, aber ich wußte das sie große finanzielle Probleme hatte.  Also haben wir ein paar Euromüzen markiert und in die Flasche geworfen.

Dann sind wir zu einem letzten Saunaausflug vor der Geburt unserer Tochter aufgebrochen und haben den ganzen Nachmittag überlegt wie wir mit der Situation umgehen sollen.  Als wir nach Hause kamen dann die Enttäuschung.  Keine 4 Stunden später alle Münzen weg.  Es war also eindeutig das AP, da an dem Nachmittag kein anderer im Haus war.

Wir haben sie dann zur Rede gestellt und gefragt warum sie sowas macht.  Sie hat erstmal alles abgestritten und uns angebrüllt wir wären unfair.  Wir könnten ruhig ihr Zimmer durchsuchen sie wäre keine Diebin.   Ich war auch völlig fertig mit den Nerven.  Hochschwanger im 10 Monat und  zum ersten Mal Gastmutter und dann sowas.

Als unser AP dann anfing in ihrem Zimmer alle Schubladen auf den Boden zu werfen um zu beweisen sie würde nicht klauen hatte ich schon fast wieder ein schlechtes Gewissen. Vielleicht war ja doch alles irgendwie anders.  Aber dann schaute mein Mann in unsere Abseite hinter ihrem Zimmer und da lagen dann 90€ in Münzen fein in kleine Tüten verpackt.  Damit war es nicht mehr zu leugnen.

Sie wechselte dann die Taktik und erklärte sie hätte nicht gestohlen, sondern sich das nur genommen. Es hätte ja offen im Flur gestanden und sie wollte es ja zurück geben.  An dem Abend war ich erstmal nur fertig und wir haben dann gesagt wir müssen jetzt in Ruhe überlegen wie es weitergeht und wir würden später sprechen.

Am nächsten Tag habe ich dann mit der Agentur gesprochen und ihr unser Problem geschildert. Sie war geschockt und ab diesem Zeitpunkt für uns nicht mehr wirklich erreichbar.  Sie teilte mir mit sie bedaure was passiert sei und könne so ein AP nicht weiter vermitteln.  Das war für mich auch völlig ok.  Nicht ok fand ich die Aussage, dann müssen sie jetzt eben zusehen wie das Mädchen nach Hause kommt.

Wir haben dann sogar entschieden ihr doch noch eine Chance zu geben.  Auch aus der Angst heraus das in einer Woche unser zweites Kind zur Welt kommen sollte und ich 8 Wochen nach der Geburt wieder fast anfangen musste zu arbeiten.  Wir hatten uns ja voll auf unser AP verlassen.    Unser AP nahm ihre zweite Chance zur Kenntnis und ab diesem Zeitpunkt hat sie nicht mehr mit uns gesprochen. Sie hat zwar ihre Aufgaben erfüllt, aber sie hat sich ansonsten wortlos in ihr Zimmer verzogen, keine Mahlzeit mehr mit uns eingenommen und sie hat geschmollt.    Für mich war die Situation unerträglich. Wir haben noch versucht über eine sehr liebe Frau aus einer  afrikanische Gemeinde  mit ihr zu sprechen und heraus zu finden warum sie sich so verhält.  Aber auch dort sagte man uns ziemlich deutlich, was wir eigentlich auch schon wußten.  So konnten und vor allem wollten wir nicht weitere 11 Monate leben.

Also mussten wir das nächste heftige Gespräch mit unserem AP führen und ihr sagen, dass sie unsere Familie verlassen musste.  Sie war am Boden zerstört und hat ab da nur noch telefoniert und uns mitgeteilt, dass sie auf keinen Fall nach Hause KANN.

Am nächsten Tag, es war ein Wochenende kam unser AP wie immer nicht zum Frühstück.  Auch zum Mittagessen und Abendessen haben wir nichts von ihr gehört.  Da wurde ich schon sehr unruhig und überlegte ob ich sie heute überhaupt schon aus ihrem Zimmer gehört hatte.   Also sind wir hoch und haben geklopft. Sie hatte sich eingeschlossen. Wie eigentlich immer seit sie bei uns lebte.   Auf klopfen und rufen reagierte sie nicht.  Jetzt haben wir uns richtig Sorgen gemacht und sind auf den Balkon um ins Zimmer zu schauen.  Aber sie hatte die Gardine zu und der TV lief.

Nachdem sie nach 3 weiteren Versuchen immer noch nicht reagierte haben wir dann in unserem eigenen Haus einen Einbruch gestartet. Mein Mann ist durch die Abseitenwand vom Zimmer unserer Tochter ins AP Zimmer gekrochen und dort die Überraschung:  UNSER AP WAR WEG

Sie hatte alle ihre Sachen + unseren Haustürschlüssel + unser Handy mitgenommen und war weg.   Und wir standen einen Tag vor dem geplanten ET Termin meiner Tochter ohne AP aber mit einem Haufen Problemen da.  Ich war sowas von fertig.   Mein ganzes schönes geplantes  Sicherheitsnetz für die Entbindung und den Start in die neue Stelle sind mit einem Mal in sich zusammen gefallen.  Und was fast noch schlimmer war, ich fühlt mich so betrogen und war fassungslos, dass ich mich in einem Menschen so getäuscht hatte.   Und bei aller Wut hatte ich auch Angst um unser AP. Denn sie war ohne Geld, Pass und Sprachkenntnisse illegal in einem ihr völlig fremden Land unterwegs.  Was sollte ich nur ihrer Mutter am Telefon sagen wenn die anrief.   Ihr Kind ist weg und ich weis nicht wohin?!

So standen wir also ziemlich genau vor 5 Jahren fassungslos und mit einer Menge Fragen vor den Trümmern unseres ersten AP Abenteuers.

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2 Antworten to “Unser erstes AP – Ein Ende mit Schrecken”

  1. Grit Says:

    Oh Gott…innerlich schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen…aber es tut trotz allem gut, zu hören, dass die verrücktesten Situationen auch bei anderen Gastfamilien vorkommen. Das klingt wie unser zweites Aupair…die als Mormonin gleich von Anfang an ein Problem bei (mit) uns hatte, obwohl laut Profil sie sich überall gut an andere Religionen (wir haben keine wirklich praktizierte) anpassen kann. Nach 3 Monaten hatten wir die Behörden und Aupair Agentur im Haus und mussten uns rechtfertigen…einen Riesen Aufruhr bei dem wir jede Arbeitsstunde und jede Zahlung nachweisen mussten, nur um feststellen zu lassen, dass wir uns nichts hatten zu Schulden kommen lassen. Und das 3 Tage nach Weihnachten, als sie wirklich schöne und wertvolle Geschenke und Gutscheine von uns bekommen hatte. Das hat sie dann alles eingesteckt und ist sang und klanglos verschwunden…hat noch in einer mail vorgelogen, sie wäre nun in Deutschland, dabei konnte ich anhand ihres Blogs verfolgen, dass sie einfach nur die Familie in der Schweiz gewechselt hatte. Dabei hatte sie ja gar keine Arbeitserlaubnis mehr (die ist ja an die Familie gebunden) und ich wollte auch gar nicht einsehen, dass wir ihr die ganzen offiziellen Papiere gezahlt hatten (immerhin in der Schweiz über EUR 400) sowie einen Deutschkurs (auch EUR 400). Naja, auf jeden Fall haben wir uns auch gefragt, ob wir etwas falsch gemacht oder falsch verstanden hätten…aber nein…mittlerweile hatten wir 2 andere Mädchen, mit denen alles bestens lief. Ich denke, wie in der Partnerschaft, muss auch aupair und Familie zusammen passen. Es geht einfach nicht mit allen. (P.S. mit unserem ersten -und diesem oben erwähnten zweiten- Aupair hatten wir ähnlichen Ärger, und das nur 2 Wochen nachdem ihre Eltern bei uns Urlaub machen konnten und wir ihnen kostenlos noch unser Ferienhaus zur Verfügung gestellt hatten.)

    Viel Erholung bei der aupair-freien Zeit wünscht
    Grit

    • aupairfamilienrw Says:

      @Grit

      Ja es tut gut zu merken, dass man nicht allein ist. Den neben Stress, Ärger und Kosten, sind die Selbstzweifel und die Frage wo unsere Fehler bei der Geschichte lagen, wirklich am belastensten. 😦

      Aber zum Glück haben wir nach diesem heftigen Start noch 5x wirklich gute APs gehabt. Es lohnt also auch nach einer unschönen Erfahrung einen zweiten Versuch zu starten.

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