Das bischen Haushalt macht sich von allein ….

Leider hat mein Haushalt dieses nette Lied aus den 50er Jahren noch nicht gehört.   Und wenn man über Vereinbarkeit von Familie und Beruf spricht muss Frau auch über dieses Thema nachdenken.  Denn auch wenn immer mehr der Eindruck erweckt wird es es geht nur um die Frage wie Frau ihre  Karriere und Kinder unter einen Hut bringt, vergisst man leider, dass zur Familienarbeit auch die leidige Hausarbeit gehört.

Auch in emanzipierten Partnerschaften wo Kinderbetreuung und Karriere partnerschaftlich geteilt werden, bleibt ein großteil der Hausarbeit häufig stillschwiegend an der Frau hängen.  Nur „das bischen Haushalt“ macht sich leider auch heute nicht von allein.   Es kostet eine Menge Kraft, Organisation und Zeit.    Daher sollte man sich wenn man darüber nachdenkt wie man Beruf und Familie vereinbart immer auch diesen Aspekt mitdenken.

Es gibt ja verschiedene Typen von Menschen ….

1)  Mann oder Frau ist die geborene Hausfrau/Hausmann und geht in dieser Rolle völlig auf.  Bügeln und Putzen gehören zu den Hobbies und es gibt nichts schöneres als für die Familie zu kochen, backen und ein gemütliches Heim zu schaffen.  Prima, dann gibt es kein Problem, sondern höchstens Streit wer welche Aufgabe übernehmen darf 😉 .  Leider zähle ich nicht zu dieser Gruppe.

Für alle die nicht in Gruppe 1 gehören gibt es je nach Lebenslange  verschiedene typische Situationen:

Variante A  Frisch verliebte DINKS  ( Double Income No Kids )  

Hausarbeit wird gerecht zwischen den Partnern aufgeteilt und beide erledigen ihren Teil nach der Arbeit.  Diese Variante klappt meist sehr gut, solange der Haushalt eher klein (Stundenten WG / 2-3 Zimmer Wohnung) ist und beide Partner  ungefähr gleichviel arbeiten.    In so einem Haushalt fällt außer Wäsche  waschen und 1-2x die Woche putzen wenig Hausarbeit an und frisch verliebt kann sogar ein Samstags Hausputz romantisch sein.   Gemeinsames Kochen wird nicht als Arbeit gesehen oder man hat genug Geld um Essen zu gehen.

Variante B  Die junge Familie mit  dem ersten Kind

Spätestens wenn ein Kind mit ins Spiel kommt nimmt die Hausarbeit deutlich an Umfang zu und die Arbeitszeiten der Partner gehen deutlich auseinander.  Hier ist der Trend zur klassischen Arbeitsteilung leider kaum zu vermeiden.  Es wird selbstverständlich davon ausgegangen, dass der Partner der den ganzen Tag zu Hause ist auch den Haushalt mit macht.   Denn der andere Partner geht ja ARBEITEN.    Dies impliziert indirekt,  dass der Partner zu Hause nicht arbeitet.  Wer aber schon mal mit einem Baby zu Hause war, weiß was es bedeutet 24/5/7  für ein Baby Verantwortung zu tragen.  Es lohnt sich in dieser Situation mal die Wochenarbeitsstunden beider Partner zu vergleichen und man stellt schnell fest, dass eine Hausfrau mit Baby eine 40 Stunden Woche wie Urlaub vorkommen würde.

Da in dieser Zeit das Geld häufig sehr knapp ist versucht der arbeitende Partner gerne durch Überstunden das EK der Familie zu erhöhen und dem anstrengenden Stunden mit dem Baby zu entkommen und hat so noch weniger Zeit und der Partner zu Hause übernimmt notgedrungen alle anderen Aufgaben, da Geld für Entlastung (Babysitter/Putzfrau/Bügelservice)  nicht vorhanden ist.

Dieser Teufelskreis ist sehr schwierig zu durchbrechen, wenn er erstmal eingerissen ist.  Denn häufig sind es nicht nur die Partner, sondern auch Eltern und Umfeld die jungen Müttern sugerieren, dass es normal ist alle Arbeit allein zu erledigen.  Wenn man sich als  Stay at home Mum  Hilfe holt gilt man immer noch schnell als bequem oder unfähig.  Und spätestens mit dem zweiten Kind wird diese Situation zementiert.

Besonders perfinde fand ich in dieser Phase, dass einem gerne mal unterstellt wurde, dass man sein Kind nicht genug mag, wenn man über die Hausarbeit geflucht hat.  Alternativ wird der Ehemann bemitleidet oder bewundert, wenn er sich auch um Kind und Haushalt kümmert.

Zum Glück hat mein Mann auch in dieser Phase trotz stressigem Job weiterhin seinen Teil an der Hausarbeit übernommen und wir haben uns die erste anstrengende Zeit als junge Familie gemeinsam geteilt.  Klingt heute perfekt, aber es war harte Arbeit. Wir sind beide an unsere Limits gekommen und haben  einige sehr anstrengende Diskussionen über unsere Vorstellung von Familienleben und Partnerschaft geführt .   Denn egal wie schön man es sich vorher vorgestellt hat, die Realität ist anders.

Variante 3   Familie mit Kindern und 400€ Job 

Spätestens wenn die Kinder etwas älter werden fangen die meisten Mütter wieder an zu arbeiten.  Und hier wird die Arbeitsteilung dann richtig ungerecht.  Denn nach einigen Monaten/Jahren hat sich die Zuständigkeit für den Haushalt in eine Gewohnheitspflicht verwandelt.

Häufig wird man dann als Mutter gefragt wie Frau sich denn vorstellt das alles zu schaffen.  Der Ehemann wird dies seltener gefragt.  Denn der Haushalt ist ja genau wie die Kinder eigentlich ein Gemeinschaftsprojekt.

Da aber viele Mütter „nur“ einen 400€ Job suchen oder lieber weniger Stunden Teilzeit arbeiten bleibt der Eindruck bestehen, sie hätten ja genug Zeit um auch noch den Haushalt zu machen.  Das ist aber ein gefährlicher  Punkt.  Denn auf Dauer ist  die Kombi  aus 1/3 Arbeiten  + 100% Kids +100% Haushalt der sichere Weg in die totale Erschöpfung.     Das hält auf Dauer kaum jemand durch.  Klar geht es irgendwie, aber an irgendeinem Punkt muss Frau Abstriche machen.

Variante 4   Familie mit  Kindern und 2 VZ Stellen 

Spätestens hier wird deutlich, dass es jetzt völlig ungerecht wäre, wenn einer der Partner zusätzlich zur Arbeit auch noch die gesamte Hausarbeit übernehmen soll.  Daher wird  in dieser Situation häufig viel schneller die Idee eine Haushaltshilfe aufkommen.  Vielleicht ja auch, weil jetzt den Herren auf einmal zusätzliche Arbeit droht.     Je älter die Kinder sind können natürlich auch die Kinder ihren Teil an Hausarbeit übernehmen.   Ich finde es wichtig, dass alle Verantwortung übernehmen und auch mit Putzfrau bleibt noch genug Arbeit für alle Familienmitglieder übrig.

Natürlich ist eine Putzfrau auch eine Frage des Geldes, wenn beide nur einen sehr schlecht bezahlten Job haben, der die Familie so eben über die Runden bringt ist keine Putzfrau möglich, ABER eine Putzfrau ist meist dann möglich wenn man bereit ist dafür auf anderen Luxus zu  verzichten.    Für 100-200€ pro Monat findet man jemand der 1x die Woche den Grundputz übernimmt oder einem einen Teil der Bügelwäsche macht.   Klar viel Geld, aber wenn ich sehe wieviele Kinder heute mit Jack Wolfskin Jacken herumlaufen,  was für teure Autos Familien fahren und wieviel Geld in sinnloses Spielzeug investiert wird, dann sind 150€ für eine Putzhilfe meiner Meinung nach gut investiert.

Und diese 150€ Euro gehen vom Familien EK ab und nicht vom EK der Frau.  Das ärgert mich immer am meisten, wenn das AG kommt, es lohnt sich ja als Frau  nicht zu arbeiten.   „Ich verdiene in Klasse V so wenig, dass nach Abzug von Kinderbetreuung und Putzfrau nichts übrig bleibt. „ Mädels denkt daran.  Eure Männer verdienen nur deshalb in Klasse 3 soviel, weil ihr KOSTENFREI  Kinderbetreuung und Putzdienste erledigt und dafür noch auf Rente und Sicherheit verzichtet.  Daher haben wir auch immer das Familien EK betrachtet und nicht MEIN oder SEIN Einkommen.

Und auch mit Putzfrau bleiben noch genug Aufgaben die partnerschaftlich verteilt werden können:

– Garten pflegen

– Schränke aufräumen

– Kochen

– Einkaufen

– Aussortieren

– Renovierung

– Keller aufräumen

– Autos pflegen

– Geschenke besorgen und einpacken

– Kühlschrank/Gefriertruhe abtauen

– Kinderzimmer aufräumen/sortieren

– Abwaschen/Spülmaschine ausräumen

……..

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5 Antworten to “Das bischen Haushalt macht sich von allein ….”

  1. elamatrix Says:

    Übrigens ganz wichtig: es ist absoluter Humbug die Steuerklasse bei der Betrachtung des eigenen Einkommens zu berücksichtigen. An dieser Stelle ist das einzige Sinnvolle Vergleichsargument das Bruttogehalt.

    • aupairfamilienrw Says:

      @elamatrix

      Du hast völlig recht, die Steuerklasse sollte kein AG sein.

      Leider vergessen dies sehr viele wenn die Gehälter verglichen werden. Denn die meisten interessiert nur was kommt auf dem Konto an.

      ABER spätestens wenn es um Krankengeld, ALG1 oder Elterngeld Höhe geht merken viele Frauen schmerzhaft, dass die Steuerklasse eben sehr wohl eine Rolle spielt. All diese Leistungen werden nämlich nach dem NETTO EK berechnet 😦

  2. Franziska Says:

    „Denn auf Dauer ist die Kombi aus 1/3 Arbeiten + 100% Kids +100% Haushalt der sichere Weg in die totale Erschöpfung.“
    – Amen, Sister. Dem ist nix mehr hinzuzufügen.

  3. Hannah Says:

    Ein sehr guter Post! Bleibt aber hinzuzufügen, dass es gar nicht so einfach ist, eine Putzfrau zu finden, die die Grundreinigung zur eigenen Zufriedenheit hinbekommt… leider gilt eben nicht, dass putzen doch jeder kann. Wir haben da leider schon schlechte Erfahrungen gemacht (die Arbeitsplatte in der Küche war noch voller Plätzchenteig, nachdem die Küche angeblich gereinigt wurde, zur Reinigung der Dusche gehörte anscheinend nicht, die Haare aus dem Abfluss zu holen, ebensowenig die Seifenschälchen beim Saubermachen des Waschbeckens usw. usf.), so dass wir gerade ohne Putzfrau zurande kommen (müssen). Über Tipps, wie man denn an eine „Perle“ kommt, die auch wirklich putzen KANN, wäre ich an dieser Stelle dankbar.

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