Posts Tagged ‘Au-Pair Abschied’

Abschiedsessen und Kuchen

August 4, 2011

Ja wir hatten ein Abschiedsessen und Ja es gab auch einen Abschiedskuchen von Olga.  Aber der Reihe nach.

Olga hatte schon am Mittwoch einen wunderschönen Maulwurfskuchen gebacken, aber nicht für uns, sondern für die anderen APs im Ort.  Wurde mehrfach erwähnt, aber am Abend durften wir die Reste dennoch probieren und er war sehr lecker.

Am Donnerstag hat Olga dann für uns tatsächlich einen typisch heimatlichen Kuchen gebacken der auch super lecker war.  Was ich persönlich sehr schade fand sie hatte kaum Interesse ihn auch mit uns gemeinsam zu verspeisen.  Ich musste zum Kaffee rufen und auch da wie immer kam sie mit über 15 Minuten Verspätung = wir waren alle schon fast fertig.

Das Abschiedsessen lief nach einem ähnlichen Muster ab.  Wir hatten uns für 18.00 Uhr „verabredet“ und vor allem die Kinder waren super aufgeregt.  Erstens gehen wir nicht jeden Tag mit der ganzen Familie in ein schickes Restaurant und zweitens war es ja ein besonderer Abend für Olga.  Nebenbei wollten wir auch noch den letzten Kiga Tag der großen Hilfe feiern.

Der beste aller Gatten hat den ganzen Nachmittag Stemmarbeiten im Haus durchgeführt und ich hatte große Wäsche gemacht und mit den Kids die Kinderzimmer sortiert.  Olga verbrachte den Nachmittag wie die letzten 13 schlafend oder am PC.

Um 17.00 haben wir uns alle schick gemacht, die Kids aufgehübscht und standen um 17.55  bereit zur Abfahrt im Flur.  Die Kinder sind dann total aufgeregt hoch zu Olga und was sagt sie?

Genau:    „Ich komme in ein paar Minuten ich muss noch kurz telefonieren !“

Mit gut 15 Minuten Verspätung sind wir dann zum Essen gefahren.  Im Restaurant selbst war es dann wirklich nett.  Wir haben uns normal unterhalten und die Kinder haben es genossen mal richtig schick essen zu gehen.  Aber auch dort hat Olga keinen Handschlag gerührt.  Kinder wollten Fische im Aquarium schauen,  Kleine Hexe muss auf Klo,  Kinder brauchen Hilfe am Salat Buffet  egal was anstand Olga blieb brav auf ihrem Stuhl sitzen.    Dafür schlug sie direkt bei Ankunft vor, dass wir ja alle Steaks aus dem Selbstbau Programm essen könnten =  das teuerste Essen.

Sie hat dann zwar doch nur ein Schnitzel bestellt, aber der Eindruck passte einfach.   Nach dem Essen sind wir mit zwei glücklichen aber aufgedrehten Kids nach Hause gekommen.  Dort ist Olga dann auch sofort wieder in ihr Zimmer verschwunden und wir haben die Kinder ins Bett gebracht.  Der Sekt im Kühlschrank für die Erwachsenen Nachfeier ist dann eben ungenutzt dort geblieben.

Samstag hat sich dann das gleiche Spiel nochmal beim Frühstück wiederholt.   Hatte ich eigentlich schon Olgas Frühstücksradar erwähnt 😉 ?  Aber das ist besser Stoff für einen neuen Beitrag.

 

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Abschied vom Gastfamilie sein

August 2, 2011

Nach über 5 Jahren Gastfamilie sein fühlt es sich noch sehr ungewohnt an jetzt ohne AP zu leben.   Wir haben uns noch nicht daran gewöhnt unser Haus wieder ganz für uns zu haben.  Man merkt es an den Kleinigkeiten.  Wenn der Gastvater Abends noch schnell Duschen will und automatisch den Bademantel überzieht und dann feststellt er muss das nicht mehr 😉 .

Wenn ich morgens automatisch für eine fünfte Person den Tisch decken will.  Wenn wir beim Einkaufen überlegen ob noch genug Cornflakes, Nutella, Toast für Nimmersatt da ist oder man beim Abendessen nach ihr rufen möchten.  Dann merkt man wie sehr man sich an das Leben zu fünft gewöhnt hat.

Auf der anderen Seite  stelle ich überrascht fest, dass trotz Krankheit und Renovierungschaos der Alltag ohne AP fast runder läuft als mit.  Wir müssen nicht mehr jeden Abend entweder 10 Minuten auf Olga warten oder ohne sie anfangen und den Kids erklären, warum wir zwar alle pünktlich kommen aber unser AP es auch nach 12 Monaten noch nicht schafft. Ich kann in Ruhe ein Buch lesen ohne alle 10 Minuten mit irgendeiner Frage oder erfundenen Geschichte konfrontiert zu werden.

Wir können  mit den Kindern auch mal fünf gerade sein lassen ohne vom AP ständig Bemerkungen a la „Also in meiner Heimat hätte man dafür aber eine gehauen bekommen“  „Das hätte ich als Kind aber nicht gedurft“ zu hören.   Sie hat gerade in den letzten Wochen ein ziemlich impertinentes AP-Echo in Erziehungsfragen entwickelt.  Immer wenn ich eins der Kinder ermahnt oder geschimpft habe kam von ihr in einem ziemlich unfreundlichen Ton „WAS HAT MAMA GESAGT  DU SOLLST HÖREN!“  Und das Highlight hat sie am letzten gemeinsamen Frühstück gebracht.   Da hat sie doch glatt vor den Kids gesagt.  „Bei uns würdet ihr für so ein Verhalten geschlagen“  Damit hat sie beide Kinder zutiefst geschockt und ihnen den Abschied wohl noch einfacher gemacht 😦

Sie hat den Kindern gegenüber mehr als deutlich gezeigt, dass sie für sie nur „Arbeit“ sind und sie konsequent ignoriert in ihrem Urlaub.  Für die Kinder eine sehr unschöne Erfahrung.  Für uns aber leider nur die Bestätigung unseres schon länger anhaltenden Gefühls, dass sie nicht nur ihre Familie, Freunde und Lover, sondern auch uns nur als Mittel zum Zweck sieht.

Das Fazit für dieses AP Jahr fällt mir unglaublich schwer.  Sie hat ja nie wirklich riesen Fehler gemacht oder war offen unfreundlich, aber man hat eben je länger sie hier war immer deutlicher gemerkt, dass sie keinerlei echtes Interesse an uns hat.

Auf der anderen Seite hat sie bis zum Schluss immer wieder verkündet sie hätte sich bei uns wie zu Hause gefühlt und das glaube ich ihr 110%.  Klingt seltsam ist aber so.  Sie hat sich nämlich wirklich so verhalten.  Sie hat  bei offener Tür die Toilette benutzt,  ihre Unterwäsche offen im Bad aufgehängt,  sich jederzeit in der Küche, Flur oder Wohnzimmer bequem hingesetzt egal ob wir gerade ein persönliches Gespräch führen oder TV schauen.   Sie hat uns immer mit ihren Problemen um Hilfe gebeten.  Sie hat ohne Hemmungen alles ge- und benutzt was ihr zur Verfügung stand.   Sie hat also gelebt wie ein drittes Kind, aber leider ohne auch etwas echtes von sich zurück zu geben.

Im Nachhinein könnte man jetzt sagen wir hätten viel früher eine Bremse ziehen müssen und uns von ihr trennen, aber ihre Aufgaben hat sie bis auf wenige Ausnahmen erfüllt. Nicht überragend oder mit Begeisterung, aber sie hat gemacht was man von ihr verlangt hat.  Sie hat auch immer sofort alles akzeptiert und eingesehen wenn wir eins von zahlreichen klärenden Gesprächen geführt haben nur leider ihr Verhalten nicht wirklich dauerhaft geändert.   

Was bleibt von Olga?

– Der Name Nimmersatt und ein Bild vom AP im Bademantel.

– Ein wirklich toller Start und erster Eindruck

– Die klassische Antwort auf den Ruf zum Essen :  “ Ich komme in ein paar Minuten“    „Ich musste noch mit Mama telefonieren“

– Der obligatorische Anruf ihres Lovers um 23.30  der zuverlässiger war als der Funkwecker

– Die Erkenntnis, dass man für 12 Monate in einem fremden Land leben kann ohne auch nur einen einzigen Ausflug selbst bezahlt zu haben oder auf eigene Faust etwas unternommen hat.

Ich hatte bis zum Schluss ein schlechtes Gewissen, dass wir auf das Ende gewartet haben und ich keine echte Trauer empfand.  Aber ich habe mich dennoch bemüht ihr einen schönen Abschied zu machen und sie hat bis zum Schluss alles als selbstverständlich genommen und ignoriert.    Bei allen anderen APs habe ich gerne zum Abschied ein schönes Photobuch mit gemeinsamen Erinnerungen erstellt. Ging bei ihr nicht, weil sie alle Feiertage/Familienfeste und ähnliches verpasst hat.   Oder ich habe ein persönliches Geschenkt gesucht, aber sie hat alle Angebote abgelehnt.  Selbst die Idee in ihrem Urlaub eine Kurzreise zu machen fand sie doof.    Also gab es nur eine Kerze und ein bischen Deko für ihr neues Zimmer.

Es war auch nicht alles schlecht mit Olga  und in ein paar Wochen werde ich sicher schon viel milder auf das Jahr zurück blicken.  Aber heute musste es einfach mal raus.


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