Posts Tagged ‘Alternativen zum Au-Pair’

Fräulein Reinlichs erste Arbeitswochen

September 26, 2011

Seit fast einem Monat ist unsere Putzfrau von der einfachen Putzhilfe 1x die Woche zur Haushaltshilfe die 3x die Woche kommt aufgestiegen.  Und mit diesem Aufstieg war nicht nur eine Gehaltserhöhung und der Wechsel in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis verbunden, sondern natürlich auch eine Veränderung ihres Stellenprofils.

Nach gut 3 Wochen  kann man wohl ein erstes Zwischenfazit ziehen.  Fräulein Reinlich ist glücklich über ihre neue Unabhängigkeit vom Amt und das höhere Gehalt, aber mit ihren neuen Aufgaben auch ziemlich gefordert.   Man merkt ihr deutlich an, dass sie seit Jahren nicht mehr regelmäßig über mehrere Stunden gearbeitet hat.

Aber sie gibt sich richtig Mühe und bisher läuft es bis auf  Kleinigkeiten ziemlich rund.   Und auch wir als Arbeitgeber haben unsere Aufgabe bisher wohl nicht ganz schlecht gemacht.  Aber genau wie beim AP ist Kommunikation und klare Zielvereinbarungen das A und O.

Unser Wochenplan für Fräulein Reinlich sieht folgendermaßen aus:

Anfang der Woche:  

Kleiner Hausputz (Staubsaugen im ganzen Haus und untere Etage feucht durchwischen, Badezimmer und Küche reinigen) ca.  2 Stunden

Wäsche ( trockene Wäsche abnehmen und falten/bügeln und in die Schränke räumen)  ca. 1-2 Stunden

Mitte der Woche: 

Sonderaufgaben (Schränke auswischen und sortieren,  Lampen/Türen/Schränke abstauben und mit Politur reinigen,  Fenster putzen,  Betten überziehen,  Grundreinigung einzelner Zimmer,  Keller/Terasse  fegen und aufräumen)  nach Bedarf oder Ansage.    ca. 3-4 Stunden

Ende der Woche: 

Großer Hausputz inklusive Staubwischen, Fließen abwaschen, Kinderzimmer aufräumen ….   alles in allem ca. 5-6 Stunden

 

Laut Arbeitsvertrag hat Fräulein Reinlich eine 12.5 Stunden Woche  die auf 3 Tage verteilt werden.

Die Punkte Großer und kleiner Hausputz klappen wie immer ohne Probleme, aber mit Wäsche und Sonderaufgaben tat sich Fräulein Reinlich am Anfang schwer, sie traut sich nämlich nicht einfach mit etwas anzufangen.  Mein Mann hat ihr dann nochmal deutlich gemacht, dass sie in unserem Haus jetzt eine Vertrauensstellung hat und sie außer im Büro und im Schlafzimmer alle Schränke für sie zum Öffnen und aufräumen 😉  frei gegeben sind.   Und seit dem arbeitet sie sich auch durch die Schränke und räumt auf.

Die Wäsche scheint bei ihr aber ein ähnliches Schicksal wie bei allen APs zu haben.  Stelle ich sie überdeutlich in den Flur wird sie auch erledigt, steht sie im Keller wird zwar alle trockene Wäsche abgenommen, aber nichts gebügelt oder weggefaltet.   Da ist wohl nochmal ein klärendes Wort notwendig.

 

Morgens ist sie immer überpünktlich, das war mir sehr wichtig, da sie ja im Notfall die Kinderbetreuung übernimmt wenn ein Kind krank ist.   Am Mittag können wir es nur bedingt kontrolieren und haben mit ihr vereinbart, dass sie ihre Stunden in einem Stundenzettel aufschreibt, damit wir Über- oder Unterstunden verrechnen können.

Bisher funktioniert das System für uns perfekt.  Ich komme Mittags in ein aufgeräumtes und sauberes Haus und kann frei und ohne Verpflichtung gegenüber einem AP meine Arbeiten am Nachmittag erledigen oder Zeit mit den Kids verbringen.  Den Härtetest mit spontan kranken Kind hatten wir bisher noch nicht, aber sie hat schon 2x aus anderen Gründen aufgepasst und auch das hat super geklappt.

Wir haben zwar jetzt weniger Stunden Hilfe als mit AP, aber in den 12 Stunden wird effektiv und gefühlt mehr erledigt, weil wir auch viele AP untypische Aufgaben delegieren können.  Und der riesen Vorteil für uns, wir haben unser Haus wieder für uns und es ist ein klares Chef-Angestellten Verhältnis.  Auch wenn ich Fräulein Reinlich sehr mag und ein bischen mein Helfersyndrom schon wieder durchschlägt, indem ich ihr Tips gebe wie ihre Tochter den beruflichen Einstieg möglichst gut hin bekommt.

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Vereinbarkeit von Familie und Beruf wie alles begann

August 11, 2011

Jetzt wo unsere Zeit als Gastfamilie zu ende gegangen ist, merke ich, dass ich häufig an unsere Anfänge als AP-Familie denke.  Es ist schon unglaubliche 5 Jahre her, dass wir uns entschieden haben ein AP in unsere Familie einzuladen.   Aber vor dieser Einladung lag eine lange Zeit der Überlegung und des Abwägens ob AP wirklich die richtige Form der Kinderbetreuung für uns ist. Und vor allem eine Zeit in der wir verschiedene andere Betreuungsformen ausprobiert haben.

Als unsere erste Tochter geboren wurde war ich gerade mit dem Referendariat fertig und somit erstmal arbeitslos.  Daher waren wir im klassischen System Wahnsinn  gefangen.  Bei allen Kitas und beim Jugendamt standen wir ganz hinten auf der Warteliste, weil wir ja keinen Bedarf nach Kinderbetreuung hatten.  Als Arbeitslose hatte ich ja Zeit mich selbst um mein Kind zu kümmern.

Das Problem bei Vorstellungsgesprächen war aber, dass neben dem dicker werdenden Bauch, auch die ehrliche Antwort „Ich habe noch keine Kinderbetreuung“ nicht wirklich förderlich wirkte.  Also war die Chance eine Stelle zu finden nicht wirklich toll.  Zum Glück hatte mein Mann wenigstens eine feste und sichere  Arbeit.

Nach der Geburt kam dann bei meinem ersten Besuch mit Baby auf der alten Arbeit das überraschende Angebot meines Chefs ab übernächste Woche wieder für 2 Tage als Elternzeitvertretung einzuspringen.   Dieses Angebot war eingentlich genau was ich gesucht habe.  Nicht zuviele  Stunden und in einem Bereich den ich kannte und der mir sehr viel Spaß machte.  Daher wollte ich diese Chance auf jeden Fall nutzen.     Ich habe also nach kurzem Überlegen zugesagt obwohl ich damals keine Kinderbetreuung hatte.

Zuhause habe ich dann mit meinem Mann erst gefeiert und dann in langen Gesprächen angefangen zu überlegen wie wir die Betreuung für 2x 5 Stunden organisieren könnten.  Zum Glück hatten wir die Untestützung von meiner Mutter, die zur Not die ersten Wochen eingesprungen wäre.   Und auch mein Mann hätte erstmal für ein paar Wochen Urlaub nehmen können. Aber als Dauerlösung war es nicht möglich, da auch die Oma noch berufstätig war und ich mit einer 2 Tage Stelle keine Vollzeitarbeit meines Mannes ausgleichen konnte.

Ich habe also wieder beim Jugendamt / Kita angerufen und mitgeteilt, dass ich jetzt nicht mehr arbeitslos bin und daher „Bedarf“ habe.   Aber leider war unsere Situation immer noch nicht förderfähig.  Denn „Sie müssen ja nicht arbeiten und ein sozialer Härtefall liegt auch nicht vor“  „Wir zahlen ihnen keine Tagesmutter“ .  Ich wollte die TAMU ja auch nicht bezahlt haben, sondern nur eine Adresse von guten TAMÜS die ich selbst bezahlen würde.  Aber auch hier waren alle Plätze voll.

In meiner Verzweiflung habe ich dann meine Hebamme angerufen und sie gefragt, ob sie nicht eine Mutter kennt, die gerne ein paar Euros verdienen möchte und als Tagesmutter für uns arbeitet.  Und sie hatte eine Idee:

Ihr Mann war seit langem Hausmann um ihr ihre Berufstätigkeit zu ermöglichen. Und da ihre Kinder schon aus dem gröbsten raus waren suchte er eine neue Aufgabe.  Er wollte gerne von zu Hause aus als Tagesvater arbeiten.  Ich war ja erstmal skeptisch, aber aus Mangel an Alternativen haben wir uns mit ihm getroffen und ich muss sagen wer war super.  Ich konnte unsere Tochter Morgens vor der Arbeit dort zur Not im Pyjama abgeben und er hat alle unserer Wünsche (Tragen,  Mumi füttern ….) akzeptiert und umgesetzt.  Und am wichtigsten unsere Kleine hat sich dort von Anfang an sehr wohl gefühlt.   Er hat sich super um sie gekümmert und später sogar noch ein zweites Kind  in Tagespflege genommen.

Nach ein paar Monaten war ich dann wieder schwanger und habe dadurch meine Arbeit wieder verloren.  Denn eine tolle Nebebenwirkung von Zeitverträgen ist es eben, dass normale Mutterschutz Gesetzt für sie nicht gelten.  Man kann zwar nicht gekündigt werden, aber es gibt eben auch keinen Anspruch auf Verlängerung.
Da unser Tagesvater  immer mehr Anfragen von Familien bekam und wir ihm erstmal nicht sicher sagen konnten, ob wir ihn nach den Ferien noch brauchen war unser Betreuungsplatz erstmal weg.  😦

In dieser Zeit haben wir dann unser Haus gekauft und sind umgezogen.  Und so war ich dann schwanger mit einem 1 jährigen Kleinkind wieder unfreiwillig als Hausfrau zu Hause.  Und wieder in der gleichen Situation wie vorher.  Keine Arbeit für eine Mutter mit Kleinkind  + Schwanger und keine Betreuung für eine „Nur Hausfrau“.

In dieser Zeit haben wir dann unsere große Tochter in eine private Loslösegruppe gebracht, damit sie zum einen nicht „verlernt“ auch fremdbetreut zu werden und mir selbst zumindest 2x in der Woche einen ruhigen Vormittag für Einkäufe, Arztbesuche …. zu verschaffen.  Aber diese Lösung war sehr teuer und kompliziert und keine Lösung für eine Berufstätigkeit gewesen.

In dieser Zeit kam zum ersten Mal die Idee auf ein AP einzuladen.  Im neuen Haus hatten wir ein Zimmer übrig und ein zweites Bad fürs AP gab es auch.  Daher wurde diese Betreuungslösung auf einmal interessant.  Obwohl ich nach meinem AP-Jahr in den USA immer gesagt hatte ich würde NIEMALS ein AP einladen.

Aber damals habe ich noch nicht gewußt wie schwierig es ist den Alltag mit zwei Kleinkindern U3 und Arbeit unter einen Hut zu bringen.  Aber die Idee war geboren und mein Mann und ich haben angefangen zu überlegen ob wir als Gastfamilie geeignet sind und welche Wünsche und Probleme mit einem AP  verbunden sind.


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