Posts Tagged ‘Anfänger’

Unser erstes AP – Ein Ende mit Schrecken

Oktober 16, 2011

Heute ist es auf den Tag genau 5 Jahre her, dass unser erstes AP uns verlassen hat.  Und damit unser  Abenteuer AP  ziemlich abrupt und mit einem riesen Knall beendet hat.  Aber der Reihe nach …

(more…)

Advertisements

Unser erstes AP oder unsere ersten Schritte als Gastfamilie

Oktober 4, 2011

Wir hatten also ziemlich kurzfristig und überstürzt unser ersts AP aus Kenia eingeladen.  Ich war super aufgeregt und konnte es kaum erwarten bis sie endlich bei uns ankam.  Wir haben angefangen unser Gästezimmer in ein AP Zimmer zu verwandeln.  Es wurde also neben einem Bett noch ein Kleiderschrank und ein Schreibtisch ins Zimmer gestellt und wir versuchten es so gemütlich wie möglich zu machen.  Ich habe neue Bettwäsche und Decken besorgt und mir vorgestellt wie es wohl wird  mit einem Au-Pair zusammen zu leben.

In dieser Zeit habe ich auch mein Tagebuch aus der eigenen AP Zeit wieder hervor geholt und mir meine eigenen Gefühle und Gedanken nochmal in Erinnerung gerufen.  Und nach nur 4 Wochen war dann das Visum und alle Formalitäten erledigt und wir wußten wann unser AP in Frankfurt landen sollte.

Da ich damals schon hochschwanger war, hat meine beste Freundin mich zum Flughafen begleitet, während Oma und Opa auf unsere Tochter aufgepasst haben.  Der Gatte musst wie immer arbeiten.   In Frankfurt angekommen kam die erste Überraschung.  Unser AP war nicht im angekündigten Flieger.  Nach langem Suchen und Fragen kam heraus, dass sie den Flug in Zürich verpasst hatte und damit 3 Stunden später kam.   Aber dann war sie endlich da.

Sie wirkte sehr nett aber schüchtern und hatt kaum gesprochen.  Wir sind dann erstmal etwas gemeinsam essen gegangen und haben uns dann auf die Rückfaht nach Hause gemacht.   Dort angekommen wurde das arme Mädchen sofort von der kompletten Familie begrüßt.  Sie war auch da sehr ruhig und hat kaum gesprochen.   Aber das habe ich damals auf ihre lange Reise und Unsicherheit geschoben.

Am nächsten Tag sind wir dann sofort zum Ausländeramt und der Stadtverwaltung gefahren, weil ich gerne alle Behördenwege vor der Geburt unseres 2. Kindes erledigen wollte.   Die Ankunft unseres APs war im September und es war genau wie dieses Jahr noch sehr warm.  Also haben wir zur Feier ihrer Ankunft erstmal  schön gegrillt. Dabei gab es die ersten Überraschungen beim Essen.

Unser AP wollte keinen Salat roh essen.  Sie hatte Angst, dass er Krankheiten enthält.  Zuhause würden sie sowas immer kochen.  Und auch sonst war sie von unserem Essen nicht begeistert und hat ziemlich direkt angefangen sich immer selbst etwas anders zu kochen.  Meistens mit großen Mengen an Öl, Chili und Ketschup.   Sie wollte nämlich zu jeder Mahlzeit etwas warmes.  Brot zum Frühstück oder Abendbrot kannte sie nicht und wollte sie auch nicht essen.

Wir hatten damals schon fast ein schlechtes Gewissen und haben sie kochen lassen.  Vor allem weil ihre afrikanischen Gerichte sehr sehr lecker schmeckten 😉 .   Aber es war auf Dauer schon problematisch, wenn immer einer etwas anders ißt wie der Rest der Familie.

Auch im Alltag gab es viele Überraschungen:

Unser AP hatte Angst vor der Dusche und hat die ersten Tage nicht geduscht.  Ihre Mutter hatte es ihr verboten, weil in Kenia viele Duschen elektrisch beheizt werden und es häufig Stromunfälle gibt.  Da sie bei uns nirgens den Strom sehen konnte hat sie lieber kein Risiko eingehen wollen.

Beim Abwaschen hat sie die Spülmaschine ignoriert und alles unter kalten laufenden Wasser abgewaschen.  Eben so wie sie es von zuhause kannte.

Wenn sie das Haus verlassen hat, hat sie häufig nicht abgeschlossen oder alle Fenster offen gelassen.  Denn Deutschland soll doch so sicher sein.

Ein Haarpflegeprodukt von ihr hat im ganzen Haus an Wänden,  Sessellehnen und anderen Orten schwarze Streifen hinterlassen.  Und die Dusche war auch nach der Überwindung der ersten Angst schwarz.

Unser AP hatte einen sehr starken Eigengeruch.  Und es lag nicht daran, dass sie unsauber war.  Sie war sehr ordentlich und sauber und trotzdem hat das ganze Haus nach ihr gerochen.  Ich weiss bis heute nicht woran es lag.  Vielleicht an den vielen scharfen Gewürzen,  irgendeinem exotischen Parfum …..

Unser AP war extrem abergläubisch und hatte panische Angst von Hexen, Flüchen und bösen Blicken.  Diese Angst hat sie auch unserer Tochter vermittelt und ständig mit uns über das Thema gesprochen. Am Anfang fand ich es spannend, aber auf Dauer war es sehr anstrengend einem erwachsenen Menschen immer wieder zu sagen, dass es erstens keine bösen Blicke gibt und die Behinderten hier im Ort auch keine Monster sind.  Und vor allem ihr klar zu machen, dass ich diese Form des Aberglaubens bitte nicht an meine Kinder weitergeben möchte.

Unser AP hatte gefühlt 2 Minuten nach ihrer Ankunft schon diverser Kontakte übers Internet und hing ständig am Telefon.  Nicht nur mit der Heimat wurde täglich telefoniert, sie bekam auch ständig Anrufe von diversen Männern, die alles deutlich älter klangen.

Auf unserem PC, denen sie mitbenutzen durfte, war nach einigen Tagen massenhaft neue Software installiert und ich wurde auch schon mal von Helmut 52 begrüßt.  Sie hatte also auch hier heftig Kontakt zu deutschen Männern gesucht.  Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet.  Ziemlich schnell haben wir ihr ein eigenes Telefon ins Zimmer gestellt, damit wir zumindest von den Anrufen bis spät in die Nacht verschont wurden.

Unser AP kam mit völlig unzureichenden Klamotten hier an.  Sie hatte weder eine Jacke noch vernüftige Schuhe.  Sie hatte eigentlich nur Flip Flops und ein paar T-Shirts.  Also haben wir erstmal einige Jacken und Pullis von uns an sie abgegeben und ich habe ihr ein paar vernüftige Schuhe für den Herbst gekauft.  Allerdings alles auf unsere Kosten.

Denn sie hatte ihr erstes Taschengeld komplett direkt am nächsten Tag nach Hause geschickt.  Sie teilte uns mit, dass sie damit ihre Schulden für den Flug an die Familie bezahlen müsse.  Für mich war das überraschend, da sie ja jetzt für die nächsten 4 Wochen 0€ für Freizeit oder andere Dinge hatte.

Aber trotz all der seltsamen und überraschenden Dinge waren wir mit unserer Entscheidung für ein AP doch recht zufrieden.  Denn sie gab sich wirklich Mühe und bot ständig an auch noch mehr zu helfen.  Sie wollte unser Auto waschen,  Überstunden machen und war auch sonst sehr hilfsbereit.  Aber da ich ja keine böse Gastmutter sein wollte, habe ich immer darauf geachtet, dass sie auch wirklich nur ihre 30 Stunden arbeitet.  Selsamer Weise wirkte sie dadurch eher unglücklich.

Mit unserer Tochter kam sie gut zurecht und sie hat auch recht schnell wickeln gelernt.  In diesen ersten Wochen hat sie vor allem  viele Spaziergänge mit dem Kinderwagen gemacht und mit unserer Tochter im Kinderzimmer gespielt.   Nicht so toll fand ich dann, als ich mitbekam, dass sie häufig gar nicht spazieren ging, sondern ihre Freundin im Ort besuchte und dort TV schaute während unsere Tochter im Zimmer spielte.

Ein Problem wurde die Sprache, sie konnte zwar etwas Deutsch, aber sie hatte wenig Interesse es auch zu benutzen. Da sie sehr gut Englisch sprach, haben wir am Anfang fast nur auf Englisch gesprochen und das wollte sie auch gerne so beibehalten.  Wir haben es selten geschafft wirklich auf Deutsch mit ihr zu sprechen.  Vor allem wenn es Problemem gab hat sie so getan, als ob sie nichts versteht.

Ein zweites Problem wurden ihre Männerbekanntschaften und ihr Umgang mit Gesetzen.  Sie teilte uns schon nach 2-3 Wochen mit, dass sie am Wochenende nach München fahren würde und dort Helmut 52 treffen wollte.  Auf meine Frage wie sie das bezahlen wolle, kam nur:  Das zahlt er und im Zug nutze ich die Bahncard meiner Freundig.   Toll ich habe versucht ihr klar zu machen, dass erstens schwarzfahren verboten und teuer ist.  Und vor allem, dass wir sie nicht einfach aus München retten können, wenn der „Freund“ sie nur benutz oder schlimmeres vorhat.  Es hat sie nicht wirklich gestört.   Für uns war es aber schon ein Schock, da wir mit so einer Einstellung nicht gerechnet haben.

Und so stellten wir nach gut 4 Wochen Gastfamilie sein fest, dass es doch ganz anders war wie wir es uns vorgestellt haben und das ein AP ganz andere Ziele, Ideen und Motive haben kann als ich es damals in den USA hatte.   Und wir fragten uns auch ob sich unser AP wohl bei uns wohlfühlen würde.

Wir suchen unser erstes AP

September 10, 2011

Wir hatten unseren Tagesvater über die Sommerferien verloren, nachdem mein Vertrag dank Schwangerschaft nicht verlängert wurde.  Ich war also arbeitslos und wir waren endlich ins eigene Haus gezogen.  Dort war ich ohne Putzfrau, mit einem Kleinkind und dickem Bauch also wieder  Hausfrau.   In den Ferien kam völlig überraschend das Angebot eine Stelle für 2 Jahre anzutreten.  Das war für uns wie ein 6er im Lotto.  Denn ich wollte gerne arbeiten und wir konnten das Geld auch mehr als gut gebrauchen.  Wir hatten zwar so finanziert, dass im Notfall auch ein Gehalt ausreicht, aber eigentlich war schon vorgesehen, dass wir mittelfristig wieder beide arbeiten.  Also wurde wieder eine Kinderbetreuung gesucht.  Nachdem schon bei der letzten Suche nach einer Tagesmutter/Kinderfrau klar wurde, dass eine bezahlbare und sympathische und kompetente  Bewerberin ungefähr so selten war wie ein Baby, dass mit 4 Wochen durchschläft, standen wir wieder vor der Frage wie wir die Kinderbetreuung nach der Geburt unserer zweiten Tochter organisieren konnten.

Zunächst haben wir erneut versucht über Arbeitsamt und lokale Zeitung eine Kinderfrau zu finden, aber leider haben sich nur super tolle Erzieherinnen gemeldet, die leider mindestens 1500€ verdienen wollten oder bezahlbare ältere Damen, die aber leider entweder ein Alkoholproblem hatten,  beim Probearbeiten einschliefen, oder mein persönliches Highlight begeistert erzählen, dass ihrer Meinung nach ein Klaps noch keinem Kind geschadet habe.   Nach 3 Wochen  Suche haben wir entnervt aufgegeben und uns nach Alternativen umgesehen.

Beim Jugendamt des neuen Wohnorts war man zwar deutlich freundlicher, aber Tagesmütter bei denen 2 Kleinkinder schon vor 7.00 Uhr abgegeben werden können, das hatte man leider nicht. Der Lösungsvorschlag, doch einfach 1 Stunde später anzufangen, fand überraschend weder bei meiner neuen Schule noch in der Klinik meines Mannes Beifall.

Als wir schon nicht mehr zu hoffen gewagt hatten überhaupt noch jemand zu finden, stellte sich bei uns eine nette junge Mutter vor, die bereit war bei uns als Kinderfrau im Haus zu arbeiten und auch früh anzufangen, aber sie müsse ihren Sohn mitbringen, der gerade mal 2 Monate jünger als unsere Tochter war.  Diese junge Mutter war unsere Rettung, aber eigentlich auch schon über unserem Budget.  Sie war selbst noch Studentin und daher recht flexibel, aber es war für beide Seiten klar, dass es leider kein Dauerjob würde.  Denn die junge Frau wollte natürlich in ihrem richtigen Beruf Fuss fassen und wir konnten uns auf Dauer 9€ die Stunde  für 20-30 Stunden die Woche auch nicht leisten.  Aber bis zum Mutterschutz konnten wir mit ihrer Hilfe erstmal überbrücken.

In dieser Zeit kamen erst noch sehr zart, aber immer häufiger die Überlegungen, ob nicht auch ein AP eine Lösung wäre.  Ich war ja selbst AP gewesen und war fest überzeugt, dass ich ganz bestimmt nie ein AP haben würde, weil ich es furchtbar fand meinen Kindern jedes Jahr eine neue Kinderbetreuung zuzumuten.   Aber nach unseren bisherigen Erfahrungen erschien eine verlässliche Lösung für 12 Monate schon ziemlich himmlisch.   Und die notwendigen Bedingungen hatten wir jetzt.  Es gab ein freies Zimmer, wir hatten die Sicherheit für 12 Monate das  Taschengeld und Versicherung zu zahlen.    Blieb die Frage:  Wollten wir wirklich unser Haus mit einer völlig Fremden teilen und ihr unser Kind anvertrauen?

In langen Gesprächen und Diskussionen mit meinem Mann sind wir zu dem Schluss gekommen wir wagen das Abenteuer und versuchen ein AP zu finden.  Ich fing in dieser Zeit an zu überlegen was ich als Gastmutter alles besser und anders machen würde als meine eigene Gastmutter und wie schön es wäre ein tolles AP zu haben, dass uns hilft und dem wir Deutschland zeigen können.  Ich erstellte Listen mit allen Wünschen und Anforderungen die ich an ein AP hätte. Man könnte auch sagen, ich bin ein zweites Mal auf die netten Hochglanzbroschüren der AP Agenturen reingefallen.

Der Anruf bei der ersten Agentur brachte mich dann auf den Boden der Tatsachen zurück. Dort wurde mir sehr deutlich gesagt, dass wir mit 2 Kindern U3, davon ein Baby, Wohnort auf dem Land so gut wie nicht vermittelbar wären.  EU APs bräuchten wir gar nicht erst zu versuchen.   Aber uns wurden dafür immer wieder Afrikanische APs als die besten überhaupt angepriesen.  Diese Mädchen wären sehr kinderlieb, absolut zuverlässig und sehr dankbar eine nette Familie zu finden.  Und die meisten dieser APs hätten sehr viel Erfahrung im Umgang mit Babys, daher bräuchten wir uns dort keine Sorgen zu machen.

Wir überlegten kurz und kamen zu dem Schluss, dass für uns nichts gegen ein afrikanisches AP sprach.  Im Gegenteil es erschien uns super spannend und aufregend eine junge Frau aus einem so fernen Land kennen zu lernen.  Die einzige Sorge die ich hatte war, dass das AP evt. Probleme mit rassistischen Äußerungen bekommen würde, aber zum Glück waren auch unsere Nachbarn und Freunde eher neugierig und begeistert.

Die Agentur die uns dann unser AP vermittelte, hatte auch ein ganz besonders tolles Angebot.  Sie hatte quasi das perfekte AP, dass von einer ganz bösen Familie einfach erst eingeladen wurde, und dann kurz vor der Visa Beantragung wieder ausgeladen wurde.  Dieses Mädchen wäre für uns perfekt.  Sie spräche super Deutsch, hätte 6 Geschwister und könnte quasi sofort kommen.  Da wir unter Zeitdruck standen und uns die Bewerbung des Mädchens sympathisch war luden wir sie nach einem sehr kurzen und häufig unterbrochenen Telefonat ein.

Heute ist mir klar, dass wir damals so gut wie jeden Anfänger Fehler gemacht haben, den es nur gibt, aber damals war ich euphorisch, begeistert und konnte die Ankunft unseres APs kaum erwarten.


%d Bloggern gefällt das: