APs und die Liebe

Wenn man als Gastfamilie zum ersten darüber nachdenkt ein AP einzuladen dann kommen einem ziemlich viele Gedanken und Sorgen, aber das Liebesleben eines zukünftigen APs ist wahrscheinlich erstmal nicht dabei.  Denn das Liebesleben des AP ist ja weit weg in der Heimat  und damit wohl kein Thema, oder nicht planbar weil in Deutschland noch nicht existent.

Wenn man dann aber ein bischen AP erfahren wird, merkt man, dass es eine viel größere Rolle spielen kann als man  für möglich gehalten hat und einem lieb ist.    Denn APs können durch ihr Liebesleben mehrere typische Probleme mitbringen oder auslösen.

Modell 1:   Keine Sorge ich bin nicht auf Männerfang ich habe einen festen Freund“

Hier ist erstmal nichts gegen zu sagen, ich bin ja vor 15 Jahren auch trotz Beziehung nach Amerika gegangen.  Aber man sollte als Gastfamilie schon genau nachfragen warum jemand der eine feste langfristige Beziehung hat unbedingt ins Ausland möchte.  Denn nichts ist frustrierender als ein tolles AP zu finden, alle Unterlagen fertig zu machen,  Verträge zu schicken und das Visum zu beantragen und dann 2 Tage vor Anreise eine Absage zu bekommen, weil der Freund doch etwas dagegen hat, man die Trennung doch nicht aushält oder die Liebe einfach zu groß ist.

Und wenn der Freund alles toll findet, einen super unterstützt, am liebsten auch ins Ausland möchte dann bin ich auch hellhörig.  Denn hier könnte die Gefahr einer Armutsflucht recht groß sein.  Wenn der Freund dann auch ein Visum für ein anderes Land bekommt kann das AP auch ganz schnell weg sein.

Ein Vorteil eines „echten festen“ Freundes kann aber auch sein, dass so ein AP hier nicht seine ganze Energie und Zeit in Männerfang im Internet investiert.  Daher es hat nicht nur Nachteile ein AP in festen Händen zu haben.   Aber bei solchen Bewerberinnen habe ich immer sehr genau nachgefragt ob der Freund nicht doch eifersüchtig wird, ob Besuche geplant sind, sie wirklich nicht schwanger ist ….?  Und beim kleinsten seltsamen Gefühl eher NEIN gesagt.

Wenn so ein AP erstmal da ist kann als nächstes Problem das Heimweh extrem zuschlagen.   Wenn man Pech hat sitzt das AP jede freie Minute vorm PC und skyped mit dem Liebsten und hat so kein echtes Interesse seine neue Familie und neue Freunde kennen zu lernen.  Oder das AP nutzt sein  Jahr und Freund ruft jeden Tag an und es artet schon fast in Telefonterror aus, den traurigen Liebsten zu trösten weil seine Freundin mal wieder nicht da ist 🙂

 

Model 2: l „Alte Jungfer“  

Diese Mädchen sind zwar erst Mitte 20, aber aus ihrer und Sicht ihrer Eltern sind sie vieeeel zu alt um noch einen Mann in der Heimat zu finden.  Also werden sie von ihren Familien nach Europa geschickt um hier ihr Glück zu probieren und einen Europäer an Land zu ziehen.  Es sind häufig die nicht ganz so hübschen APs kurz vor der AP Altersgrenze, die im E-Mail Kontakt erstmal alles super finden.  Sie haben mit nichts ein Problem (Überstunden,  keine freie Wochenenden,  viele Kinder,  wohnen am ADW) alles kein Problem.  Hier bin ich immer sehr sehr vorsichtig gewesen.  Unsere Nachbarn hatten mal so ein AP und sie war total unglücklich.  Sie hatte zunächst eine Familie mit sehr vielen Kindern (auch behindert) akzeptiert um dann sofort nach Anreise eine neue Familie zu suchen.  Sie hat sogar offen zugegeben, dass sie jede Familie akzeptiert hätte um an das Visum zu kommen.  Kaum hier hat sie dann jede freie Minute genutzt um einen Mann  zu finden.  Ihre Familie hatte sie mit der Auflage weggeschickt nicht mehr zurück zu kommen. 😦

Auch zwei unserer APs haben mehrfach erzählt, dass sie zu Hause von Freunden und Familie unter Druck gesetzt wurden, weil sie mit Anfang 20 noch keine feste Beziehung hatten.  Aber zum Glück haben diese beiden nicht sooo verzweifelt gesucht.  Aber auf der Suche waren alle APs.  Und zwar ohne Ausnahme.  Daher sollte man sich bei als Familie schon im Vorfeld überlegen wie man dann mit Modell 3 umgehen will.  Und viele dieser Mädchen haben schon lange vor Ankunft Kontakt über Partnerbörsen im Netz Kontakt zu deutschen Männern.  Unser letztes AP hatte innerhalb der ersten Woche 3-4 Dates aus ganz Deutschland.   Sie war also gut vorbereitet.  Wir eher überrascht geschockt.

Modell 3:  Juhu, Ich habe einen  deutschen Mann gefunden  

Wenn die Suche nach einer Aufenthaltsgenehmigung einem Mann erfolgreich war, stehen neue Themen auf dem Plan.  Darf der neue AP Freund mit ins Haus der Gastfamilie, darf er dort übernachten, essen, mit den Kindern spielen ….  ?  Wir hatten 2 AP mit Freund und aus unserer Erfahrung kann ich nur den Tip geben erstmal spießig zu sein.   Denn wir hatten 2x das Problem, dass die Kids den Freund so nett fanden, dass es Probleme gab als das AP die Beziehung beendet hat.  Und wir hatten zumindest bei einem der Lover auch kein gutes Gefühl, da er mir persönlich einen Tick zu kinderlieb war.

Ich würde erstmal schauen wie ernst die Beziehung wirklich ist und dann nach ein paar Wochen den Herren unter die Lupe nehmen.   Dann kann man immer noch entscheiden wieviel Vertrauen man zu ihm hat.  Es kann einem sonst nämlich schnell passieren, dass auf einmal Morgens ein fremder junger Mann in der eigenen Küche steht wenn man gerade in Bademantel Kaffee kochen möchte.  Hatten wir hier schon.  Oder der Freund des APs blockiert mit AP stundenlang Küche und Wohnzimmer weil die beiden sich ein gemütliches Wochenende machen.   Denn spätestens wenn man an ein AP wie unser letztes gerät, die 2-3 Herren gleichzeitig laufen hat  und die Nachbarn schon reden, weil jeden Abend ein neues Auto vor der Tür steht wird es unschön.

Gegen eine normale Beziehung hat natürlich keiner was, aber leider hatten unsere AP immer eher seltsame Beziehungen (deutlich älterer Mann,  offensichtlich nur an XXX interessiert, zweigleisig fahren).  Daher mein Tip nicht sofort anbieten den Lover mitzubringen.  Dann alle Herren wurden natürlich als die große Liebe angekündigt, auch wenn sie schon eine Woche später ohne erkennbaren Liebeskummer wieder wegen fehlenden Einkommen entsorgt wurden 😦    Und alle APs haben ihre Lover bedenkenlos ins Haus gelassen und auch mal kurz allein, wenn sie die Kids zum Kiga bringen oder ähnliches.  Auch hier haben wir sehr schnell Grenzen ziehen müssen, da ich eben nicht irgendeinen fremden Mann allein in meinem Haus haben wollte.

Modell 4:   Upps jetzt habe ich mich wirklich verliebt. 
Hier hat man wohl am wenigsten Probleme.  Wenn ein AP sich im Laufe seines AP Jahres beim Ausgehen oder im Sprachkurs/Sport …. durch Zufall wirklich total verliebt und einen netten altersmäßig passenden jungen Mann findet kann es eine spannende Sache sein zu beobachten wie sich die Liebe entwickelt.  Dann spräche für mich auch nichts dagegen wenn der Freund mal bei uns übernachten würde, oder er für 1-2 Stunden dem AP Gesellschaft leistet wenn das AP noch arbeiten muss und beide später weggehen wollen.  Aber das ist für mich eben erst dann ok, wenn ich den Herren ein paar Mal gesehen habe und er sich vernünftig präsentiert und verhalten hat.  Denn ähnlich wie bei den eigenen Kindern möchte man ja wissen wer da ins Haus kommt.  Positiv ist mir immer aufgefallen, wenn die Jungs ein bischen von sich erzählt haben (Beruf, Schule, Interessen) und vor allem auch an uns Interesse hatten.  Denn wenn es jemand wirklich ernst meint finde ich es schon ok, wenn der auch wissen möchte ob wir seine Freundin gut behandeln. 😉    Suspekt sind mir die Herren gewesen, die unsere AP vor uns „schlecht gemacht haben“ oder sich auf Kosten unserer APs oder Dritter profilieren wollten.

Wenn es wirklich echte Liebe ist, dürfte aber die letzte Zeit schwierig werden.  Denn spätestens nach einem Jahr muss ein Visapflichtiges AP wieder zurück und dann ist natürlich Liebeskummer angesagt.  Aber gegen Liebe ist eben kein Kraut gewachsen und wenn es wirklich der Richtig ist wird sich auch ein Weg finden 🙂

 

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie bitte ihre Gastmutter oder den Arzt ihres Vertrauens

Und neben den gesamten Auswirkungen auf das Familienleben sollte man auch ein anderes Thema nicht ganz vergessen.  Ein AP mit Freund braucht Verhütungsmittel.   Und das kann je nach Verhältnis zwischen AP und Familie heikel sein.  Denn in vielen Ländern sind Pille und Pille danach frei verkäuflich und die APs erstmal total geschockt, wenn sie merken, dass sie das hier nicht bekommen.  Daher sollte man als Familie daran denken im Fall der Fälle vielleicht ein Gespräch von Gastmuter zu AP zu führen und zu erklären wie man hier an ein solches Medikament kommt.

Wir haben immer in unseren AP Ordner ein paar Aufklärungsbroschüren für Teens eingeheftet und ich habe nach ein paar Wochen erklärt, dass sie von unserem ersten AP stammen, die nicht aufgeklärt war und sie begeistert vom Frauenarzt mitgebracht hat.  Bei der Gelegenheit versuche ich dann unverbindlich über den Umgang mit Sexualität und Verhütung in Deutschland und dem Heimatland des AP zu sprechen, aber eher im Tenor.  Wie werde ich wohl mit unseren Mädchen darüber sprechen und wie wird es dort gemacht.  Und so kann man ganz unauffällig ein paar wichtige Infos loswerden 🙂    Und ganz wichtig klar machen, dass man als Gastmutter auch in solchen Themen ansprechbar ist.

Ich habe auch immer über die Gefahren von HIV und anderen Geschlechtskrankheiten gesprochen.  Auch hier häufig über die Brücke unseres Hep C APs.   Da mein Mann Arzt ist, haben wir auch so häufiger medizinische Themen als Gespräch.   Die meisten APs waren froh die Informationen zu bekommen und ich war froh sie halbwegs sicher zu wissen.  Und es ist ein guter Test wie man später seine eigenen Kids aufklären will.

 

 

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Eine Antwort to “APs und die Liebe”

  1. ap-familie Says:

    Der Vorteil von Modell 4 liegt darin, dass die Mädels dann auf Jahre in der Nähe sind und ein echter Teil der Familie werden/bleiben. Haben wir gleich zweimal und wir genießen es sehr. Die Kinder lieben die (mittlerweile) Ehemänner der beiden und im Mai werde ich dann das erstemal AP-Oma 🙂 Der Vorteil während des Jahres war, dass beide Mädchen einen Großteil ihrer Freizeit mit den ausschließlich deutsch sprechenden Jungs (naja, schon jungen Männern…) und deren Freundeskreisen verbrachten und sie insofern sehr schnell sehr gut deutsch sprachen. Beide Mädchen hatten bereits ein Studium in Südamerika absolviert, kamen aus der oberen Mittelschicht und wollten nicht „um alles in der Welt“ hierbleiben. Sie hätten ihren Weg auch im eigenen Land gemacht. Beide waren übrigens Wechslerinnen. Die Ehemänner sind jeweils sehr nett und waren zwischenzeitlich auch schon mit den Mädels zu Besuch bei den leiblichen Eltern der APs in Südamerika. Dieses Jahr kommen die jeweiligen Mütter nach Deutschland zu Besuch. Selbstverständlich werden wir sie dann kennenlernen – ich freu mich drauf!
    Leider läßt sich so eine Entwicklung nicht planen…
    Ich hätte auch noch ein Modell 5 => keinerlei Interesse an Beziehungen sondern ausschließlich der übergroße und allesumfassende Ehrgeiz, hier zu Studieren. Das ist insofern hart, als dass man als GF Ansprechpartner für alle möglichen Visums- und Finanzierungsfragen ist – im Gegensatz zu Modell 4, da kümmern sich die Männer…

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