Kinderbetreuung für Babies

Da meine Schwester gerade auf der Suche nach einer guten Betreuung für ihr Baby ist kommt auch bei mir dieses Thema wieder hoch.  Gerade beim ersten Kind ist man ja häufig noch sehr unsicher welche Form der Betreuung man überhaupt braucht und möchte.    Hinzu kommt  häufig ein latent schlechtes Gewissen ob es richtig ist sein Kind so früh überhaupt betreuen zu lassen.  Und die typischen Fragen.  Wann soll ich anfangen zu suchen, wo finde ich die Richtige Betreuung, wieviele Stunden brauche ich überhaupt  und und und. …..

Als Betreuung für Babies kommen verschiedene Betreuungsformen in Frage.  Häufig kommen sie einem in der folgenden Reihenfolge in den Sinn.

1) Oma/Verwandte

Diese Form der Betreuung scheint auf den ersten Blick optimal und erstrebenswert.  Die Oma kennt das Baby von klein auf und sie gehört zur Familie.  Es fühlt sich häufig gar nicht an wie eine „Fremdbetreuung“ und man muss nichts dafür bezahlen.  Das Kind kann in der eigenen Umgebung oder in Omas Wohnung betreut werden und man kennt die Betreuungsperson sein Leben lang.  Diese Form der Betreuung hat viele Vorteile.   Also die optimale Betreuungsform?  JEIN würde ich sagen.  Denn es gibt ein paar potentielle Probleme die gerne übersehen werden:

–  Die meisten Omas heute sind  selbst berufstätig und daher zeitlich nicht in der Lage als regelmäßiger Babysitter verplant zu werden.  Daher eignet sich diese Form der Betreuung häufig nur für Mütter und Väter die für 1-2 halbe Tage wieder einsteigen möchten oder stundenweise Betreuung brauchen.

– Viele Großeltern haben ein sehr reges und aktives Privatleben und genießen ihre neue Freiheit ohne eigene Kinder.  Auch wenn sie ihre Enkel über alles lieben  sind sie verständlicher Weise nciht immer beigeistert sich den Wünschen und Bedürfnissen ihrer Kinder und deren Arbeit unterzuordenen.

Diesen Punkt unterschätzen  auch viele Großeltern die Hilfe anbieten.  Wenn man wirklich als „Tagesoma“ einspringen möchte bedeutet es eine große Verantwortung und die Aufgabe von Flexibilität und Spontanität während dieser Zeit.  Den wer wirklich als Ersatz für Kita und Co einspringen möchte der muss 1-5 Tage in der Woche nach Vorgabe durch die Kinder bzw. deren Arbeitszeiten  zuverlässig zur verabredeten Zeit verfügbar sein.   Und das bedeutet eben früh aufstehen,  keine spontanen Verabredungen und vor allem einen Rollentausch.  Denn die eigenen Kinder geben dann die Termine vor.

– Die Vorstellungen über die richtige Erziehung gehen bei vielen Eltern und Großeltern mehr oder weniger stark auseinander. Wenn die Großeltern aber einen großteil des Tages mit ihrem Enkel verbringen werden sie sehr viel mehr Einfluss auf die Erziehung haben als einem vielleicht lieb ist.  Und es kann sehr viel Diplomatie gefragt sein sich mit seinen oder den Eltern des Partners über solche Fragen auseinander zu setzen.  Und es ist immer schwieriger mit den eigenen Eltern/Kindern diese Konflikte auszuhalten als mit einer „fremden“ Person.  Denn die kann ich im Notfall kündigen wenn mir ihr Verhalten/ihre Erziehung nicht gefällt.  Bei der Oma geht das wohl kaum 😉

– Es fallen zwar in der Regel keine Kosten für die Betreuung an, aber natürlich erwarten auch die Großeltern ein „Dankeschön“.  Daher sollte man vorher klären welche Gegenleistung erwartet wird. Wenn beide Seiten offen darüber sprechen ist es kein Problem, aber wenn die Erwartungen nicht offen ausgeprochen werden kann es schnell problematisch werden.   Denn nicht immer ist einem als Eltern klar, dass die Oma davon ausgeht als Gegenleistung später gepflegt zu werden,  es ja wohl selbstverständlich ist, dass man jeden Sonntag mit in die Kirche geht oder die Kinder diverse Aufgaben im Haus/Garten der Großeltern übernehmen.    Man zahlt hier häufig nicht in Bar, sondern mit Emotionen.  Und auch anfallende Kosten für die Großeltern  sollten nicht vergessen werden.  Ein Kind das regelmäßig dort ißt, Wasser verbraucht oder Spritkosten für die Anfahrten der Oma sollten evt.  übernommen werden.  Hier kommt es sicher auch auf die finanziellen Verhältnisse an.

– Großeltern sind leider nicht immer die jüngsten und daher muss man sich die Frage stellen wie fit und belastbar sie wirklich sind.  Ein Baby/Kleinkind kann sehr anstrengend sein und daher sollten beide Seiten realistisch prüfen ob es wirklich  auf Dauer klappt.  Eine Oma die zur Dialyse muss, eine Opa der Pflegefall wird all diese Ereignisse können das Konzept Oma passt auf von heute auf Morgen hinfällig machen und dann steht man im schlimmsten Fall ohne Kinderbetreuung und einem Pflegefall dazu da.  Und spätestens wenn mehr als ein Kind betreut werden muss kommen viele Großeltern an ihre Grenzen.

– und einer der Hauptgründe gegen dieses Betreuungskonzept ist leider, dass  viele Großeltern nicht am gleichen Ort wie ihre Enkel leben.  Daher selbst wenn alles andere stimmt ist es unrealistisch, dass auf Dauer lange Fahrtzeiten in Kauf genommen werden um das Enkelkind zu betreuen.

2)  Die Kita  

Ist dann häufig die nächste Adresse.  Und eine gute Kita  ist sicher ein tolle Sache.  Das Problem hier liegt darin überhaupt einen Platz in einer Kita zu bekommen.  Das gleicht häufig einem 6er im Lotto.   Die Kitas haben  teilweise Wartelisten von über einem Jahr für Kinder U1, daher muss man sich schon während der Schwangerschaft anmelden.      Und wenn man keine Zusatzpunkte wie  Alleinerziehen, Geschwisterkind,  sozial benachteiligt,  Arm … hat sind die Chancen häufig fast Null einen der  Plätze zu ergattern.

Die meisten Kitas möchten auch auf jeden Fall, dass die Kinder regelmäßig und möglichst viele Stunden kommen.  Hier sind Eltern gut aufgehoben die schnell wieder Vollzeit oder zumindest halbe Stelle arbeiten möchten.  Denn hier wird eben im ideal Fall eine Vollzeitbetreuung geboten.      Vorteile einer Kita sind für mich vor allem die gute pädagogische Ausbildung des Personals, es wird in der Regel eine zuverlässige Betreuung für mindestens 40-45 Stunden in der Woche geboten und die Kitas bieten den Kindern viele tolle Möglichkeiten.   Gerade der U3 Bereich ist häufig besonders liebevoll gestalltet und mit tollen Erziehrinen besetzt.    Wichtig bei der Entscheidung für eine Kita fände ich folgende Fragen:

Wieviele Tage/Wochen im Jahr ist die Kita geschlossen?   Hier gibt es riesen Unterschiede !

Wieviele Kinder pro Betreuungskraft gibt es und wie häufig wechselt das Personal? Viele Praktikanten oder eher Fachkräfte?

Habe ich ein gutes Bauchgefühl wenn ich die Kita betrete?   Gefählt mir die Einrichtung, die Art wie die Erzieher mit den Kindern dort umgehen, das Programm ….

Passen die Öffnungszeiten zu meinen Arbeitszeiten?

Ist die Kita günstig zu erreichen?  Gibt es genügend Parkplätze zur Rush Houre?

Häufig ist man gezwungen Kompromisse einzugehen, aber je besser man die Kita findet um so einfacher ist es sein Kind dort abzugeben.  Denn wenn ich eigentlich kein gutes Gefühl habe werde ich immer mit einem schlechten Gewissen zur Arbeit gehen.  Auf der anderen Seite sollte man sich auch nicht von tollen Möbeln und einem super Programm blenden lassen.  Eine Kita lebt von guten Erziehern und nicht von tollen Möbeln.  Hier hilft nur auf seinen Bauch hören und im besten Fall Eltern fragen die ihre Kinder dort haben.

3) Tagesmutter

Wenn man merkt das ein Kita Platz wahrscheinlich nicht erreichbar ist oder man erstmal nur für ein paar Stunden/Tage wieder einsteigen möchte,  kommen häufig die Tagesmütter ins Spiel.  Und auch hier gilt das gleiche wie bei der Kita, wichtig ist das eigene Bauchgefühl.  Fühle ich mich in der Wohnung wohl?  Wie spricht die Tagesmutter über „ihre“ Kinder und deren Eltern?  Wie geht sie auf mein Kind zu?   Alles gute Indikatoren für eine Entscheidung.

Die Vorteile einer Tagesmutter sind ihre große Flexibilität.  Haufig sind bei Tagesmüttern auch ungewöhnliche Arbeitszeiten (früh Morgens, spät Abends und im Ausnahmefall auch Nachtdienst) möglich.  Eine Tagesmutter bietet gerade kleinen Kindern/Babies ein geschütztes Umfeld mit nicht zuvielen Kindern.    Und die Tagesmutter kann einem häufig gute Tips geben die einem als Neueltern das Leben erleichtern.  Sie hat viel Erfahrung durch eigene Kinder und ihre Tageskinder.

Eine Tagesmutter kann besonders dann eine gute Lösung sein, wenn man sehr untypische Arbeitszeiten (Schichtdienst,  Nachdienste,  Verkauf bis spät Abends) hat oder wenn man nur für 1-2 Tage Betreuung benötigt wird.  Denn dann ist eine Tagesmutter häufig  auch günstiger als ein Kitaplatz.

Aber genau wie bei Kita Plätzen sind die Wartelisten bei guten und erfahrenen Tagesmüttern lang.  😦

Und es gibt auch einige Dinge auf die man achten sollte:

Hat die Tagesmutter eine Qualifikation und ist durchs Jugendamt geprüft?   Es gibt auch schwarze Schafe die aus guten Grund keine Genehmigung erhalten haben.  Aber auch viele tolle freie Tagesmütter.

Betreuut wirklich die Tagesmutter allein oder springt im Notfall auch mal die Tochter, die Oma, der Ehemann ein und sind diese auch vertrauenswürdig?

Gibt es im Haushalt /Umfeld Personen die problematisch sind?  Aggresives  älteres Kind,  alkoholkranker Ehemann, bissiger Hund …..?

Betreut die Tagesmutter auch kranke Kinder und wer vertritt die Tagesmutter wenn sie selbst krank ist?  Wie  ist Urlaub geregelt und wie langfristig will die Tagesmutter arbeiten?

4) Kindermädchen/Kinderfrau

Diese Form der Betreuung ist wahrscheinlich die individuellste und bequemste Form, aber leider auch die teuerste.  Man kann sich jemand aussuchen und diesen genau nach den eigenen Vorstellungen und Wünschen einsetzen.   Leider ist es sehr schwierig eine Person zu finden die qualifiziert ist und von den Gehaltsvorstellungen bezahlbar.   Im günstigsten Fall erledigt eine Kinderfrau auch ein einen Teil der Hausarbeit und die Kinderwäsche mit und bietet so ein ziemliches Rund-um-Sorglos Paket.   Sie kann das Kind  sogar betreuuen wenn es krank ist.

Die Nachteile bei Kinderfrauen sind eher das dieses Modell als Ganztagsbetreuung  für die meisten schlicht nicht finanzierbar ist und für einige Stunden häufig schwer wirklich qualifizierten Bewerber zu finden sind.  Hier muss man langfristig suchen und sehr genau schauen wer sich mit welcher Motivation bewirbt.     Denn eine Kinderfrau arbeitet mit Babie ja völlig ohne soziale Kontrolle und ein Babie kann sich nicht beschweren wenn etwas nicht passt.  Daher sollte man sehr genau prüfen wen man anstellt.  Ich würde immer ein polizeilichs Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis verlangen.   Gut ist auch wenn die Person eine Refernz einer anderen Familie hat.  Aber leider sind dies Kinderfrauen selten.

In der Realität sind es eher ältere Damen die aus gesundheitlichen Gründen frühpensioniert sind oder arbeitslose junge Frauen ohne wirkliche Perspektive.  Also nicht das Ideal der Haushäterin mit pädagogischer Zusatzausbildung  oder die gelernte Erziehering  mit  viel Spaß an der Arbeit.

Mit etwas Glück und genug Geld kann man aber durchaus gute Kinderfrauen finden und diese dann am besten nicht mehr weglassen 🙂

5) AP

Und wenn man dann feststellt, dass eine Kita Platz utopisch ist,  die Tagesmütter überlaufen  und eine Kinderfrau nicht finanzierbar kommt man irgendwann auf die Idee.  Vielleicht ist ja ein AP eine gute Idee.  Und ich muss sagen gerade für Babies finde ich APs wirklich ideal.   Denn APs verbinden viele Eigenschaften der anderen Betreuungsformen.

Ein AP ist wenn es gut läuft Teil der Familie und das Babie kann in seiner gewohnten Umgebung bleiben.   Es ist zuverlässig auch im Krankheitsfall betreut und man kann sehr flexibel auch ungewohnte Arbeitszeiten abdecken.

Da Babies in erster Linie eine liebevolle Betreuung brauchen fallen Sprachprobleme noch nicht wirklich ins Gewicht.  Und die wichtigsten Fähigkeiten wie wickeln, füttern und spazierenfahren mussten wir Eltern ja auch gerade erst lernen.  Daher keine Angst vor unerfahrenen APs.   Wichtiger als Babie Erfahrung ist Babiebegeisterung und  Zuverlässigkeit. Für die Eingewöhnung sollte man genug Zeit einplanen und eben häufig kontrolieren und erklären was man möchte.   Die meisten APs sind aber sehr lernfähig und lenkbar, daher ein riesen Vorteil für junge Eltern die ja selbst häufig noch unsicher sind.

Ein AP ist dann ideal wenn man nur für ein paar Stunden am Tag  Betreuung braucht umd z.B.  die Zeiten zwischen Abfahrt der Mutter und Ankunft Papa zu überbrücken oder für einen klassischen Halbtagsjob von 8.00-12.00 Uhr.   Dann kann das AP in dieser Zeit  das Babie betreuuen und einem bei der Hausarbeit entlasten.  Ich würde aber kein AP über lange Stunden mit einem Babie allein lassen.  Wichtig ist, dass man im Notfall schnell erreichbar ist, oder zumindest jemand anders (Nachbarn, Oma) zur Stelle sein kann.   Je kleiner das Kind ist um so mehr Verantwortung trägt das AP und daher sollte man darauf achten sein AP nicht zu überfordern.   Aber  die meisten APs sind nach 1-2 Monaten echte Profis in der Babiebetreuung.

Der Nachteil eines APs ist natürlich, dass man sich vorher häufig nicht persönlich kennen lernen kann und es immer die Gefahr eines schlechten APs gibt.  Da hilft wie bei allen anderen Formen auf das eigene Bauchgefühl hören und im Notfall wechseln.   Auf keinen Fall würde ich als AP-Anfänger ein AP aus einem exotischen  Land mit komplett andere Kultur nehmen.  Besser ein AP aus dem europäischen oder nahen osteuropäischen Ländern.   Hier kann man im Notfall auch einfacher und schneller die Notbremse ziehen.   Ein Babie erträgt  den AP Wechsel häufig viel einfacher als später ältere Kinder.  Denn auch wenn das AP geliebt wird, die Hauptperson sind und bleiben die Eltern und  auch in der Kita kommen und gehen Erzieherinen und Praktikanten.  Das bekommen die Kleinen meist gut hin.   Daher ist auch ein Kurzeit AP von nur 6 Monaten bei Babies einfacher möglich als später.

Ich würde bei der Auswahl für ein AP für Babies vor allem darauf achten ein sehr zuverlässiges und genaues AP zu bekommen.   Dem Charme eines Babies kann dann keiner wiederstehen.  Da ein Babie in der Regel einen recht festen Tagesablauf hat ist es für APs einfach sich diesem Rythmus anzupassen.   Alle unsere APs die bei uns waren als die Kinder noch sehr klein waren, hatten ein sehr sehr enges Verhältnis zu „ihren Kindern“ und sie haben es genossen von den Kindern so bedingungslos geliebt zu werden.    Und wickeln, Fläschen machen und Spazierengehen haben alle sehr schnell gelernt.

Ein AP für ein Babie muss auch in der Regel nicht Autofahren, nicht schwimmen oder radfahren können.  Daher ist auch die Suche einfacher als für ältere Kids.  Schwierig ist eher die APs davon zu überzeugen, dass ein Baby nicht mehr Arbeit ist als ein trotzendes Kleinkind oder ein freches Schulkind.

Die Kosten für ein AP sind in der Regel vergleichbar mit einem Kita Platz in der höchsten Einkommensgruppe oder eine Kinderfrau für einige Stunden.  Mit 400-500€ im Monat sollte man schon rechnen.  Daher ist es sicher nicht für jeden eine mögliche Lösung, aber für alle die ein Zimmer frei haben  und  bereit sind sich auf einen neuen Menschen im Haushalt einzulassen kann ein AP eine tolle Erfahrung sein.

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