Lazerett Wochen und schlechtes Gewissen

In den letzten 3 Wochen haben wir es geschafft jeden Tag mindestens 1 Familienmitglied krank zu Hause zu haben.  Das sind die Wochen, wo ich manchmal ein AP wirklich vermisse.

Zuerst hat die große Hilfe angefangen und ist mit hohem Fieber aus der OGS gekommen.  Die jedoch nicht sofort angerufen hat, sondern die kleine Patientin erstmal auf ein Sofa zum ausruhen gelegt hat und sie dort liebevoll bemuttert hat.  Und ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich an dem Tag noch Konferenz hatte und länger gearbeitet habe als normal.

Am Abend war klar, so kann sie nicht in die Schule, also musste eine Betreuungslösung für die nächsten Tage her.  Ich hatte sofort 2x ein schlechtes Gewissen, weil ich unser Kind nicht selbst betreuen kann und weil ich Fr. Reinlich bitten muss am nächsten Tag länger zu arbeiten.

Zum Glück ist Fräulein Reinlich zur Stelle gewesen und hat die nächsten 2 Tage Überstunden geschoben und stundenlang Mensch-Ärgere-Dich nicht gespielt.

Tag 3 und 4 hat die Oma übernommen (auch hier schlechtes Gewissen weil die Oma sich ja anstecken könnte)  und Tag 5 war wieder ein regulärer Arbeitstag von Fr. Reinlich.  So haben wir die erste Woche gut überstanden und das Kind wirkte auch wieder fit.

Passend zur nächsten Woche war jetzt aber die kleine Hexe mit Bindehautentzündung und Fieber krank.  Also bin ich für einen Tag zu Hause geblieben um mit ihr zum Arzt zu gehen und dann wurde das Programm der letzten Woche wiederholt.  Mit natürlich schlechtem Gewissen weil man für Kind 1 nicht zu Hause geblieben ist und schlechtem Gewissen, weil ich mich den 2. Tag dieses Jahr Kinderkrank gemeldet habe.

Und obwohl die gesamte Zeit  objektiv gut geklappt hat, die Kinder gut betreut waren und alles lief, hatte ich also  ständig ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht die ganze Zeit für die Kinder da sein konnte, weil ich Fr. Reinlich und die Oma belastet habe, weil ich an der Schule nicht 110% leisten konnte.  Und dieses schlechte Gewissen wurde zum Teil auch von außen befeuert.  Die armen Kindern, deine armen Kollegen,  Fr. Reinlich muss aber auch hart bei euch arbeiten.

Und gerade in diesen 2  Wochen konnte auch der Papa nicht einspringen, weil in seiner Abteilung auch alle entweder im Urlaub, krank oder auf Forbildung waren.

Zum Glück hatte ich Fr. Reinlich in den Wochen vorher einige Tage Sonderurlaub gegeben, so dass wir jetzt genug Tage hatten um die Überstunden auszugleichen.

Am letzten Krankentag der kleinen Hexe war dann mein erster Tag mit Fieber und Halsschmerzen. Super.  Also konnte ich mich jetzt krankmelden.  Nach dem Wochenende dachte ich eigentlich es geht wieder, aber unsere neue Vertretungsplanung hat ein super Konzept.  Wer krank war wird mit extra vielen Vertretungsstunden belohnt.

Und nach 2 Tagen voller Vertretung in lauten Klassen war meine Stimme komplett weg und dafür das Fieber wieder da.  Super, besonders motivierend waren dann auch die Sprüche von Kollegen „Na Kinder wieder fit“.   Das ich nicht wegen der Kinder sondern eigener Krankheit gefehlt habe wollte wohl keiner glauben.  Ob diese Fragen wohl auch unseren Männern gestellt werden von denen einige auch schon länger fehlen?   Egal nach weiteren 2 Tagen in denen ich versucht habe mit Arbeitsblättern und Filmen zu überlegen ging nichts mehr und jetzt bin ich seit fast 1,5 Wochen krank zu Hause.

Meine Stimme kommt langsam zurück und ich habe für mich etwas wichtiges gelernt.  Es lohnt sich nicht sich krank zur Arbeit zu schleppen.

1) Es schadet der eigenen Gesundheit sich krank zur Arbeit zu schleppen. (das war mir aber auch schon vorher klar)

2) Es wird einem nicht gedankt, sondern du bekommst noch blöde Sprüche  als ob die Tage vorher „Urlaub“ oder „Blau machen“ waren.

3) Erzähle möglichst nicht, wenn deine Kinder krank sind.  Wenn du dich dann selbst ansteckst wird dir unterstellt du machst krank um sie zu pflegen.

4) Klare Ansagen sind zwar nicht nett, aber sie helfen.  Nachdem ich mich über die vielen Vertretungen beschwert habe ging es auf einmal auch ohne.

5) Trozt dummer Sprüche und schlechtem Gewissen ruhe ich mich meistens aus und nutze die Zeit nicht um alle Dinge zu erledigen die liegen geblieben sind.

Und jetzt sitze ich zu Hause und kuriere mich aus und habe dabei schon wieder ein schlechtes Gewissen. Den Kollegen gegenüber die für mich Vertretung machen müssen,  den Schülern gegenüber die ihre Noten nicht mehr mit mir besprechen können, meinen Kindern gegenüber die ich in der OGS lasse, obwohl ich doch zu Hause bin, meinem Mann gegenüber der eigentlich auch krank ist und sich trotzdem zur Arbeit schleppt …..   t.

Und da wird mir klar, ich tappe gerade mal wieder in die typische „Frau“ fühlt sich für alle und alles verantwortlich Fall.   Und es ist verdammt schwer diese zu umgehen.

Besonders

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4 Antworten to “Lazerett Wochen und schlechtes Gewissen”

  1. ela Says:

    Ich lese dein Blog immer wieder sehr gern und freu mich, dass es auch ohne Au-Pair immer wieder mal Neues gibt.

    Aber deine Probleme sind grad ein Stück weit hausgemacht fürchte ich.

    Kindkrank ist kein Geschenk des Arbeitgebers. Du bekommst das von ihm ja nicht bezahlt.

    Ich muss auch gestehen – bei einem wirklich kranken Kind würde ich alles mögliche versuchen um daheim zu bleiben. Glücklicherweise sehen das mein Arbeitgeber und auch meine Kollegen genauso. Da gibt es keine schrägen Kommentare, sondern es ist normal. Da würde mir das auch tatsächlich keine Ruhe lassen, wenn die ganze Zeit Oma/ jemand Angestelltes aufpassen würde. Bei einem rekonvaleszenten Kind ist das auch nochmal was anderes. Ich kann mich an meine Kindheit erinnern – wenn ich wirklich krank war, blieben wir daheim. Wenn es besser ging hat mich meine Mutter durchaus mit in den Unterricht genommen um den Ausfall abzufangen.

    Es ist ja die Frage, welches Vorbild gibst du – deinen Kollegen, deinen Kindern, den Schülern: Eine berufstätige Mutter muss funktionieren. Es funktioniert nur wenn die kranken Kinder woanders betreut werden?

    Vielleicht kommt bei mir einfach der „Ossi“ durch. Hier wird es zwar auch nicht erfreut festgestellt, wenn die Kinder wieder mal krank sind, aber es wird akzeptiert und nicht torpediert. Es gehört nunmal zum Leben dazu, wenn Kinder krank werden.

    Tut mir leid, wenn das grad irgendwie hart rüber kommt.

    Hör auf dir Gedanken zu machen, wem du es wie recht machen kannst. Irgendwer wird immer meckern.

    • aupairfamilienrw Says:

      Hallo Ela

      Danke erstmal für deine Gedanken, denn genau für solche Rückmeldungen ist ein Blog toll. Man bekommt eine andere Sichtweise.

      Aber ich glaube du hast mich falsch verstanden, wenn meine Kinder „richtig“( = Magen-Darm-Grippe, Krankenhaus, heftige Schmerzen) krank sind, dann bleiben natürlich mein Mann oder ich zu Hause.

      Und du hast völlig Recht, wenn du fest stellst, dass kranke Kinder zum Leben dazu gehören.

      Leider ist ein Nachteil meines Berufs, dass ich meine Arbeitszeiten nicht einfach verschieben kann. Wenn ich nicht arbeite müssen meine Kollegen Überstunden machen und den Schülern fehlt Unterricht. Das ist für 1-2 Tage kein Problem, aber wenn ich jedes Mal wenn ein Kind erkältet ist für 2-3 Tage zu Hause bleiben würde, dann würde ich sicher pro Schuljahr insgesamt 2-3 Wochen fehlen.

      Als Mitglied der GKV wäre es möglich das so zu machen, aber wir sind beide privat versichert, daher haben wir jeder nur 4 Tage pro Jahr für solche echten Notfälle. Und eine normale Erkältung dauert eben manchmal eine Woche bis ein Kind wieder fit ist. Und ich kann zwar im Notfall auch mal ein Kind für einen Tag mitnehmen, aber nicht wenn es noch ansteckend ist. Und für ein krankes Kind ist es auch ziemlich anstrengend den ganzen Tag in der Schule mitzulaufen.

      Daher haben wir genau aus diesem Grund eine Haushaltshilfe die auch die Kinderbetreuung in solchen Fällen übernimmt.

      Mich ärgert auch weniger so ein Spruch nach einem „Kinder krank Tag“. Da habe ich ja wirklich wegen der Kinder gefehlt, sondern die Unterstellung bei eigener Krankheit.

      Und mir ging es in meinem Post auch nicht darum, dass wir es nicht organisiert bekommen, sondern um mein „Problem“ trotz guter Organisation immer noch ein schlechtes Gewissen zu haben.

  2. apfamilie Says:

    Ehrlich gesagt, verstehe ich gerade nicht, wo der Unterschied zwischen Betreuung des kranken Kindes durch AP einerseits und Betreuung durch Fr. Reinlich oder Oma andererseits besteht?!? Du musst in beiden Fällen abwägen, ob Deine Anwesenheit notwendig ist, oder nicht. Entweder Fremdbetreuung (durch wen auch immer) oder Eigenbetreuung. Du machst Dir meiner Einschätzung nach auch ein bisschen viel schlechtes Gewissen: Fr. Reinlich arbeitet ja nicht aus reiner Nächstenliebe bei Euch, sondern weil sie dafür bezahlt wird. Und auch ihre Überstunden werden sicherlich vergütet, bzw. mit Sonderurlaub verrechnet. Gleiches gilt sicherlich für die Kollegen, die ihre Überstunden doch auf vergütet bekommen bzw. abfeiern, oder? (kenne mich bei Beamten nicht so gut aus).
    Davon abgesehen: Krank zur Arbeit geht gar nicht. Das Risiko, dass sich andere Kollegen anstecken ist viel zu groß. Ich schicke schon öfter Leute nach Hause – dort sollen sie sich auskurieren und erst wieder gesund auftauchen. Wenn ich mir meine Gesundheit ruiniere dankt mir das bei der Arbeit sowieso keiner – oder glaubst Du im Zeugnis steht dann: „Schleppte sich auch noch mit Kopf unter dem Arm auf den Arbeitsplatz, um voller Elan xy zu tun“? Wenn es mir nicht gut geht, kann ich mich nicht richtig konzentrieren und mache im Zweifel Fehler, die hinterher mehr kosten als alles andere.
    Keiner ist unersetzlich – das gilt sowohl für die Arbeit als auch bei der Kinderbetreuung zu Hause. Was Du machst, ist die Situation zu bewerten und danach nach Deiner Überzeugung zu handeln (so möglich). Dabei brauchst Du kein schlechtes Gewissen zu haben. Kinder werden unterschiedlich behandelt, weil sie unterschiedlich sind. Der eine braucht mehr betüddelei als der andere – die andere ist selbständiger bzw. unabhängiger als die eine… Und das hat nichts mit ihrem jeweiligen Alter zu tun.
    Ein schlechtes Gewissen ist meines Erachtens nur dann erlaubt, wenn Du die Situation bewußt und gewollt verursacht hast, die Dich in die angesprochenen Entscheidungssituationen / Kranksituationen bringen. D.h., wenn Du die Ursache für das Fehlen hättest vermeiden können. Da ich davon ausgehe, dass Du nicht diejenige bist, die sämtliche Krankheitserreger mutwillig einfängt, um sich ein paar Tage auf die faule Haut legen zu können, kannst Du Dir nach meiner Einschätzung Dein schlechtes Gewissen sparen. Was hättest Du denn anders machen können?

    • aupairfamilienrw Says:

      Hallo apfamilie

      Dein Kommentar ist wie immer herrlich passend. 🙂

      Natürlich wird Fr. Reinlich dafür bezahlt auf die Kinder aufzupassen und es ist für die Kinder wirklich kein Unterschied ob Fr. Reinlich ode ein AP betreuen. Die Oma ist nochmal eine andere Wohlfühlliga 😉

      Mein schlechtes Gewissen bezog sich auch eher auf das Gefühl das es mir trotz besseren Wissens immer noch schwer fällt andere durch meine völlig berechtigten Bedürfnisse zu belasten. Und hier bin ich glaube ich nicht allein. Wenn eine Mutter krank wird und sich dann auch noch das Recht nimmt sich zu schonen gilt Frau meiner Erfahrung nach immer noch schnell als egoistische und faul.

      Bei der Bezahlung meiner Kollegen sieht es leider anders aus als gedacht. Als Lehrer in NRW sind die ersten 3 Überstunden pro Monat für Vollzeitkräfte immer für Lau. Daher habe ich da schon eher ein berechtigtes schlechtes Gewissen. Denn bei über 100 Kollegen kann die Schule so 300 Überstunden ohne Bezahlung verteilen.

      Aber auch hier hast du völlig Recht, ich ärgere mich auch über Kollegen die mit Fieber, Magen-Darm und ähnlichen in die Schule kommen und sich dann brüsten wie fleisig sie sind.
      Es geht mir im Moment eher um die Frage wie lange bleibt man nach der aktuen Phase noch zu Hause um wirklich wieder fit zu werden. Und da ist das gleiche Problem. Bei den Kids ist klar, sie brauchen 1-2 Tage um wieder wirklich fit zu werden. Als Mama und Kollegin ist man häufig versucht diese Tage nicht zu nehmen. Und ich bin lernfähig und habe mich krankgemeldet.

      Mein Frust liegt eher in der Reaktion des Umfeldes auf meine Krankmeldung. Wieso wird einer berufstätigen Mutter von Seiten der erweiterten Schulleitung und Kollegen unterstellt sie wäre nicht wirklich selbst krank, sondern hätten „natürlich mal wieder wegen der Kinder“ gefehlt. Und leider ist bei uns im Moment ein abstrafen von kranken Kollegen durch verstärkte Überstunden nach der Krankheit die Regel nicht die Ausnahme. Leider wird bei uns zur Zeit Krankheit häufig mit Faulheit gleichgesetzt.

      Und das ärgert mich, denn zum einen melden sich so viele Kollegen aus Angst vor der „Abstrafung“ länger krank als notwenig. Oder noch ärgerlicher, sie kommen wieder und sind nach einer Woche erneut krank, weil sie durch die vielen Überstunden einen Rückfall erleiden.

      Wir hatten in den letzten 5 Jahren mindestens 6-10 Fälle von Burn-Out. Hier ist an meiner Schule leider ein generelles Problem.

      Auch mein Mann überlegt sich sehr gut, ob er sich krank meldet, da auch bei ihm ein kranker Kollege eine enorme Belastung für die Kollegen ist. Hier zeigt sich leider in vielen Berufen die enorme Verdichtung von Arbeit. Früher waren für Urlaubszeiten, Krankheit und ähnliches Puffer eingeplant. Heute sind die eigentlich absehbaren Zeiten immer ein Tanz am/über dem Limit.

      Mein Post war sicher überspitzt und nicht nur auf die aktuelle, sondern auf die generelle Situation Kranke Eltern – Kranke Kinder bezogen.

      Mir ging es mit dem Post eher darum meine eigenen Gefühle zu reflektieren und zu zeigen, dass man auch als berufstätige, emanzipierte und selbstbewußte Mutter immer noch sehr schnell in die Falle tappt sich für alle und alles verantwortlich zu fühlen. Und natürlich der irrige Wunsch alles 110% machen zu können.

      Wenn der Papa krank wird, dann unterstellt selten jemand, dass er bestimmt nur wegen kranker Kinder zu Hause geblieben ist. Wenn er erzählt das er zu Hause 2 kranke Kinder hat wird häufig ER bemitleidet, dass es doch sicher ziemlich anstrengend ist und nicht die Kinder, dass der Vater einfach zur Arbeit geht statt sich zu Hause um sie zu kümmern.
      Und wenn er sich Kinderkrank meldet, dann kommt häufig Erstaunen, ob denn seine Frau nicht da wäre. Denn für die meisten scheint es hier immer noch Aufgabe der Mutter zu sein sich um ihre kranken Kinder zu kümmern.

      Wie im Ausgangspost geschrieben, ich bin lernfähig. Gerade in solchen Situationen erkennt Frau wo die Prioritäten liegen und was wirklich wichtig ist. Nur Wissen und Fühlen sind leider manchmal 2 Paar Schuhe. Und um dieses Gefühl ging es mir. Zu wissen, dass ein schlechtes Gewissen überflüssig ist und sich dennoch ständig dabei zu ertappen. 😉

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