Wie wichtig ist Geld ?

Nachmal vielen Dank für die vielen guten  Tipps und Erfahrungsberichte zu meinem letzten Artikel.   Ein Punkt hat mich besonders beschäftigt.  Die Frage ob Geld bei der Entscheidung eine Rolle spielt.

Für mich ganz klar JA

Geld hat für mich mehrere Funktionen

1)  Geld macht unabhängig

Mein Mann und Ich haben beide das Glück einen Beruf zu haben, der es uns ermöglicht im Notfall unsere Familie auch als Alleinverdienerin ohne allzu große Einschnitte durchzubringen.  Das ist nicht nur für mich, sondern auch für meinen Mann ein sehr beruhigendes und gutes Gefühl.  Denn so wissen wir, dass auch wenn einer von uns ausfällt der andere für uns sorgen kann.   Neben dem Gefühl von Sicherheit hat dieser Aspekt aber auch handfeste finanzielle Vorteile.  Wir können es uns leisten auf sehr hohe BUZ-Versicherungen zu verzichten.   Denn für uns ist die Krankheit eines Partners nicht der finanzielle totale Supergau.   Dieser Aspekt wird häufgig  vergessen, wenn es um die Frage geht, welche Vorteile die Berufstätigkeit beider Partner bietet.

Ein zweiter meiner Meinung nach großer Vorteil  liegt in unserer realtiven Unabhängigkeit von unseren Chefs/Arbeitsplätzen.  Wir könnten es uns leisten für einige Monate auf ein Einkommen zu verzichten und müssen nicht alles mit uns machen lassen.    Wenn  ich sehe wie viel Angst meine Kollegen und die Kollegen meines Mannes vor einem Verlust ihres Arbeitsplatzes haben oder wie wenig sich heute viele Kollegen trauen ihre berechtigte Kritik  zu äußern, bin ich froh und dankbar, dass ich es mir leisten kann auch mal NEIN zu sagen.     Es geht ja nicht darum faul oder bequem zu sein, aber wenn etwas moralisch oder rechtlich falsch ist kann ich es sagen.   Und auch für meinen Mann ist die Drohung: Dann bekommen sie eben weniger Dienste = weniger Geld kein Drohung, sondern eher ein nettes Angebot.

Wir könnten uns ohne allzu großes Risiko eine  Selbständigkeit zu wagen, weil der andere genug für die Grundbedürfnisse verdient.  Wenn nur ein Einkommen da ist, ist dieser Schritt viel riskanter.

2. Geld macht  Vereinbarkeit und Beruf  einfacher 

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ja ein Thema was mich schon lange in meinem Leben begleitet und beschäftigt.  Und es ist ein Fakt, dass sie umso einfacher zu erreichen ist, je mehr Möglichkeiten zum Delegieren von Aufgaben Frau und Mann hat.   Denn Vollzeitarbeit  + Vollzeit Hausfrau + Vollzeit Mutter + Vollzeit Ehefrau =  Burn Out

Viele verwechseln ja Hausfrau mit Mutter sein.   Aber für meine Kinder ist es unwichtig ob Ich oder unsere Putzfrau ihre Wäsche wäscht und bügelt.   Und auch mein Mann legt zum Glück einen Wert darauf, dass Ich seine Hemden bügel.   Für uns war schon vor den Kindern klar, dass wir beide keine begeisterten Putzteufel sind, aber dennoch gerne ein schönes und ordentliches Zuhause wollen.  Daher haben wir uns darauf geeinigt, dass sobald es finanziell möglich war  uns als Luxus eine Putzfrau zu gönnen.      Und zwar von UNSEREM Geld.

Und auch heute sind wir gerne bereit einen Teil unseres Einkommens für die Erledigung dieser Arbeiten abzugeben.  Aber dies ist uns eben nur deshalb möglich, weil wir gemeinsam genug  verdienen um auch unserer Putzfrau ein faires Gehalt zu zahlen.  Und damit muss ich auch kein schlechtes Gewissen haben.  Wir schaffen einen Arbeitsplatz  und zahlen Sozialabgaben und das ist nichts schlimmes sondern wichtig.

Es wird zwar nicht gerne darüber gesprochen, aber gute Kinderbetreuung kostet eine Menge Geld und ich bin dankbar, dass wir immer genug Geld hatten uns eine gute und zuverlässige Kinderbetreuung leisten zu können.  Denn natürlich war ein AP + Kindergarten teurer als nur eine Tagesmutter, aber wir hatten so immer den Luxus dass die Kinder in ihrem gewohnten Umfeld bleiben konnten und wir die Betreuung an unsere Bedürfnisse anpassen konnten.   Und vor allem konnten wir auch arbeiten gehen, als wir noch auf der Warteliste für einen Kiga Platz standen oder es noch keine Tagesmütter in unserer Gegend gab.

Und zum Schluß unsere Einkommen ermöglichen uns auch kleine Auszeiten für uns Eltern.  Mal Abends ins Kino oder am Wochenende ein paar Stunden nur als Paar sind teuer, aber für eine glückliche Ehe unbezahlbar.  Nur leider muss ich mir diesen Luxus leisten können.  Wenn wir nur von einem Gehalt leben würden wäre sowas im Zweifel nicht drin.

3. Geld erhöht den Lebenstandart

Ich finde bei aller Bescheidenheit ist Geld schon ein wichtiges Thema, denn vieles was man häufig als „normal“ nimmt ist eigentlich Luxus.  Und es fällt einem nur dann auf, wenn man überlegt wie man wohl leben würde wenn man weniger Geld hätte.     Für mich ist Luxus den wir uns durch  2 Gehälter leisten können:

Wir hatten schon sehr früh ein Haus mit viel Platz und einem großen Garten.  Gerade mit Kleinkindern ein echter Luxus.  Ich kann die Kinder einfach in den Garten lassen ohne erst zum Spielplatz zu fahren.  Ich muss meinen Kindern nicht ständig sagen sie müssen leise sein, weil die Nachbarn sich beschweren.   Unsere Kinder haben genug Platz zum Spielen und  können sich körperlich verausgaben.   Es ist nicht notwendig sie vor dem TV zu parken oder elektronisch zu bespaßen.  Natürlich kann ich auch in einer 3 Zimmer Hochhauswohnung pädagogisch wertvoll leben, aber es ist deutlich anstrengender.  Das merke ich jedes Mal wenn wir im Urlaub „nur“ eine Ferienwohnung haben.

Ich kann unseren Kinder die Dinge kaufen/ermöglichen die ich für gut und wichtig halte ohne über den Preis nachdenken zu müssen.  Das bedeutet nicht, dass ich alles kaufe/mache was möglich ist, aber ich kann frei entscheiden und muss mich nicht von finanziellen Überlegungen einschränken lassen.   Im Vergleich zu anderen Kindern machen unsere Kinder sogar eher weniger teure Hobbies und Events, aber wir  haben die Freiheit es zu ändern wenn uns danach ist.

Wir müssen nicht  an Dingen (gutes Lebensmittel, Bücher, Ausflüge ins Museum ) sparen die mir wichtig sind.  Diese Kleinigkeiten sind ein angenehmer Luxus.  Natürlich wird ein Kind auch ohne Biobananen und Dauerkarte für den Zoo groß, aber es ist eben schön, wenn man es sich leisten kann.

Und vor allem wir leben in einer Gegend wo die Welt noch ziemlich in Ordnung ist.  Ich kann die Kinder allein zur Schule laufen lassen, wir haben eine funktionierende Nachbarschaft und die Kinder können vor dem Haus spielen.   Diese  Dinge sind nur auf den ersten Blick gratis, denn sie hängen sehr wohl von der Wohnlage ab.

4. Geld  schafft Sicherheit 

Geld ist nicht  nur für die aktuelle Situation wichtig, sondern es schafft auf lange Sicht auch Sicherheit.  Wenn wir unser Haus möglichst schnell abgeszahlt haben können wir uns später eine gute Rücklage fürs Alter schaffen.

Ein Sparpolster auf der Bank lässt manche Krise (Auto kapput, Elektrogerät kapput…)  weniger schlimm erscheinen, weil man die Sicherheit hat auf sein Polster zugreifen zu können und  zur Not auch einige Zeit  ohne Gehalt über die Runden kommen würde.

Wenn ich viel verdiene bekomme ich im Alter auch eine höhere Rente und bin damit unabhängig von meinem Mann abgesichert.  Frauen werden immer noch älter wie ihre Männer und ich möchte nicht im Alter von einer eher kleinen Witwenrente leben müssen nur weil man Mann früher stirbt.

Und gerade wenn man im Alter Zeit hat und hoffentlich auch das Glück noch fit zu sein, fände ich es sehr schön, wenn wir dann 2 gute Renten hätten die es uns ermöglichen noch ein paar schöne Jahre zu haben.

Auch wenn ich mir sehr sicher bin, dass unsere Ehe hält und wir sehr glücklich zusammen sind, kenne ich die Statistik und die ist nicht sehr optimistisch.  Im Falle einer Trennung möchte ich nicht auf Dauer vom Geld und dem Goodwill eines EX-Mannes abhängig sein.   Ich habe die Freiheit und Sicherheit mich und unsere Kinder im Notfall auch selbst vernünftig versorgen zu können.  Das macht mich weniger anfällig aus Angst oder Not in einer Beziehung zu bleiben die mir nicht gut tut.

Wie schon weiter oben geschrieben, je mehr Familieneinkommen man hat um so weniger ist man auf teure Versicherungen angewiesen.  Es ist paradox, aber je mehr wir verdienen um so mehr sparen wir in diesem Bereich ein.  Denn ich kann ohne Probleme eine hohe Selbstbeteiligung zahlen und so jeden Monat Geld sparen.  Ich brauche manche Versicherungen nicht mehr und ander können deutlich gekürzt werden.

Wir können unseren Kinder die Sicherheit bieten, dass sie frei wählen können was und wo sie studieren möchten und im Zweifel auch teure Ausbildungen/Auslandaufenthalte … bezahlen.  Diese Sicherheit ist zwar im Moment noch nicht wichtig, aber es ist beruhigend  nicht jetzt schon überlegen zu müssen, ob man wirklich beiden Kindern ein Studium ermöglichen kann.

5. Geld ist eine Form von Anerkennung

Ein Aspekt wird gerade von Frauen häufig vergessen.  Geld ist  in unserer Gesellschaft eine wichtige Form von Anerkennung und es ist eben nicht egal ob ich welches bekomme und wieviel.   Ich finde es erschreckend, dass Frauen in Deutschland 2012 immer noch über 20% weniger verdienen als Männer.

Wenn ich die gleiche Arbeit wie ein Mann mache möchte ich auch die gleiche Bezahlung haben.   Und bei Argumenten wie:

„Na dein Mann verdienst doch gut genug!“   Stimmt, aber mit dem gleichen Argument könnte man ja auch ihm das Gehalt kürzen

„Es ist doch unfair, du brauchst die Arbeit doch nicht so dringen  und ein armer Familienvater hat keine Stelle!“     Tja das ist traurig,  aber nicht mein Problem.  Denn dann müssten wir ja eine Familienväterquote einführen und Quoten sind ja in Deutschland offensichtlich nicht gewünscht 😉

„Sei doch froh, dass du überhaupt die Chance hast zu arbeiten!“    Nein bin ich nicht, denn die Schule hat mich nicht aus Mitleid eingestellt, sondern weil sie Bedarf hatten.  Und ich arbeit genauso gut oder schlecht wie meine männlichen Kollegen auch.  Müssen die etwa auch dankbar sein?!

geht mir die Galle hoch.   Denn genau das ist leider häufig das Problem, dass wir Frauen/Mütter uns wirklich so verhalten, als ob wir dankbar sind arbeiten zu dürfen.  Aber eine Erwerbsarbeit etwas anders als ehrenamtliche Arbeit.  Natürlich macht mir meine Spaß, aber das ist doch kein Grund nicht fair bezahlt zu werden.   Welcher Mann würde denn freiwillig auf Lohn verzichten, weil ihm seine Arbeit Spaß macht oder weil er Familie hat?

Und besonders perfinde ist ja auch der alte Spruch:  „Was nichts kostet ist auch nichts wert!“ denn genau so wird ja auch häufig über schlecht bezahlte Arbeit gesprochen.  Je höher das Einkommen ist um so höher ist doch häufig auch das Ansehen das jemand genießt.  Wenn ich also freiwillig auf Gehalt verzichte muss ich mir klar machen, dass damit häufig auch mein Ansehen sinkt.

Ein paar Beispiele:

Typsiche gratis Frauen Arbeit:

– Kuchen backen,  Deko basteln,  Feiern/’Geschäftsreisen  organisieren  für Kiga/Schule oder im Beruf

– Mal eben die Küche / Schränke / Gemeinschaftsräume aufräumen

– Protokoll schreiben =  kann sich nicht an der Disskussion beteiligen

– Blumen gießen und im Urlaub versorgen

– Post auf dem Heimweg wegbringen

Typische bezahlte Männerarbeit

– Überstunden machen

– Projektleiter / Arbeitskreis leiten = Beförderung

– Geschäftsreise  von der Kollegin organisiert mit dem Chef   = Spesen

– Sprecher eine Gruppe = guter Eindruck beim Chef mit Hilfe eines guten Protokolls das natürlich nicht erwähnt wird.

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4 Antworten to “Wie wichtig ist Geld ?”

  1. Franziska Says:

    Ich stimme Dir zu, möchte aber auch sagen, dass zumindest für mich persönlich Geld nicht der Hauptgrund war. Als Söhnchen noch kleiner war, mussten wir für die Kinderbetreuung von 2 Kindern (Tagesmutter (Söhnchen vollzeit, Tochter halbtags) und Kindergarten für Tochter) soviel zahlen, dass wir Netto gerade mal 500 Euro mehr hatten, als wenn ich daheim geblieben wäre.

    Du hast aber absolut recht, es ist wirklich sehr beruhigend, dass die Familie nicht nur von einem Ernährer abhängt. Wir hatten die Situation erst letztes Jahr, da ist meinem Mann gekündigt worden. Das war natürlich trotzdem unschön und für uns alle belastend, aber es war klar, wir können das zumindest mehrere Monate durchstehen ohne dramatisch „downzusizen“. Mit dieser Sicherheit konnte er auch bei der Jobsuche etwas anspruchsvoller sein und musste nicht das Erstbeste nehmen.

  2. Zuagroaste Says:

    Hallo. Ich verfolge den Blog seit einigen wenigen Monaten und dieser Beitrag ist wieder mal sensationell! Die Blogeinträge spiegeln immer die typische innere Zerrissenheit dar und fördern die freie Diskussion und Auseinandersetzung. Und Humor. Danke dafür. Denn jeder muss sich selbst entscheiden wie er glücklich wird oder den größten Kompromiss findet.

    Ach ja: Ich arbeite Vollzeit (Karrieremutter), bin glücklich verheiratet und habe einen 3jährigen Sohn der ganztags in die Kita geht.
    Ich mag es zu arbeiten und ich wäre als Vollzeitmutter unglücklich und eingeengt (siehe Argumente oben). Das ist der Weg wie ich ihn beschreiten möchte.

    Und in unserem Haus, welches in 18 Monaten fertig ist sind ein Extrabad und Aupairzimmer fest eingeplant. So bin ich hier gelandet…

    • aupairfamilienrw Says:

      Hallo Zuagroaste

      Danke für deine netten Worte 🙂 Ich finde es schön sich auf diesem Weg mit anderen Müttern auszutauschen.

      Bin schon gespannt was in deinem Blog stehen wird. Eine neue AP-Familie kann die Blog Welt gut gebrauchen.

      Ich bin vor über 2 Jahren von Hostmam angefixt worden und habe es bisher nicht bereut meine Gedanken, Zweifel, Erfolge und Misserfolge mit euch zu teilen. Im Gegenteil ich habe häufig wirklich hilfreiche und gute Tipps bekommen die mir weitergeholfen haben.

      Und wenn ich im Gegenzug mit meinem Blog anderen helfen kann finde ich das schön.

  3. elamatrix Says:

    Die Argumente für Geld sind schon alle richtig; Die würde ich aber eher als allgemein sehen.
    Für deine aktuelle Fragestellung ob weiter Teilzeit oder zukünftig Vollzeit dürften die meisten Argumente aber kaum ausschlaggebend sein.

    Hier ist denk ich mal tatsächlich eher die Frage – ist es ein Komfortgewinn mehr zu arbeiten oder nicht.

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