Posts Tagged ‘Feminismus’

Vollzeitarbeit versus Teilzeitarbeit

Februar 5, 2013

Wenn aus Partnern Eltern werden steht  mit einem Mal die Frage im Raum wie die Aufteilung von Erwerbsarbeit,  Hausarbeit und Familienarbeit zwischen den Partnern   in Zukunft aussehen wird.  Und da in Deutschland leider immer noch sehr häufig die Männer den höher bezahlten Beruf haben ist hier meist nur eine theoretische Wahlfreiheit gegeben.   Denn mit der Geburt eines Kindes  steigen die Fixkosten  bei sinkendem Familieneinkommen.    Daher stehen häufig Mütter vor der Frage:  Wie lange steige ich völlig aus meinem Beruf aus und wann mit welchem Umfang an Arbeit wieder ein.   Die gleichen Überlegungen gelten natürlich auch für Väter in Elternzeit deren Frauen Vollzeit arbeiten und die Hauptverdiener der Familie sind.

Da wir bei der Geburt unseres ersten Kindes auch in der Situation waren, dass nur mein Mann eine feste unbefristete Stelle hatte war klar, dass ich zunächst die Betreuung übernehmen würde.  Und wenn man aus der Arbeitslosigkeit versucht eine Kinderbetreuung übers Jugendamt zu beantragen läuft man in die erste Falle.   Ohne Arbeit keine reale Chance auf einen Betreuungsplatz, denn die sind für „berufstätige Mütter“.  Aber ohne Betreuung hat man mit Baby leider auch keine realen Chancen auf eine Arbeit, weil man ja wenn überhaupt nur Mütter mit einem „sicheren Betreuungsplatz“ einstellet.    Daher auf jeden Fall daran denken euch auf die Wartelisten einzutragen solange ihr noch Arbeit habt.  Gerade bei befristeten Verträgen die vor oder im Mutterschutz enden,  kann hier ein echtes Problem entstehen.   😦

Wenn man dann nach einigen Wochen/Monaten/Jahren wieder anfangen muss/will zu arbeiten steht Frau vor der Entscheidung:  Minijob, Teilzeit oder Vollzeit?   Hier ein paar Überlegungen die einem häufig nicht auf den ersten Blick einfallen.

Minijob:

Ist für viele die vermeintlich praktischste Lösung um erstmal wieder vorsichtig anzufangen.   Und es wird auch als Vorteil gesehen, dass man ja keine Abzüge hat und Brutto für Netto arbeitet.  Für mich hat diese Art zu arbeiten aber ein paar entscheidende Nachteile:

1) Ich bin nicht sozialversichert, daher habe ich weder Anspruch auf Kinderkrankentage,  Krankengeld wenn ich länger als 6 Wochen krank bin, Arbeitslosengeld wenn ich meine Arbeit verliere.

2) Bisher hat man keine Ansprüche für die Rente angesammelt.  Für 1-2 Jahre vielleicht noch kein Problem, aber wer langfristig in diesen Jobs arbeitet bekommt nach einem langen Arbeitsleben im schlimmsten Fall eine Rente von  0€.

3) Die meisten 400€ Jobs sind schlecht bezahlt und mann bekommt nur einen sehr geringen Stundenlohn.  Je nach Unternehmen werden Urlaubsansprüche, Weihnachtsgeld oder andere tarifliche Leistungen die einem eigentlich zustehen nicht oder nur teilweise gezahlt.

4) Im Betrieb wird man nicht als vollwertige Mitarbeiterin, sondern als „Aushilfe“ oder  gelegentlicher Gast wahrgenommen und Karriere ist in dieser Form der Beschäftigung nicht wirklich möglich.

5) Gerade Aushilfen werden für unattraktive Arbeitszeiten oder sehr flexibel eingesetzt.

6) Die Kosten für Kinderbetreuung sind im Vergleich zum EK häufig sehr hoch.

7) Da Frau ja nur ein paar „Stündchen“ arbeitet bleibt häufig die Haus- und Familienarbeit weiterhin zu 100% an ihr hängen.

 

Teilzeit:

Bietet einem die Möglichkeit  wieder in die Sozialversicherung zu kommen und somit die eigene Absicherung zu erhöhen und trotzdem bleibt noch Zeit für die Aufgaben zu Hause.  Häufig hat man freie Tage in der Woche oder muss nur bis Mittag arbeiten.   Wenn man einen guten Arbeitgeber hat kann man  seine Arbeitszeit den  Betreuungszeiten der Kinder und den Arbeitszeiten des Partners anpassen.   Für mich hat aber auch diese Form der Arbeit einige Nachteile:

1) Man hat durch die Abzüge in der Sozialversicherung und Steuern (hier ist die vermeintliche Steuerklasse IV besonders tückisch)  häufig nur unwesentlich mehr  Nettoeinkommen  im Vergleich zum Minijob.   Daher fällt gerade hier häufig der Satz „Es lohnt sich ja für mich nicht zu arbeiten!“   Wobei Rentenansprüche, Absicherung und Karrierechancen  häufig in die Rechnung nicht einbezogen werden.

2) Als Teilzeitkraft arbeitet man häufig deutlich effektiver als eine Vollzeitkraft, da Pausen wegfallen und man die „paar“ Stunden die man arbeitet voll  nutzt.   Diese Effektivität wird jedoch nicht anerkannt, sondern es kommen häufig Sprüche wie „Na schon wieder frei“   „Ich möchte auch mal jeden Mittag gehen können“     „Und wir dürfen jetzt den Rest der Arbeit erledigen“ …..  Hier zeigt sich ähnlich wie beim Minijob, dass TZ Kräfte häufig als  Mitarbeiter zweiter Klasse gesehen werden und bei Karriere  und Beförderung auch häufig übersehen werden.  Denn sie sind ja „nicht voll“ dabei.

3) In vielen Berufen gibt es unbezahlte Nebentätigkeiten die zusätzlich zur normalen Arbeitszeit anfallen.  Meetings, Dienstreisen,  Fortbildungen hier wird häufig auch von TZ Kräften 100% Engagement erwartet aber nur die TZ Bezahlung gezahlt.   Ein Punkt der mich in den Jahren als TZ Kraft immer mehr geärgert hat.

4) Gerade wenn man 50-70% TZ Stellen hat ist die zeitmäßige Belastung  inkl. Fahrzeiten kaum niedriger als bei einer Vollzeitstelle, aber  die Arbeitsteilung in der Familie ändert sich häufig nicht entsprechend, weil ja der Partner immer noch „mehr Arbeitet“.  Hier wird jedoch Haus- und Familienarbeit meistens nicht in den Vergleich mit einbezogen.    Und eine Entlastung durch Putzfrau und Co ist bei den meisten EK in diesem Bereich noch nicht finanzierbar, da ein großteil des EK für Kinderbetreuung ausgegeben wird.

 

Vollzeit:

Man ist ein vollwertiges Mitglied im Team und wird genau wie alle anderne bezahlt und hat zumindest theoretisch die gleichen Chancen auf Karriere und Beförderung.  Für mich war es erschreckend wie sehr sich das Verhalten einiger Kollegen mir gegenüber geändert hat seit ich Vollzeit arbeite.  Auf einmal bin ich nicht mehr nur eine „Mutti“, sondern eine „richtige Kollegin“.   Dabei mache ich nicht mehr an Sonderaufgaben oder verhalte mich anders.   Nur mein EK hat sich deutlich erhöht.  Im Gegenteil ich werde sogar seltener gefragt ob ich nicht „mal eben“ etwas erledigen kann, weil ich ja als TZ Kraft genug Zeit habe. Und auch in der Partnerschaft ist mit diesem Modell klar, dass beide die gleiche Arbeit im Beruf leisten und daher über die Verteilung von Haus- und Familienarbeit neu verhandelt werden muss.  Ein weiterer Vorteil ist für mich auch die größere Unabhängikeit von nur einem Arbeitgeber.   Man kann mit 2 vollen EK  deutlich eher sagen:  „Das muss ich mir nicht bieten lassen“ und sich in Ruhe eine neue Arbeit suchen, wenn der Partner auch in der Lage ist die Fixkosten zu tragen.

Aber auch Vollzeitarbeit hat natürlich Nachteile:

1) Man braucht eine wirklich gutes und zuverlässiges Betreuungsnetz in dem sich die Kinder wohl fühlen und das seine Aufgaben auch wirklich dauerhaft und verlässlich erfüllt.  Betreuungsplätze die 45 Stunden zu den benötigten Zeiten abdecken sind schwierig zu finden und durch Fahrzeiten häufig nicht allein ausreichend.  Hier kommen dann wieder Tagsmütter, Au-Pairs oder Omas ins Spiel.

2) Wenn mann nicht genug verdient um sich externe Entlastung (Putzfrau, Bügelservice, Babysitter ….) zu leisten ist es eine enorme Belastung eine volle Stelle + Hausarbiet (egal ob 50/50 oder 100%) + Familienarbeit zu leisten.

3) Die Familie hat in der Regel einen sehr strukturierten Alltag und die Kinder müssen sich dem Arbeitzeiten der Eltern anpassen.  Das bedeutet unter der Woche wenig Zeit für Familienleben am Nachmittag.

4) Es wird einem häufiger von Kolleginen ein schlechtes Gewissen gemacht, das Frau so egoistisch ist und nur weil ihr Rente,  Absicherung, Unabhänigkeit und Spaß an der Arbeit auch wichtig sind ihre Kinder in eine Betreuung „abschiebt“.

Mich würde interessieren wie  andere Mütter zu dieser Frage stehen und welche Aspekte für euch bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben.

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Sexismus in der Schule

Januar 29, 2013

Die Diskussion über Sexismus verfolge ich seit Tagen mit einer Mischung  Begeisterung, dass dieses Thema endlich  zur Sprache kommt und Entsetzen und Trauer, wie alltäglich Sexismus immer noch ist.

Und wenn Frau anfängt über das Thema nachzudenken wird schnell klar wie alltäglich Sexismus auch in meinem Leben ist.

Beispiele:

Mit ca. 13-14 Jahren in der Bücherrei für ein Schulreferat gearbeitet habe (noch die Zeit vor Wikipedia) hat sich ein Mann vor  mich gesetzt seinen Schwanz aus der Hose geholt und sich in aller Seelenruhe einen runter geholt.  Ich war völlig geschockt und völlig verängstigt.   Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit den Mut gefunden habe  zur Aufsicht zu gehen hat dich mich mit den Worten „Ja den kennen wir schon, der ist harmlos“  nach  Hause geschickt.   Ich hatte den gesamten Weg einfach nur Angst ob mir der Fremde folgt.

Mit Anfang 20  im Schwimmbad der fremde Mann der mich im Whirpool befummelt hat.   Ich habe es erst gar nicht bemerkt, weil man Freund neben mir saß und ich zunächst dachte es ist seine Hand.  Als ich ihn fragend anschaute, was sowas in der Öffentlichkeit soll, wurde uns beiden klar was da gerade passiert.

Als Arbeitnehmerin die Sprüche von Kollegen, wenn sie einen als Mutti bezeichnen oder  sich darüber witzig machen, dass sie es nicht nötig haben etwas im Haushalt zu tun.

Sprüche über meine Schulleiterin a la :  „Die hat ja keine Kinder und daher keine Ahnung“   „Wie hat die es nur so schnell an die Spitze geschafft“  nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen.

Bemerkungen über meine „armen Kinder“ wenn bekannt wird, dass Frau trotz 2 Kleinkindern arbeiten gegangen ist.

Fragen von Schülern warum Frau denn überhaupt arbeitet wenn man doch einen Mann hat der genug verdient.

Respektlosigkeiten von Schülern  wenn sie einen mit Gesten und Blicken zu verstehen geben was sie von einer weiblichen Lehrkraft halten.

Körperliche Nähe bewußt als Machtmittel eingesetzt und zwar von Schülern und Kollegen.

Abspielen von frauenfeindlicher Musik  und dekorieren der Klassezimmer mit nackten Frauen mit Tolerierung von Kollegen.

Sprüche von Kollegen wenn Frau das Problem anspricht:  Tja bei mir (=Mann) gibt es keine Probleme.    Liegt wohl an dir.

Der Umgang von Schülern untereinander.

Schlampe,  Nutte und ähnliches wird „liebevoll und nett“   gemeint und von Mädchen  vermeintlich als Kompliment aufgefasst.

Opfern von Übergriffen wird die Schuld zugeschoben.  War eben zu „nuttig“ angezogen,  am falschen Ort …..

Männliche  Opfer von sexueller Gewalt werden als „Schwul“ bezeichnet  oder ins lächerliche gezogen.

Erotik und Pornographie werden gleichgesetzt.

Eine Gruppenvergewaltigung wie in Indien  als ok bezeichnet, da ja viele Frauen sowas auch mögen

Arztfrau als Hassobjekt

Mai 15, 2011

Durch die ungewöhnlich vielen Besucher bin ich auf eine seltsame Diskussion gestossen.

http://bfriends.brigitte.de/foren/was-bringt-sie-aus-der-fassung/174761-arztfrauen-schaltet-der-beissreflex-jedes-ironieverstaendnis-aus.html

Ich habe ja lange überlegt ob ich zu dem Thema auch was schreibe.  Denn ich habe mich ja hier im Blog  auch schon öfter als Arztfrau bezeichnet.   Am Anfang fand ich die Diskussion ja auch noch witzig und spannend, aber je länger sie läuft um so mehr frage ich mich was da eigentlich passiert.

Der Anlass war ja eher banal. Eine Frau  die mit einem Arzt verheiratet ist suchte eine Freundin mit ähnlicher Lebenssituation und hat ihre Lebenssituation mit dem Begriff Arztfrau  umschrieben.  Und das hat offensichtlich nicht nur Diskussionsbedarf geweckt, sondern auch Hass, Neid und Wut.  Ich habe übrigens auch schon mit genau diesem Begriff nach Gleichgesinnten gesucht und werde unter diesem Begriff auch häufig im Internet gefunden.  Es gibt also noch mehr unser Art 😉

Vielleicht liegt es ja daran, dass ich selbst auch so ein Exemplar bin, aber mir war klar was die Frau meinte.   Ihr ging  es nicht um die Frage ob so was besonderes, höheres oder sonstwas ist, sondern um die Eigenheiten die es in der Regel mitbringt wenn der Partner im medizinischen Bereich arbeitet.  Und viele dieser Punkte kann man leider als Partner eines Mediziners oder auch einer Medizinerin überhaupt nicht oder nur sehr wenig beeinflussen.

1. Die Arbeitszeiten im Krankenhaus und wahrscheinlich auch in der eigenen Praxis sind selten mit denen in vielen anderen Berufsfeldern vergleichbar.  Man hat seinen normalen 8-10 Stundenarbeitstag wie jeder andere auch und dann kommen noch Wochenende, Nacht- und Bereitschaftsdienste oben drauf.  Daher ist ein „normaler“Arzt häufig 60-80 Stunden in der Woche nicht für seine Familie verfügbar.  Ich bezeichne mich deshalb auch gerne mal als „Teilzeit Alleinerziehend“.    Klar auch Krankenschwestern, Rettungsdienstler, Gastronomen kennen Wochendend und Feiertagsarbeit und können das nachvollziehen.  Es geht auch nicht darum andere Berufe abzuwerten. Es geht einfach um die „Nebenwirkungen“ die ein bestimmter Beruf für die Familie oder Partnerschaft hat.

Ich mache aber auch häufig die Erfahrung, dass viele Bekannte nicht wirklich verstehen warum mein Mann so oft nicht zu Hause ist oder nicht einfach mal einen bestimmten Tag am Wochenende/Abend frei hat.   Denn genau da liegt ja das Problem er arbeitet seine normale 40 Stundenwoche + 8-14 Dienste im Monat.

2. Die Vorurteile Arzfrau/Arztfamilie  = reich,  was besseres,  elitär, leben wie im Groschenroma  sind erschreckend häufig auch bei jüngeren noch vorhanden. Ich bin schon mehrfach als „Frau Doktor“ obwohl mein Mann gar keinen Doktor hat 😉  angesprochen worden.   Wie soll man auf  so was reagieren. Ich versuche immer klar zu machen, dass wir auch nur eine normale Familie sind die genau wie andere auch versucht ihren Alltag zu meistern.   Und die Reaktion der Leute war gleich, egal ob ich zu der Zeit Hausfrau war oder jetzt als Akademikerin arbeite.   Aber das Problem haben meiner Meinung nach die anderen und nicht ich.   Auf der anderen Seite gibt es sowas doch in vielen Bereichen.  Vorurteile sind nicht toll, aber nicht zu leugnen.   Wer uns näher kennt weiß, dass wir so ziemlich das Gegenteil der Groschenromane sind.

Aber eine Arztfrau  = Frau mit einem Arzt verheiratet bin ich , ob ich will oder nicht.  Die Wertung bringen andere oder ich selbst wenn ich es ständig betonen würde hinzu.

Dann kam dort noch die Frage auf, ob man sich über den Beruf seines Partners identifizieren darf, muss, soll.

Identifiziere ich mich über meinen Mann?  Ich würde sagen ja und nein.   Wir sind ein Paar und haben gemeinsam in den letzten 16 Jahren unser Leben so wie wir es jetzt führen aufgebaut.  Und ja ich bin stolz auf das was mein Partner erreicht hat. Aber er ist genauso stolz auf meine Erfolge. Wir haben uns immer gegenseitig unterstützt und jeder hat auch schon zurückgesteckt um dem anderen den Rücken für Examen, Prüfungen und wichtige berufliche Schritte frei zu halten.  Das hat aber nichts mit fehlender Emanzipation zu tun, sondern mit unserem Verständnis von Partnerschaft.  Und das hat schon gar nichts mit dem Arzt sein zu tun.  Er ist halt Arzt geworden.  Als wir uns kennen lernten waren wir beide Schüler. Und hätte er sich anders entschieden wäre ich jetzt vielleicht die Frau eines Goldschmieds,  Mathematikers oder Handwerkers und auch mit diesen Berufen würde ich mit identifizieren. Weil dann diese Arbeit Teil meines Lebens ist.  Mein Mann muss ja auch damit Leben ein „Lehrergatte“ zu sein und alle Vorurteile über diesen Berufsstand zu ertragen 😉

Und ob ich möchte oder nicht natürlich prägen unsere Berufe auch unsere Persönlichkeit und unseren Lebensstil.  Wir leben nicht wie im Groschenroman, aber natürlich geht es uns finanziell besser als einer Familie in der nicht beide gut bezahlte Arbeit haben.    Es gibt Unterschiede und die kann man nicht einfach ignorieren.  Ich hoffe aber, dass ich nie vergesse wie priviligiert wir leben. Auch wenn wir dafür an anderen Stellen (Freizeit,  Familienleben,  lange Studienzeit mit wenig Geld) auch zurück gesteckt haben.  Und Angeberei oder bewußtes Prahlen hat nichts mit dem Arztberuf oder Akademiker sein zu tun.  Das hat was mit Charakter und Einstellung zu tun.

Ich beurteile Menschen aber doch nicht nach ihrem Einkommen. Für mich sind Persönlichkeit, Ehrlichkeit und Charakter viel wichtiger.  Und zum Glück haben wir einen sehr bunten Freundes und Bekanntenkreis.  Da spielt es eine eher untergeordnete Rolle welchen Beruf man hat.

Trübe Tage

November 6, 2010

Heute ist jetzt wirklich richtig Herbst/Winteranfang.  Es regnet, ist kalt und man hat überhaupt keine Lust vor die Haustür zu gehen.  Der beste alle Gatten hat schon die Kamine angefeuert und wir werden uns wohl heute im Haus einbunkern.  Olga ist dieses Wochenende auch zu Hause. Sie hat Streit mit Schatzi.  Der „Gute“ will sie wohl zur perfekten russischen Hausfrau umerziehen. Aber da machst sie zum Glück nicht mit. Hat sie auch nicht nötig.

Er will am liebsten sofort heiraten und Kinder bekommen und Sie will sich Zeit lassen und erstmal klären ob sie hier überhaupt arbeiten darf und ob die beiden zusammen passen.  Man bin Ich stolz auf unser AP.  Hoffentlich werden meine beiden Mädchen auch mal so stark und lassen sich nicht von einem Mann vorschreiben wie sie sich zu kleiden, frisieren und verhalten haben.

Gestern Nachmittag habe Ich auf jeden Fall erstmal ein 2 stündiges Frauengespräch  mit Olga in der Küche geführt. Es hat mich so gefreut, dass sie mir von ihrem Kummer erzählt hat und mir offensichtlich wirklich vertraut.  Und sie hält sich richtig gut, aber Ich glaube innerlich ist sie schon sehr verletzt und traurig.

Gleich versuche Ich sie aufzuheitern. Wir gehen zusammen in den Supermarkt. Unsere Olga kauft nämlich genauso gerne Lebensmittel ein wie Ich 🙂  Und es ist auch mal wieder schön sie am Wochenende um uns zu haben.

Bin gespannt wie es bei den beiden weitergeht.

Der beste Ehemann der Welt

November 3, 2010

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Angriff der lila Puschelritter

Oktober 31, 2010

Um 5.40 alter Zeit war unser Nacht zu Ende. Die kleine Hexe war nach einem ganzen Tag schlafen und ausruhen gestern TOPFIT für ihren Geburtstag.  Also haben wir noch ein paar Minuten im Bett gekuschelt und dann gab es kein Halten mehr.  Um 6.00 Uhr wurden in der Küche mit 2 begeisterten, aufgeregten und glücklichen Kindern und 2 stolzen müden Eltern die Geschenke ausgepackt.

Die kleine Hexe wünscht sich schon seit Monaten eine Ritterburg. Spätestens seit wir im Sommer im Playmobilland gewesen sind gibt es für sie keinen größeren Wunsch mehr.  Die Standard Reaktion aller älteren Verwandten und Bekannten : „Aber das ist doch kein Mädchenspielzeug“ ignoriert die kleine Hexe sicher.    Und die haben ja auch keine Ahnung. Mädchenspielzeug ist was du draus machst.  Ich würde ja gerne behaupten unsere Kinder sind geschlechtsneutral erzogen und spielen eben auch mit Jungen Spielzeug, aber so ganz richtig ist das leider nicht.

Heute morgen ist es also so weit. Die Ritterburg zum lila Puschelritter ist eröffnet.  Zwei kleine Damen sitzen seit jetzt 3 Stunden glücklich vor der Burg und spielen.  Die Burg ist überwiegend von Prinzessinnen bewohnt. Die Ritter sind alle im Verlies. Bis auf den lila Puschelritter.  Der hat schon 4x geheiratet.  Der liebe Drache hat sich mit dem Henker angefreundet nein Ich habe nicht erklärt was ein Henker macht und die Mumie und das Gespenst kommen regelmäßig in die Burgküche zum feiern.  Es wurden Betten aus Geschenkpapier gebastelt ….

Am besten kommen übrigens 2 Mini Eulen an, die die Burg verteidigen. Wer braucht schon Ritter. Große Hilfe: „“ Die Eulen sind Schlau und legen die Ritter einfach rein.“

An dieser Stelle nochmal ein Riesen Dankeschön an die Vorbesitzer dieser Burg.  Sie ist ein voller Erfolg und  wird wahrscheinlich so bespielt werden wie noch nie.  Und die neue Burgherrin  platz vor Stolz.

BEMÜs und GLÜMÜs

Oktober 27, 2010

Ich habe gelernt es gibt BEMÜs  : Berufstätige Mütter und GLÜMÜs : Glückliche Mütter.

Beim ersten Mal habe Ich gelacht, aber dann bin Ich wütend geworden. Denn erstens bin Ich nicht eins von beiden, sondern wenn schon eine BEGLÜMU :  Eine berufstätige und glückliche Mutter.  Aber es zeigt sich auch hier mal wieder es gibt nirgends soviel Neid und Missgunst wie zwischen Müttern/Frauen.

Warum darf eine glückliche Mutter nicht berufstätig sein und warum sind alle nicht berufstätigen Mütter automatisch glücklich?  Wie kommt man überhaupt auf so blöde Begriffe?

Was ist überhaupt eine berufstätige Mutter? Spricht man auch von berufstätigen Vätern?  Nein, genau weil es nämlich für die normal ist Familie und Arbeit zu haben. Nur als Frau darf Ich mich egal wie Ich mich entscheide rechtfertigen.  Will Ich aber nicht.

So dass musste jetzt einfach mal raus.

Papa Tag

April 22, 2010

Morgen ist bei uns Papa Tag.  Ich habe einen ganztägigen Klassenausflug und unser Au-Pair kommt auch mit. Das ist möglich, da der beste aller Gatten mal wieder Hausdienst hat. Das bedeutet er ist seit heute Morgen in der Klinik und kommt dann Morgen gegen Mittag nach Hause. Nach einer  kurzen Pause wird er dann die beiden Damen aus dem Kiga abholen und den Nachmittag und Abend mit den beiden verbringen. Denn ich komme wahrscheinlich erst gegen 20.00 – 21.00 Uhr wieder zurück.

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Vereinbarkeit Familie und Beruf Utopie und Realität

Februar 4, 2010

Das Thema Vereinbarkeit Familie und Beruf ist ein Thema faszinierte mich schon im Studium damals noch rein theoretisch.  Ich habe meine Examsarbeit über das Thema geschrieben und viel über das Thema gelesen und nachgedacht.  Und ich war überzeugt, dass Mann/Frau mit der nötigen Planung beides ganz gut schaffen kann. Manchmal muss ich schmunzeln wenn ich meine meine Ideen von damals lese. In der Theorie ist alles immer recht einfach.

Es klappt auch in der Realität, aber manches Mal beneide ich heimlich die Elternzeitmamas , einfach um ihre vermeintliche zeitliche Freiheit.  Und zwar immer dann, wenn ich mal wieder nicht ins System passe oder unser sorgsam geplantes Betreuungsnetz in sich zusammen fällt.  Ich fühle mich nämlich manchmal in beiden Systemen wie ein Alien. Die Vollzeitmamas sind  oft freundlich reserviert und auf der Arbeit schauen mich die Vollzeitkollegen wie ein exotisches Wesen an.  Aber vielleicht bin ich ja auch ein bischen zu empfindlich.

Weil:

– Der Kiga alle Mütterevents immer auf die Vormittage legt. Und nie in die Schulferien. So verpasse ich regelmäßig die Musikaufführungen, Müttertreffen und Spielgruppen.  Am Nachmittag laufen dann Veranstalltungen für Väter und da sind häufig Mütter nicht erwünscht. Beispiel Babyschwimmen.

– Verabredungen mit anderen Kindern schwierig sind, da sie normalerweise beim Abholen vor dem Mittagessen getroffen werden. Ich/Au-Pair kommen aber erst nach dem Essen und dann ist alles schon gelaufen.

– der Kinderarzte am liebsten nur Termine am Vormittag hat und die liebe Sprechstundenhilfe nicht versteht warum ich nur 1x in der Woche Morgens kann.

– die Kinder morgens betteln ob ich nicht auch mal zu Hause bleiben kann um mit ihnen zu spielen und mein Mamaherz blutet.

– Ich mal wieder den „natürlichsten“ Vorgarten der ganzen Siedlung habe, weil ich seit Wochen nicht dazu komme ihn mal wieder richtig in Ordnung zu bringen.

– Mich ältere Kolleginnen aber niemals Kollegen  mit ihren Theorien über vernachlässigte Kinder beglücken die schon mit 2 Jahren fremdbetreut werden und wie wichtig es war, dass sie damals lange zu Hause geblieben sind.

– meine Unterrichtsvorbereitung mal wieder Schwellendidaktik ist, weil die Kinder den ganzen Tag die Mama brauchten und am Abend auch erst viel zu spät eingeschlafen sind.

– Konferenzen, Termine bei uns in der Schule immer möglichst kurzfristig bekannt gegeben werden, oder gerne auch noch mal kurzfristig umgelegt.

– Der Kiga den dritten Tag dieses Jahr die Betreuung früher oder ganz einstellt und somit auch alles wieder umgeplant werden muss.

– 100 Möglichkeiten bestehen sich im Kindergarten einzubringen für die mir aber leider häufig die Zeit fehlt.

Aber ich bin auch realistisch genug zu sehen, dass es sicher 100 andere Situationen gibt in denen mich dieselben Mamas um meine Möglichkeiten beneiden. Und mir fallen eben auch genug Gründe für die Arbeit ein.

– Unsere Familie hat durch zwei Einkommen viel mehr Sicherheit. Es ist für beide Partner ein gutes Gefühl, dass man nicht allein für alles verantwortlich ist.

– Wir können uns den Luxus  eines Au-Pair  leisten auch so auch als Paar allein etwas unternehmen.

– Unsere Kinder sind  früh selbstständig und gehen offen und neugierig auf neue Menschen zu.

– Wir können uns ein Haus mit großem Garten leisten. Platz ist mit Kindern  Luxus.

– Ich kann meinen Kinder Musikschule, Ausflüge, Urlaube ermöglichen, die von einem Gehalt so sicher nicht bezahlbar sind.

– Ich liebe meinen Beruf und gehe meistens einfach gerne arbeiten.

– Es ist toll auch mal nicht nur über KKK Kinder Küche Klatsch zu reden.

Fazit:

Vereibarkeit klappt wenn die Rahmenbedingungen stimmen und man bereit ist Kompromisse einzugehen.

– Man braucht eine gute Kinderbetreuung am besten mit doppeltem Boden.

– Man muss sich eingestehen, das Frau wenn sie nicht Superwomen ist Hausarbeit, Familienzeit/Erziehung und Erwerbstätigkeit nicht  allein 100 perfekt erledigen kann. Delegieren und Abstriche machen ist notwendig.  (Bei mir ist die Priorität ganz klar Kinder/Beruf vor Haushalt)

– Eine Umgebung die einen unterstützt oder zumindest keine Knüppel zwischen die Beine wirft. Denn das chronisch schlechte Gewissen haben wir Mütter glaube ich doch genetisch eingebaut, da brauche ich keine Nachbarn, Großeltern, Kollegen, Kigadrachen …. die da noch dran schrauben.

– Eine Gesellschaft die Kinder nicht nur als Kosten/Risikofaktor sieht, sondern als normaler Teil des Lebens der eben genauso dazugehört wie vieles andere auch. Und wenn das so ist, dann fühle ich mich als berufstätige Mutter vielleicht auch nicht mehr so „zwischen allen Welten“.

All das ist mir persönlich 1000x mehr wert als irgendwelcheund  Herdprämien, Bildungsgutscheine oder Erziehungs- Elterngeld Zahlungen. Natürlich hätte ich mich gefreut wenn ich auch was davon bekommen hätte, aber das alles hätte meine Lebensplanung oder die Entscheidung für Kinder nicht wirklich beeinflusst.  Einzig die Vätermonate des Elterngeldes sind finde ich eine tolle Sache, da so auch die Väter die Möglichkeit bekommen ihren Teil am Familienleben zu haben ohne gleich die Familie in finanzielle Nöte zu stürzen.

Au-Pair und Feminismus

Februar 3, 2010

Mir ist heute mal wieder ein alter Ordner aus Uni-Zeiten in die Hände gefallen und dort fand ich Unterlagen aus einem Seminar zur Ausbeutung von Frauen durch Frauen. Das Au-Pair Verhältnis wird dort auch problematisch dargestellt. Und irgendwie stimmt es auch was dort steht. Ich befreie mich von Hausarbeit und Erziehungsarbeit indem ich einer anderen Frau eher wenig dafür bezahle, diese Aufgaben zu übernehmen um selbst gutes Geld verdienen zu können.   Denn mal ehrlich es ist wenn Frau/Mann es sich leisten kann viel einfacher die Hausarbeit an Dritte zu delegieren, als sich mit dem Partner aueinander zu setzen wer welche Aufgaben übernimmt.  Und man gewöhnt sich schnell an den Luxus viele lästige Kleinigkeiten an das Au-Pair abgeben zu können. Es bleibt also doch vieles in der Haus- und Erziehungsarbeit eher traditionell Frauenarbeit in Au-Pair Familien.

Aber auf der anderen Seite sehe ich auch, dass unsere Au-Pairs bei uns „emanzipiert“ werden. Sie sehen wie der beste aller Gatten sich an der Haus- und Familienarbeit beteiligt. Ja Männer können und dürfen Windeln wechseln, Bad putzen, Kinder versorgen …. Das ist für viele unserer Au-Pairs eine neue und am Anfang ungewohnte Entdeckung gewesen. Manchmal mussten wir sie fast zwingen den Papa auch mal etwas machen zu lassen 🙂

Und die meisten Mädchen haben bei uns ihr Selbstvertrauen und ihre persönlichen Fähigkeiten weiter entwickelt und gelernt auch stolz auf sich zu sein und unabhängig von den Vorstellungen, Erwartungen ihren Eltern zu leben.  Oder normal mit einem Mann = Gastvater zu sprechen. Auch das für viele Mädchen am Anfang sehr ungewohnt.

Auch die Fixierung auf einen Mann und Kinder als einzige Lebensaufgabe haben die meisten Au-Pairs nach dem Jahr neu überdacht, während eine gerade zu süchtig nach Babys/Kindern war und es kaum erwarten kann eigene Kinder zu haben. So ein Jahr Realität macht kritisch gegen Träume und Wunschvorstellungen.  Ich denke die Sache hat also zwei Seiten.  Und es gibt ja auch immer mehr Jugen die als Au-Pair ins Ausland gehen, auch hier werden Stereotype durchbrochen. Spannend wäre natürlich die Frage ob die Au-Pair Jungs genau so viel Hausarbeit machen müssen wie die Mädchen.

Aus eigener Au-Pair Erfahrung kann ich nur sagen, ich habe in den USA zum ersten Mal gesehen wie selbstverständlich Frauen arbeiten gehen und wie normal Ganztagsbetreuung dort ist. Das kannte ich so aus meiner eher  konservativ ländlichen Heimat nicht.  Im Nachhinein denke ich oft, dass mich diese Zeit mehr geprägt hat, als ich in diesem Moment realisiert habe.  Ich habe dort häufig über Kindererziehung, Partnerschaft und mein zukünftiges Leben nachgedacht. Viele positive Anregungen, aber auch einiges was mich heute hoffentlich vor dem ein oder anderen  Fehler bewahrt habe ich aus dem Jahr mitgenommen.  Und ja ich habe mich dort zum Teil ausgebeutet gefühlt, aber das hat mir sehr früh gezeigt, dass mich persönlich das 100% Hausfrau Dasein nicht ausfüllt. Hätte ich so vorher nicht von mir gedacht. Und es war gut diese Erfahrung mit fremden Kindern zu machen und nach einem Jahr bestärkt den eigenen beruflichen Werdegang in Angriff nehmen zu können.


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